Mitsubishi Electric
Endlich den Chef verstehen
Auch in Japan ist Personal rar, daher setzt der Konzern Mitsubishi Electric auf ausländische Arbeitskräfte – und eine Übersetzungssoftware, die Sprachbarrieren überwindet. Das könnte Schule machen.
Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 02/2025.
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• Bis vor gut einem Jahr hatte Akemi Salomao täglich Sorge, etwas Wichtiges nicht mitzukriegen. Die 36-jährige Brasilianerin lebt seit zwölf Jahren in Japan, arbeitet dort in einer Fabrik, in der der Konzern Mitsubishi Electric Wärmepumpen herstellt. „Bei den morgendlichen Ansprachen wird uns immer erklärt, welche Produkte wir an diesem Tag fertigen und worauf wir dabei achten müssen“, sagt sie. Sie könne sich zwar auf Japanisch unterhalten, aber technische Fachbegriffe verstehe sie manchmal nicht. Das habe sie lange verunsichert, zumal Verständigungsprobleme bei der Arbeit immer mal wieder zu Produktionsfehlern führten. Doch das sei zum Glück vorbei – dank künstlicher Intelligenz.
Rund ein Fünftel der Menschen, die in der Fabrik im zentraljapanischen Gunma arbeiten, kommen aus dem Ausland. Wenn sie sich zum Schichtbeginn versammeln, übersetzt eine von Mitsubishi eigens entwickelte Software die Anweisungen der Schichtleiter in alle vertretenen Muttersprachen. Damit alle auf dem gleichen Stand sind.
An einem Morgen steht Salomao bei Fabriklärm vor einer Videowand, daneben ihr Vorgesetzter, der auf Japanisch erklärt, welche der rund 50 Wärmepumpen heute dran ist. Die Sätze werden von der KI zunächst ins Englische übertragen und dann nacheinander in Textform in die Muttersprachen der anwesenden Arbeitskräfte übersetzt. So erscheint auf der Videowand in Echtzeit unter anderem ein portugiesischer Text, den Salomao konzentriert mitliest: „Über das Laufband an Ihrem Platz kommt gelegentlich ein Wagen mit neuen Teilen gefahren. Passen Sie hier gerade in der Hackengegend auf, um sich nicht zu verletzen!“ Salomao nickt. Nach zehn Minuten geht sie zu ihrem Platz und wieder an die Arbeit.
Die Brasilianerin Akemi Salomao
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Seit einem Jahr testet Mitsubishi Electric die Software in Gunma. Demnächst soll sie auch an anderen Standorten verwendet werden. Denn die Wirksamkeit sei vielversprechend. Vor der Nutzung der KI hätten die ausländischen Angestellten laut einer internen Untersuchung im Schnitt nur 58 Prozent der Anweisungen verstanden, sagt Schichtleiter Masayoshi Ishiba. Nach drei Monaten mit der Übersetzungshilfe sei der Anteil auf 80 Prozent gestiegen.
Für japanische Unternehmen könnte die Technik ein großes Problem lösen. In der alternden und schrumpfenden Gesellschaft des ostasiatischen Landes fehlt es überall an Personal. „Der Arbeitskräftemangel ist eine der größten Wachstumsbremsen für die Wirtschaft“, sagt Franz Waldenberger, Direktor des Deutschen Instituts für Japanstudien in Tokio.
Traditionell tut sich Japan mit der Anwerbung von Arbeitskräften aus dem Ausland schwer. Man versteht sich nicht als Einwanderungsland. Hinzu kommt die eher schwer zu erlernende Sprache als Hindernis für die Integration. Viele Unternehmen setzten daher auf Automatisierung, oft bleibe aber nichts anders übrig, als die Kundenbetreuung zu reduzieren, sagt Waldenberger.
Mitsubishis Schichtleiter Masayoshi Ishiba sieht in der Übersetzungs-Software die perfekte Lösung: „Nicht nur die Arbeiterinnen, sondern auch ich habe jetzt ein viel besseres Gefühl bei meinen Ansprachen – egal ob es um die Analyse der Produktionsprozesse geht oder um Evakuierungsübungen für einen Katastrophenfall.“
Mittlerweile sei die Software durch Lernprozesse noch besser geworden. Der Anteil der von den ausländischen Angestellten korrekt verstandenen Informationen habe Ende des Jahres 2024 bei 91 Prozent gelegen. „Nur ein paar Begriffe kapiert die Software immer noch nicht“, sagt Masayoshi Ishiba und lacht. Als Beispiel nennt er das Wort „anadai“, im Mitsubishi-Sprech eine nicht hinreichend befestigte Schraube.
Die Software scheint bei dem Wortlaut an eine Kombination zweier im Japanischen häufig auftretender Schriftzeichen zu denken, sodass sie ihn ins Portugiesische mit „grande buraco“ übersetzt – was großes Loch bedeutet. --
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