Frank Uekötter im Interview
„Monokulturen sind eine Form des magischen Denkens“
Der Bochumer Technik- und Umwelthistoriker Frank Uekötter über den fatalen Irrweg der globalen Landwirtschaft.
• Dass Frank Uekötter kein gewöhnlicher Professor ist, sieht man gleich auf der Website der Ruhr-Universität Bochum, wo er seit 2023 den Lehrstuhl für Technik- und Umweltgeschichte innehat. Dort schreibt er, dass er gern Abschlussarbeiten betreut, man solle ihm Ideen einfach per E-Mail schicken oder in seine Sprechstunde kommen.
Seine Interessen und Forschungsschwerpunkte seien ein „ziemliches Sammelsurium“, bekennt er selbst – sie zeugen von einer großen Neugier: Rauch. Fruchtbarer Boden. Atomkraft. Mais. Naturschutz. Bergbau. Klimawandel. Binnenschifffahrt.
Uekötter promovierte 2001 über Luftverschmutzung, gehörte 2009 zu den Gründern des Rachel Carson Center for Environment and Society in München und schrieb an der University of Birmingham in Großbritannien an einer Umweltgeschichte der modernen Welt, die 2020 unter dem Titel „Im Strudel“ in Deutschland erschien.
Das Thema Monokulturen habe sich rein akademisch ergeben: „90 Prozent der Weltgeschichte ist Agrargeschichte, und vor etwa zwanzig Jahren fiel mir auf, dass Landwirtschaft ein riesiges Expertensystem ist, über das wir Historiker wenig wussten.“
Seit 2021 leitet Uekötter das von der EU finanzierte Forschungsprojekt zur Globalgeschichte der Monokultur (Understandingmonoculture.eu). Das fünfköpfige Team erforscht unter anderem den Anbau von Kardamom in Indien und den von Tabak in Malawi.
Eine seiner ersten Dienstreisen führte Uekötter 2022 nach Florida, wo die Gelbe Drachenkrankheit, gegen die es trotz intensiver Forschung kein Mittel gibt, die 150 Jahre alte Monokultur des Orangenanbaus bedroht. In den USA stieß das Team auch auf einen Ort in Pennsylvania, an dem rund 60 Prozent der Speisepilzproduktion des Landes stattfinden und die Unternehmen permanent gegen die Mumienkrankheit der Pilze vorgehen müssen.
Erforscht die Folgen von Monokulturen: Frank Uekötter
brand eins: Herr Uekötter, bei Monokulturen denkt man schnell an endlose Maisfelder in den USA. Welche Bilder gehen Ihnen durch den Kopf?
Frank Uekötter: Ziemlich viele. Aber wenn man Monokulturen verstehen will, muss man Misstrauen gegenüber dem Visuellen aufbauen. Die Bilder von geometrisch geschnittenen, maschinengerechten Sojafeldern in Iowa oder von Mandelbaumplantagen in Kalifornien erwecken den Anschein von Ordnung, von etwas Rationalem. Zudem suggerieren sie, Monokulturen seien woanders, weit weg. Dabei sind sie ganz nah, wir alle essen Produkte aus Monokulturen und könnten ohne sie nicht lange überleben.
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