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Editorial

Natur ist Wirtschaft



• Es ist erstaunlich, wie schnell das Klima zum Bleib-mir-bloß-weg!-Thema verkommen ist. Selbst die Grünen haben es im Wahlkampf kaum angesprochen. Ganz einfach, weil es für viele – auch und gerade in der Wirtschaft – kein wichtiges Anliegen mehr ist.

Das ist nicht nur misslich für die Natur, sondern auch für die Ökonomie. Der Rückversicherer Munich Re summiert die globalen Schäden durch Naturkatastrophen im Jahr 2024 auf 320 Milliarden Dollar, und gerade einmal 44 Prozent davon waren versichert. Bis 2050, so eine Studie im Auftrag der Bundesregierung, könnten die Folgekosten des Klimawandels in Deutschland je nach Erwärmungsgrad zwischen 280 und 900 Milliarden Euro betragen.

Porträt einer Frau mittleren Alters mit dunklem Haar und blauen Augen. Sie trägt ein weißes Hemd und blickt freundlich in die Kamera. Ihr Gesichtsausdruck wirkt ruhig und selbstbewusst.
Foto: André Hemstedt & Tine Reimer

Womöglich sind das Zahlen, die gerade auch angesichts der neuerdings um uns herschwirrenden Milliardensummen niemanden mehr so richtig schockieren. Aber der pfleglichere Umgang mit der Natur spart nicht nur Geld in ferner Zukunft, er kann auch neue, noch dazu dem Gemeinwohl dienende Märkte schaffen. So hat sich rund um die Tierbeobachtung per Satellit inzwischen ein kleines Innovationscluster entwickelt, das auch für andere Branchen wichtig werden kann. Und das Fintech The Landbanking Group verhilft mit seiner Software Landler nicht nur Organisationen zu einer besseren Klimabilanz – es macht Umweltschutz auch für Landwirte in Ägypten zu einem einträglichen Geschäft.

Es soll sich lohnen, das Richtige zu tun. Das mag zwar ein Grundsatz sein, der so manchem Grünen der Gründergeneration gegen den Strich geht, der aber unterm Strich der Natur nützt. Doch um die Natur bei wirtschaftlichen Entscheidungen angemessen einzubeziehen, müssen wir erst einmal lernen, ihren Wert zu erkennen und ihn berechenbar zu machen: Was kostet es uns, wenn der Waldlaubsänger nicht mehr singt? Warum fängt der deutsche Wald immer weniger CO2 auf? Und was könnte es bringen, wenn Landwirte nicht mehr nur mit ihren Produkten, sondern auch mit der Pflege ihrer Böden Geld verdienen?

Die Schweiz hat längst begriffen, dass Umweltschutz kein Schönwetter-Hobby ist. Das inzwischen unaufhaltsame Schmelzen der Gletscher bringt die komplette alpine Wasserversorgung aus dem Gleichgewicht – und damit auch die europäische Schifffahrt. Gegenmaßnahmen sind ebenso teuer wie architektonisch heikel. Wie eine vorsorgende, dem Klima und dem Geldbeutel dienliche Politik aussehen kann, zeigt sich in Dänemark. Deren Green Deal ist ein Lehrstück für die Überzeugungskraft gut sortierter Fakten. Und er widerlegt, dass sich im Klimaschutz ja sowieso nichts bewegen lässt.

Wir werden jedenfalls weiterhin gute Beispiele sammeln und zeigen, dass sich der Einsatz lohnt. Die Alternative ist uns schlicht zu teuer. Und zu gefährlich. ---