Parfümindustrie
Eau de Kohlogne
Wie die Parfümindustrie umweltfreundlicher werden will.
• Es geht um Schönheit und Wohlbefinden, und es geht ums Geschäft. Insgesamt setzen Unternehmen, die Parfüms herstellen und verkaufen, derzeit weltweit schätzungsweise mehr als 50 Milliarden Dollar um. Allein in Deutschland gaben die Menschen im vergangenen Jahr umgerechnet 1,8 Milliarden Dollar für Düfte von Burberry, Prada oder Christina Aguilera aus. Die Namen, die auf den Flakons glänzen, kennt jeder. Aber von wem die wichtigste Zutat, der Wohlgeruch, kommt, weiß kaum einer. Er stammt meist von einigen wenigen Firmen, die den Markt kontrollieren. Sie heißen Symrise, IFF oder DSM-Firmenich (Übersicht auf Seite 66).
In deren Laboratorien entstehen viele der mehr als 3.000 Duftstoffe, die in Parfüms, aber auch in Hautcremes oder WC-Steinen stecken. Manche dieser Düfte sollen nur den Geruch von Lösungsmitteln oder Konservierungsstoffen überlagern. Andere regen bestimmte Gefühle an. Studien zeigen: Funktioniert das Zusammenspiel von verschiedenen Duftstoffen, steigt das Selbstwertgefühl, Erinnerungen werden lebendig. Wir schauen optimistischer in die Zukunft.
Gut für uns, aber schlecht für die Umwelt: Denn rund 75 Prozent der Inhaltsstoffe basieren auf Erdöl. Manche pflanzlichen Rohstoffe erfordern wiederum Monokulturen oder den Raubbau an geschützten Arten. Andere benötigen Tierversuche oder verursachen toxische Abfälle. Es stinkt so gesehen in der Parfümindustrie.
Eine Reihe von Start-ups will daher neue Wege gehen. So orientiert sich etwa die britische Parfümfirma Ffern ähnlich wie Restaurants mit saisonaler Küche an den Jahreszeiten: In limitierter Auflage verkauft das Unternehmen quartalsweise wechselnde Düfte – je nachdem, was gerade blüht. Die in Frankreich ansässige Make-up-Marke La Bouche Rouge lancierte im Jahr 2023 wiederum eine Duftkollektion, die auf Upcycling setzt, etwa auf Zedernduft aus Sägespänen.
Bei der Verleihung des Deutschen Parfümpreises wird seit 2022 auch ein Green Award verliehen. Vergangenes Jahr ging die Auszeichnung an das Parfüm La Panthère von Cartier (für die „nachhaltige Ressourcenverwendung, klimafreundliche Produktion und soziale Verantwortung“). Auch bei den Großen der Branche tut sich also etwas. Insgesamt haben sogenannte Clean-Label-Düfte – sie sollen nachhaltig und ohne schädliche Inhaltsstoffe sein –, bereits einen Anteil von etwa 20 Prozent. Die gesamte Industrie auf mehr Nachhaltigkeit umzustellen ist jedoch schwierig: Die Parfümindustrie bringt pro Jahr mehr als 1.000 neue Düfte auf den Markt, die Herstellung soll schnell gehen. Sarah Schneider kennt die Branche gut. Sie ist Biologin bei Phytoark, einer auf pflanzliche Inhaltsstoffe spezialisierten Schweizer Firma, die auch in Start-ups investiert. Sie sagt: „Bis vor wenigen Jahren betrachteten die Parfümhersteller Nachhaltigkeit als Randkonzept, unvereinbar mit dem Prestige der Branche.“ Das ändere sich nun.
Freideriki Michailidou im Labor: Sie kreiert dort naturnahe Düfte
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Er ist Teil unserer Ausgabe Wert der Natur