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Wetell

Umweltfreundlich telefonieren ist teurer als billig telefonieren. Wie verkauft man die hohen Preise seinen Kunden? Wetell, ein Start-up aus Freiburg, ist auf der Suche.



Ein Mann und eine Frau stehen auf einer Bühne vor einem weißen Hintergrund. Der Mann trägt einen grauen Blazer und eine dunkle Hose, er wirkt aufmerksam und hält eine Hand in der Hosentasche. Die Frau sitzt lässig auf einem Stuhl, sie lächelt und trägt Jeans und eine blaue Jacke. Beide wirken entspannt und kommunizieren miteinander.

• Das Mobilfunkunternehmen Wetell aus Freiburg bietet Handytarife an, die teurer sind als die Konkurrenz. Das Versprechen: nachhaltiges Telefonieren. Dafür kompensiert die Firma CO2-Emissionen, erzeugt durch ihre Investitionen mehr erneuerbare Energie, als ihre Kundschaft beim Telefonieren verbraucht, und setzt auf faire Verträge. Doch dazu später. Denn erst mal muss Wetell kommunikativ eine Schippe drauflegen, damit irgendjemand den Mehrpreis zahlt – gerade jetzt, da der große Nachhaltigkeitshype vorbei ist, selbst in Freiburg. Mit klassischer Werbung kommt man da nicht weit. Es braucht eine neue Sprache. Und ein neues Mindset. Die Wetell-Leute fangen jeden Morgen um 9 Uhr bei ihrer Tageskonferenz damit an, anders zu sein.

1. Morgenkonferenz

Die Büros von Wetell befinden sich in drei Containern, die im Inneren einer ehemaligen Lokhalle am Güterbahnhof von Freiburg hinter einer kleinen Cafeteria aufgestapelt sind. Die Cafeteria ist noch geschlossen, nur vier der 28 Mitarbeiter von Wetell sind im Büro, der Rest ist von zu Hause zugeschaltet.

Rebecca ist ein wenig erschöpft, sagt sie, weil sie gestern ihren Date-Abend mit Robert hatte – „im Baumarkt“. Und am Morgen sei sie von einer Kettensäge geweckt worden. Nein, nicht Roberts Schnarchen; ein Arbeiter vor dem Fenster. Juliane ist auch schon seit halb sechs wach und wird am Nachmittag spazieren gehen. Ian hatte leider keine Zeit zum Eisbaden, er musste sich mit der kalten Dusche begnügen. Irgendjemand nuschelt aus dem Off: „Ich hänge gerade im Weltschmerz fest. Will da jemand mit rein?“ Nein, leider nicht. Die anderen sind gut drauf. Wegen Yoga. Alma hat acht Sekunden die Krähe geschafft, Lukas den Handstand und Henrike ist voll motiviert, jetzt endlich mal die Sache mit den Liegestützen anzugehen.

Übers Geschäft redet niemand.

Dabei wäre das dringend nötig. Es läuft nämlich suboptimal. Seit der Gründung der Firma am 31. Juli 2019 gab es kein einziges Mal Gewinn. 2023 machte Wetell bei einem Umsatz von 1,9 Millionen Euro 298.900 Euro Miese. 2024 werden es nach vorläufiger Berechnung 40.000 Euro sein. Plus drei Millionen Euro Altschulden. Eventuell gibt es Ende 2025 mal ein positives Jahresergebnis.

Vorausgesetzt, die aktuelle Crowdfunding-Kampagne läuft gut. Damit will Wetell 750.000 Euro einsammeln. In der Ausschreibung heißt es: „Wetell ist mehr als ein Unternehmen – es ist ein Hebel für Veränderung. Um die Kraft dieses Hebels zu verstärken, möchte das engagierte Team erneut in Wachstum investieren. Das Finanzierungsziel sind 750.000 Euro. Das Geld soll vor allem in Marketing- und Vertriebsmaßnahmen fließen.“ Allerdings wird auch gewarnt: „Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen.“

Doch wenn Wetell eines kann, dann Crowdfunding. 2021 sammelten sie in zwei Stunden 700.000 Euro ein. 2023 dauerte es fünf Stunden, bis das Ziel erreicht war: eine Million.

Die Menschen scheinen Wetell zu lieben, so wie sie der Firma das Geld hinterherschmeißen. Allerdings geht es dabei mehr um Ideologie als Telefonie. Sie unterstützen die Idee, kaufen aber nicht das Produkt. Zumindest nicht genug. Aktuell hat Wetell 25.000 Kundinnen und Kunden. Die Telekom hat 67 Millionen.

Ein lächelnder Mann lehnt an einem roten Container. Er trägt einen beigen Pullover und dunkle Jeans. Im Hintergrund ist eine industrielle Halle mit hohen Decken und Pflanzen zu sehen.

Aus dem Gründerteam: Andreas Schmucker 

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