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Daniela Antoni

Daniela Antoni, 47, Waldökologin aus Stockstadt am Main, gibt Stadtbäumen eine Stimme. Dazu ist sie in Süddeutschland unterwegs, hier sieht man sie unter einer Rosskastanie in einem Aschaffenburger Park.



Eine Person sitzt auf einer Bank in einem Park, umgeben von einem großen Baum mit moosbewachsenen Ästen und einem ruhigen Gewässer im Vordergrund.

• Es ist ein kurzer Videoschnipsel mit Text und Musik, der das ganze Drama zeigt. Zu sehen ist eine Baumreihe, die Straße entlang, aber statt Ästen ragen nur abgesägte Stummel vom Stamm. „ P OV : Der Baumschnitt bricht Dir das Herz, weil Du weißt, dass die Bäume Opfer eines Systems sind, das Laien, statt Experten pusht“, steht da, unterlegt mit einer traurigen Melodie.

Kappung nennen die Fachleute so einen Radikalschnitt, einen, der die Bäume wie knochige Finger hinterlässt. „Unsachgemäß“, nennt das Daniela Antoni. Auf diese Art würden hierzulande ungefähr 1.000 Bäume verstümmelt, pro Tag. Schneidet man einen Baum zu stark, kann er instabil werden und sterben.

Der beste Baumschnitt sei der, den man nicht sieht, schreibt Antoni auf Instagram. Dort zeigt sie Stadtbäume, alte, knorrige, aus Regenrinnen wachsende – und solche, die Opfer des Menschen wurden. Zubetoniert, an den Wurzeln abgebaggert oder eben zu arg beschnitten.

Antoni ist Sachverständige für Stadtbäume, zuständig für Verkehrssicherheit. Niemandem soll ein Ast auf den Kopf oder der Baum aufs Auto fallen. Als Selbstständige kontrolliert sie Bäume in Süddeutschland, im Auftrag von Gemeinden, Parkbesitzern oder Unternehmen mit Bäumen auf dem Grundstück, etwa Golfplätze.

Dann steht sie mit Tablet, Höhenmessgerät und Maßband unterm Baum. Wie alt ist er, wie groß? Stimmt die sogenannte lichte Höhe – also zweieinhalb Meter überm Radweg, viereinhalb über der Straße? Gibt es Schäden von Rasenmähern oder Autos, gibt es Spechthöhlen, Pilze, Kappungsstellen? Klingt der Baum hohl? Sie klopft mit einem Gummihammer gegen den Stamm. 80 bis 100 Bäume schafft sie pro Tag, die Daten landen in ihrem Kataster. Mit Ergebnissen wie: Bäume Nummer 5 und 17 müssen geschnitten werden. Zudem berät sie Bauherren, schreibt Gutachten, und untersucht kranke Bäume.

Daniela Antoni hat Waldökologie und Forstwissenschaften studiert und sich von der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau als Baumkontrolleurin zertifizieren lassen. Vorschrift ist das Studium nicht. Baumkontrolleurin und -pfleger sind keine geschützten Berufe, etwas Praxis, ein paar Tage Schulung reichen für den Job. Oder eben nicht, so sieht das Antoni. „Da bietet jemand Baumpflege oder Baumkontrolle an, und die Leute denken, das wird schon Hand und Fuß haben.“ Eine Motorsäge macht noch keinen Baumpfleger, aber oft sei die Arbeit mit Bäumen genau das: eine maschinenfixierte Männerbranche. Standardspruch: „Der wächst schon wieder.“ Aus manchen Grünpflegekolonnen höre sie „Ist doch nur ein Baum“, bevor ein Bagger über die Wurzeln rumple. Wenn sie reißen, ist der Baum dahin.

Baumschutzsatzungen, die über das allgemeine Naturschutzgesetz hinaus die Arbeit am Baum regeln, gibt es fast nur in Großstädten. Antoni hätte gern eine, die bundesweit gilt.

Als Kind wollte sie den Regenwald retten, Bäume umarmen sei aber nicht ihr Ding. „Emotional werde ich nur bei alten Bäumen.“ Sonntagsbäume heißen die bei ihr, manche 300 Jahre alt – trotz uns Menschen, wie sie sagt.

Stadtbäume schaffen häufig nur 60 Jahre. Sie sind dem urbanen Leben ausgesetzt: Abgase, Streusalz im Winter, Hitze und fehlendes Wasser im Sommer, Hunde-Urin das ganze Jahr.

Antoni will, dass Bäume wieder wertgeschätzt werden. Sie spricht von „plant blindness“, davon, dass Stadtbäume für selbstverständlich genommen werden. Was sie leisten, sehe kaum jemand. Eine Art grünes Inventar, um das man sich nicht kümmern müsse. Dabei könne jeder Stadtbäume gießen. Und Kommunen sollten nur so viel pflanzen, wie sie auch pflegen können.

Auf Instagram räumt Antoni zudem mit Mythen auf. Zum Beispiel, dass heimische Bäume per se besser sind. Oder dass kranke Exemplare gefällt werden müssen. Solange sie nicht umfallen, seien sie wichtige Lebensräume für Insekten. „Ihr merkt es selbst“, mahnt sie in einem Reel, „eure Windschutzscheiben sind sauber.“ ---

Instagram: @baumkontrolle_im_netz