Finanzbranche
Riskante Renditen
Banken und Versicherungen tragen mit ihren Investitionen zur Erderwärmung bei – die auch ihre Geschäfte bedroht. Einblicke in die Widersprüche der Finanzbranche.
• In der kanadischen Provinz Alberta schießen Versicherungsunternehmen neuerdings in die Wolken. Eine Reaktion auf den Klimawandel, der die sommerlichen Hagelschauer in der Region ins Extrem treibt: Im August 2024 verursachten Hagelkörner in Calgary – einige so groß wie Grapefruits – Schäden von fast zwei Milliarden Euro. Das teuerste Wetter-Ereignis in der Geschichte der Stadt. Für die Versicherer wäre es noch weitaus kostspieliger ausgegangen, hätten sie nicht längst in Kleinflugzeuge investiert, die bei aufziehenden Hagelstürmen die dunklen Wolken ansteuern, um diese mit Silber-Ionen zu impfen. Das Wasser gefriert dadurch schneller, die Hagelkörner werden kleiner. Die jährlich fast 3,4 Millionen Euro für dieses Geo-Engineering sind gut angelegtes Geld: Die Versicherer schätzen, dass sie die Folgekosten der Schäden dadurch glatt halbieren konnten.
Die Häufung von Naturkatastrophen durch den Klimwandel birgt ein großes Risiko sowohl für Versicherungen, die für die Schäden aufkommen, als auch für Banken, denen der Ausfall von Krediten droht, wenn von der Katastrophe betroffene Unternehmen ihr Geschäft nicht fortsetzen können.
Gleichzeitig gehören Banken und Versicherungen zu den weltweit 60 größten Geldgebern der fossilen Industrie, sie pumpten zwischen 2016 und 2023 knapp sieben Billionen US-Dollar in Öl- und Gasgeschäfte. Wie passt das zusammen? Ist es nicht an der Zeit, aus Eigeninteresse alles dafür zu tun, die Erderwärmung zu stoppen? Über einen wirkungsvollen Hebel verfügt die Finanzbranche jedenfalls: Kapital.
Summe der Anlagen deutscher Versicherer, in Milliarden Euro: 1.900
Wir freuen uns, dass Ihnen dieser Artikel gefällt.
Er ist Teil unserer Ausgabe Wert der Natur