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Mitarbeiterwohnungen

In Tübingen bauen Firmen gemeinsam Wohnungen für ihre Mitarbeiter. Warum? Notwehr.



Das Bild zeigt eine Nahaufnahme einer felsigen Grube durch einen Drahtzaun, der eine rotbraune Färbung aufweist und in dem Risse und Spalten zu erkennen sind.
Das Bild zeigt einen detaillierten architektonischen Plan oder Grundriss eines Gebäudes, auf dem verschiedene Räume und Bereiche beschriftet sind. Der Plan ist farblich gekennzeichnet, um verschiedene Bereiche oder Zonen innerhalb des Gebäudes zu kennzeichnen. Der Plan ist auf einem Blatt Papier dargestellt, und es sind Haftnotizen oder Etiketten daran angebracht.
Ein Mann steht in einem Raum, dessen Regale mit Kisten und Ordnern gefüllt sind, und an der Wand hängt ein Poster.  Der Mann trägt ein schwarzes T-Shirt mit einem Fahrradmotiv und lächelt in die Kamera.

Kennt die Nöte des Mietmarkts: Matthias Gütschow, Architekt des Starter-Hauses

Das Bild zeigt einen Mann, der vor einem Haufen Metallschrott steht, vermutlich in einer Recyclinganlage. Der Mann trägt ein dunkles Hemd und Jeans.

Einer seiner Mitarbeiter sitzt täglich drei Stunden im Auto, um zur Arbeit zu kommen: Philipp Möck, Co-Geschäftsführer der Recyclingfirma AV Möck

• Der Tübinger Architekt Matthias Gütschow hat einen guten Bekannten, der für eine sanierte Altbauwohnung mit 60 Quadratmetern 1.350 Euro Miete zahlt. Kalt. Und das nicht mal im Stadtzentrum. Solche Geschichten über Auswüchse auf dem Wohnungsmarkt gibt es zuhauf.

Die Angebote für Mietwohnungen lagen 2025 in der Universitätsstadt mit ihren knapp 92.000 Einwohnern auf dem Niveau von Großstädten wie Stuttgart oder Berlin: 18 Euro pro Quadratmeter für Neubauwohnungen, knapp 15 Euro im Altbau – im Schnitt, versteht sich. Eine Auswertung der Stadt im Frühjahr ergab, dass nur bei knapp der Hälfte der angebotenen unmöblierten Wohnungen die geforderte Miete der ortsüblichen Vergleichsmiete entsprach, während bei der anderen Hälfte die Mietpreisbremse, das Ordnungsrecht oder gar das Strafrecht wegen Mietwuchers anwendbar wären.

Solche Verhältnisse sind nicht nur für Mieterinnen und Mieter in Tübingen ein Problem, sondern auch für die Stadt und ihre Unternehmen, die Mühe haben, Stellen zu besetzen. Gemeinsam haben sie deshalb ein Projekt für Mitarbeiterwohnungen auf den Weg gebracht. Voraussichtlich Ende 2027 werden an der Marienburger Straße in der Südstadt Menschen in einen Neubau mit 69 Ein- und Zweizimmerappartements einziehen, die auf dem regulären Wohnungsmietmarkt allenfalls den Hauch einer Chance hätten. Ihre Vermieter werden ihre Arbeitgeber sein: 15 kleine und mittelgroße Firmen aus Tübingen und Umgebung, von der Gebäudereinigung über die Buchhandlung Osiander bis zum IT-Dienstleister, bauen gemeinschaftlich ein sogenanntes „Starter-Haus“ für Auszubildende, Berufsanfänger und andere Menschen mit schmalem Lohn.

Drei Werkswohnungen hat Bernhard Klein für die Metzgerei Oskar Zeeb gesichert. Er habe das Unternehmen mit 350 Beschäftigten und 28 Filialen in der Region erst jüngst gekauft und daher hohe Zahlungsverpflichtungen. Doch um dem absehbaren Fachkräftemangel vorzubeugen, will Klein die Zahl seiner Auszubildenden auf 24 erhöhen, deshalb sollen 2027 acht junge Menschen aus Vietnam hinzukommen. Und sie alle benötigen eine Unterkunft.

Aktuell mietet Klein in Tübingen und der Nachbarstadt Reutlingen fünf Mehrzimmerwohnungen für 15 Lehrlinge an, „im Starter-Haus werden wir die Plätze 16, 17 und 18 zur Verfügung stellen können“. Er sei nicht wild darauf, selbst Vermieter zu sein, aber im überhitzten Tübinger Markt sei es fast unmöglich, bezahlbare Mietobjekte zu finden: „Also springe ich durch den Reifen und baue selber, weil ich sonst keine Azubis bekomme. Ich habe kein Immobilieninvestment gesucht, sondern eine Lösung für mein Personalproblem.“

Eine ähnliche Geschichte erzählt Philipp Möck, dessen Familie in Tübingen das gleichnamige Recyclingunternehmen mit 50 Beschäftigten betreibt. Die harte Arbeit, etwa beim Laden oder Sortieren, erledigen meist Angestellte aus Rumänien oder Kroatien. Viele von ihnen arbeiten schon seit Jahrzehnten für das Unternehmen und lebten bisher in Wohnungen auf dem Betriebsgelände, die jetzt saniert werden müssen. „In der Stadt finden sie aber nichts Bezahlbares. Wenn wir unsere Leute halten und neue finden wollen, können wir sie mit diesem Problem nicht alleine lassen.“

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