Was kommt nach Social Media?
Die Avantgarde geht voraus – also raus. Nur wohin?
»Soziale Medien: die Gemeinschaft, in der Fremde darüber streiten, wer mehr beleidigt ist.«Weisheit aus und über Social Media
Seit wann reden wir eigentlich von Social Media?
Seit dem Übergang vom Web 1.0 zum Web 2.0 vor rund 20 Jahren und damit von der Entwicklung einer Einbahnstraßenkommunikation zu einem Netzwerk. Anders formuliert: mit der Erweiterung der Perspektive von einem einzelnen Haus, also einer Homepage, zu einer Stadt, also einer resonanten Gemeinschaft von Nachbarschaft.
Was passierte in der ersten Phase in dieser neuen Nachbarschaft?
1994 ging Geocities an den Start, im selben Jahr wie der Internetbrowser Netscape. Geocities ermöglichte es, eine persönliche Homepage in einer virtuellen Stadt anzulegen – mit Community-Features wie Chats und Foren. 1999 gehörte sie zu den am häufigsten besuchten Seiten, wurde von Yahoo übernommen und 2009 eingestellt. Im Jahr 1997 kam Sixdegrees als technische Umsetzung des sogenannten Kleine-Welt-Experiments von Stanley Milgram, 1967 an der Harvard-Universität durchgeführt: Ihm zufolge brauchte es nur sechs Kontakte, um von einer Person zu einer x-beliebigen anderen unbekannten Person in den USA einen Kontakt herzustellen. Mit Sixdegrees kamen Netzwerktheorie, Sozialpsychologie und das Internet zusammen. Es verstarb nach nur vier Jahren. Friendster, ICQ, AOL, StudiVZ und andere kamen – und gingen. All diesen Plattformen fehlten Inhalte: zu viel Social, zu wenig Media.
Dann kamen die Social-Media-Plattformen, wie wir sie bis heute kennen. Was haben die anders gemacht?
Sie haben auf die Verbindung von Kontakt und Content gesetzt und den Nutzwert mit Text, Foto und Video weiter ausgebaut. Zwischen 2003 und 2011 wurden die heute noch existierenden US-Plattformen Linkedin, Facebook, Youtube, Twitter, Instagram und Snapchat – in dieser Reihenfolge – gegründet. China war zunächst später dran, erst 1999 wurde mit Tencent das erste Instant-Messaging-Netzwerk ins Leben gerufen. 2011 folgte Wechat und noch mal fünf Jahre später die innovativste, aber wohl vorerst letzte Plattform dieser Art: Tiktok.
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Er ist Teil unserer Ausgabe Kommunikation in nervösen Zeiten