Karin Bjerregaard Schlüter und Ralf Schlüter im Interview über Krisenkommunikation
Die nächste Krise kommt bestimmt
Ein Gespräch mit Karin Bjerregaard Schlüter und Ralf Schlüter darüber, was bei der Kommunikation im Kulturbetrieb falsch laufen und was man dagegen tun kann.
• Die „Documenta 15“ löste 2022 mit der Präsentation antisemitischer Kunstwerke einen heftigen Skandal aus. Dabei wurde deutlich, wie stark ein unreflektierter Umgang mit sensiblen Themen und eine unprofessionelle Krisenkommunikation eine Kultureinrichtung beschädigen können. Ralf Schlüter war damals Mitarbeiter der Documenta, als Redakteur des Katalogs hat er den Skandal aus der Nähe erlebt.
Mit seiner Schwester, der Digital-Expertin Karin Bjerregaard Schlüter, gründete er daraufhin die Agentur „Kulturbotschaft“, die zu Krisenkommunikation berät.
brand eins: Herr Schlüter, was ist bei der Documenta 15 schiefgegangen?
Ralf Schlüter: Die Auswahl der Kunst war zum Teil problematisch, manche Werke wurden aus guten Gründen als antisemitisch gelesen. Auf die Debatten, die das ausgelöst hat, war die Documenta nicht gut vorbereitet. Die künstlerische Leitung wollte dem sogenannten globalen Süden eine Bühne geben. Die künstlerische Bedeutung sollte sich aus dem politischen Anliegen ergeben. Beim Thema Antisemitismus gab es dann schwere Verwerfungen, die mit den Mitteln einer Kunstausstellung nicht mehr zu handhaben waren.
Was lief falsch in der Kommunikation?
Ralf Schlüter: Sicher war es ein Fehler, dass man das Konfliktpotenzial nicht schon vor der Ausstellung erkannt hatte und auf die öffentliche Auseinandersetzung nicht ausreichend vorbereitet war.
Kluge Kommunikation bedeutet also, sich auf alle möglichen Krisen vorzubereiten?
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Er ist Teil unserer Ausgabe Kommunikation in nervösen Zeiten