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Gabriele Fischer über Neue Arbeit

Wege suchen

• Wie lässt sich eine Arbeitswelt beschreiben, die sich als Folge von Krisen, künstlicher Intelligenz und Deindustrialisierung radikal wandelt? 



Das Bild zeigt eine Frau mit dunklem Haar, die ein weißes Hemd mit Kragen trägt und mit ausdruckslosem Blick direkt in die Kamera schaut. Der Hintergrund bildet eine schlichte beige Wand, wodurch die Aufmerksamkeit des Betrachters auf die Frau gelenkt wird. Das Bild ist eine einfache, übersichtliche Komposition, die die Gesichtszüge und den Ausdruck der Person hervorhebt.
Foto: André Hemstedt & Tine Reiner

Durch Zahlen, selbstverständlich: Anabelle Körbel hat den aktuellen Stand auf fünf Seiten grafisch aufbereitet. Und durch Menschen, die ihre eigenen Antworten auf die herausfordernden Zeiten gefunden haben. Erstaunliche Antworten. Und Mut machende.

Zwei der drei Menschen, die wir Ihnen ab Seite 40 vorstellen, waren bereits beruflich erfolgreich: Katrin Schuhen war Juniorprofessorin in organischer Chemie, Max Senges Gründungsdirektor der deutschen Standorte einer internationalen Programmierhochschule namens 42. Und dann sind beide abgebogen: Schuhen gründete eine gemeinnützige GmbH und verwandelt heute Mikroplastik im Abwasser in Baustoffe; Senges machte sich auf zu einer abenteuerlichen Reise durch die Welt und die Wissenschaft. Die größte Herausforderung aber hat Michelle Herrmann bewältigt: Die 19-Jährige wollte eine Ausbildung in der Industrie machen – und erlebte, was man niemandem gönnt.

„Umwege, Abwege: Was ist daran neu?“, könnten Sie jetzt fragen. Die Umstände sind anders als noch vor zehn Jahren. Ein Studium bewahrt nicht mehr davor, durch eine KI ersetzt zu werden. Auszubildende werden zwar gesucht, jedoch nicht für eine neue, fordernde Zeit ausgebildet. Überhaupt ist das Bildungssystem den Herausforderungen so wenig gewachsen wie die hochgelobte duale Ausbildung. Die KI ist schneller als das System und versucht sich bereits, wenn auch noch unzulänglich, als Arbeitgeber.

Wohin das alles führen kann, zeigt sich in China. Dort gelten betriebs- oder geisteswissenschaftliche Studiengänge inzwischen als Sackgasse, technische Studiengänge dagegen erleben regen Zulauf. Mehr als fünf Millionen Alumni aus den MINT-Fächern strömen mittlerweile jährlich auf den Arbeitsmarkt – eine Bedrohung für konkurrierende Staaten. Aber auch für China selbst könnte dieser Weg der Parteiführung gefährlich werden, wie unser Korrespondent Fabian Kretschmer analysiert.

Was in solchen Zeiten hilft? Anpacken. Lernen. Und Risiken nicht scheuen. Ob sich die Ausbildungsfabrik beim Kunststoffspezialisten Igus jemals rechnet, steht noch in den Sternen. Und auch die Tübinger Wohnungen für Beschäftigte sind bisher noch nicht gebaut. Doch wohin kämen wir, würden wir nur auf sicheren Wegen gehen?

Die Angestellten in vielen deutschen und amerikanischen Techfirmen wähnten sich sicher – bis zum Abschwung und den ersten Kündigungen. Seither erlebt der Arbeitsrechtler Daniel Weidmann ausgerechnet dort eine Renaissance der Betriebsräte.

Die beste Nachricht in dieser Ausgabe aber haben für mich fünf jugendliche Gründer beigesteuert: Mit ihrer App Knowunity bringen sie die Schulbildung doch noch ins 21. Jahrhundert. --

Gabriele Fischer
Chefredakteurin