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Das Bild zeigt ein großes Industriegebäude, das von einem schwarzen Metallzaun umgeben ist. Der Zaun ist mit Stacheldraht gekrönt, und an Masten in der Nähe des Zauns sind mehrere Überwachungskameras angebracht.

KI-Rechenzentren

KI-Rechenzentren sind die neue Investitions-Bonanza. Doch ein genauer Blick auf Energiekosten und Flächenverbrauch zeigt: Die Spekulation kann unmöglich aufgehen.


• In der deutschen Provinz gibt es Gemeinden, deren Namen nur deshalb jeder kennt, weil dort Großes gebaut werden sollte. Wie beispielsweise Wyhl, Wackersdorf oder Gorleben – drei Orte, an denen ein geplantes Atomgroßprojekt einst am massiven Widerstand scheiterte.

Ob ein von den Dimensionen vergleichbares Vorhaben im schleswig-holsteinischen Schuby scheitert oder ein Erfolg wird, ist noch offen. Bislang kennen nur wenige den Ort. Außer grüner Wiese, einem Umspannwerk und einigen Batteriecontainern für Windstrom gibt es dort nichts zu sehen. Doch 2024 nahm Petra Schulze, die ehrenamtliche Bürgermeisterin von der SPD, eine „Goldgräberstimmung“ wahr. Irgendwelche Unbekannten hatten Projektierer vorgeschickt, um einen Claim abzustecken. Nicht für ein Kernkraftwerk, sondern für die industrielle Produktion künstlicher Intelligenz.

Das 93 Hektar umfassende Areal bietet die idealen Standortfaktoren für die friedliche Nutzung der KI: reichlich Grünstrom, Anschluss ans Netz und ausreichend Abstand zum Dorf, um nicht zu sehr zu stören. Erschaudern lässt nur der Energiehunger der geplanten Rechenzentren. Beim realisierbaren Maximalausbau könnte der Campus zeitweise so viel Strom bedürfen, wie einst das AKW Brokdorf als Leistung hergab: 1,4 Gigawatt (GW).

Wird das Projekt Wirklichkeit, dürfte das Dorf bei Schleswig in wenigen Jahren eine von drei deutschen Kommunen sein, die recht weit oben in der Weltrangliste der wichtigsten Datenfabriken stehen. Die anderen beiden Großzentren baut die Schwarz-Gruppe, zu der etwa Lidl und Kaufland gehören, im Nordosten. Insgesamt sind hierzulande derzeit fast 100 Zentren im Bau oder geplant.

Im Vergleich zu den Vorhaben in den USA wirkt Schuby trotzdem mickrig. Analysten von Goldman Sachs erwarten, dass sich der Energiebedarf der Rechenzentren in den USA im Jahr 2027 gegenüber 2025 mehr als verdoppelt haben wird – auf 66 GW. Der rechnerische Maximalbedarf der Zentren soll wegen des KI-Booms regelrecht explodieren, von 37 auf 95 GW.

Keine vier Jahre nach dem Start von ChatGPT stößt die KI-Branche an ihre Wachstumsgrenzen: Kraftwerks- und Netzbetreiber können den unbändigen Elektrizitätshunger der Hochleistungscomputer und Beschleunigerchips, die für das Training von künstlicher Intelligenz nötig sind, nicht mehr stillen. Der Bau neuer Rechenzentren belastet die Anwohner, treibt deren Stromrechnungen hoch, läuft dem Klimaschutz zuwider und ist oft fragwürdig kalkuliert.

Ob sich die gigantischen Investitionen in Hardware und Infrastruktur oder die Betriebskosten der Datenfabriken je amortisieren, ist mehr als fraglich. Denn dazu müsste deren Output so überzeugend sein, dass Privatleute und Unternehmen bereit sind, für Strom und Wasser dauerhaft erhöhte Preise zu zahlen. Selbst wenn die Ergebnisse gut sind, könnten technische Fortschritte und ein klügerer Einsatz der Technik zu Effizienzsprüngen bei Hardware, Software und Arbeitsabläufen führen – und die teuren Stromfresser zu Elektronikschrott machen. Offen ist nicht zuletzt, wie sich die gesellschaftliche Akzeptanz der KI entwickelt. All das droht dazu zu führen, dass eine riesige Investitionsblase platzt. Mit all den damit verbundenen Risiken für die Weltwirtschaft.

An mahnenden Stimmen mangelt es dabei nicht, und die kommen keineswegs nur aus der Nachbarschaft neuer Rechenzentren. So meldet sich Bill Gates als nachdenklicher Elder Statesman zurück: Die Enzyklika „Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz“ von Papst Leo XIV. habe ihn fasziniert. Ausgerechnet der Microsoft-Gründer warnt nun vor Kontrollverlust und plädiert für Entschleunigung.

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