Labor im Bett
Warum schlafe ich so schlecht? Der Physiker Gerhart Schroff hat eine Brille entwickelt, mit der man das selbst herausfinden kann.
• Das Ding, das Gerhart Schroff aufsetzt, ähnelt einer VR-Brille. Zum Sehen ist das Gerät aber nicht gedacht. Vielmehr misst die Brille während des Schlafens mit Sensoren die Bewegungen der Augenlider, genauer gesagt die Veränderung der elektrischen Felder in diesem Bereich. Mit diesem Gerät namens Somnosync sollen Menschen herausfinden können, warum sie Schlafstörungen oder regelmäßig Albträume haben. So die Idee von Schroff, dem Brillen-Erfinder.
Laut einer Erhebung der Barmer Krankenkasse leiden in Deutschland etwa sechs Millionen Menschen an Schlafstörungen – zwei Prozentpunkte mehr als noch vor zehn Jahren. Mangelnder Schlaf erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen, kognitive Einschränkungen und Stoffwechselerkrankungen.
Um die Ursache für den schlechten Schlaf herauszufinden, suchen viele Betroffene eines von bundesweit etwa 300 Schlaflaboren auf, die sich meist in Kliniken befinden. Dort analysieren Ärztinnen und Ärzte mittels einer komplexen Untersuchungsmethode namens Polysomnografie den Schlaf. „Oder man besorgt sich die Somnosync-Brille, die das besser kann“, sagt Gerhart Schroff. An Selbstbewusstsein mangelt es dem Physiker nicht.
Und dafür gibt es laut Thomas Penzel, wissenschaftlicher Leiter des Berliner Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité, gute Gründe. Denn in einem Schlaflabor, also in fremder Umgebung, schläft es sich anders, hinzu kommen aufgeklebte Elektroden, Kabel und Kameras am Körper. „Man stört im Grunde, was man misst.“ Gerhart Schroffs Erfindung sei daher absolut richtig und habe „eine Alleinstellung“, sagt Penzel. Denn das Gerät erlaube professionelle Messungen in vertrauter Umgebung, ohne Verkabelungen.
Neben Somnosync gibt es bislang nur wenige Ansätze, um die Schlafdiagnostik zu vereinfachen: Tosoo, ein Spin-off der ETH Zürich, arbeitet an einer Sensor-Gesichtsmaske. In Oldenburg hat das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie ein Produkt namens Remus entwickelt: ein schlankes Elektrodenband, an Stirn und Kopf fixiert, das Gehirnströme per EEG und Augenbewegungen per Elektrookulografie erfasst. Zusätzlich registrieren Sensoren die Bewegung und die Atmung der Patienten. Gespräche mit interessierten Produzenten liefen bereits, so die Entwickler.
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Er ist Teil unserer Ausgabe Kommunikation in nervösen Zeiten