Das große Missverständnis
• Mit der Ausgabe links haben wir vor knapp 20 Jahren für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens plädiert – bis heute eine Utopie. Auch weil die Diskussion darüber in eine falsche Richtung lief: Es ging gerade nicht um die Alimentierung von Drückebergern, sondern um die Entwicklung eines Sozialsystems, das den Umbau der von Industriearbeit geprägten Arbeitsgesellschaft erlauben sollte.
Die Befürworter gingen davon aus, dass mit der Digitalisierung industrielle Arbeitsplätze wegfallen und erst langsam neue entstehen würden. In der Zeit des Übergangs sollten die Ausgeschiedenen sich nicht als Verlierer fühlen, sondern mithilfe eines Grundeinkommens neue Existenzen aufbauen. Ausgangspunkt war die Überzeugung, dass Menschen arbeiten wollen, wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, etwas für sie Sinnvolles zu finden.
In der Debatte um die Abschaffung des Bürgergeldes ist von diesen Gedanken nichts zu finden. Die Überlegungen von damals könnten allerdings in Zeiten von künstlicher Intelligenz wieder aktuell werden. Die Digitalisierung hat den Arbeitsmarkt nicht in dem Maße umgewälzt, wie wir damals dachten; KI schickt sich an, das Werk zu vollenden. Vielleicht ist es an der Zeit, das Konzept erneut zu diskutieren? ---