Claudia Fischer-Appelt
„Farbe kostet nichts“
Hamburg ist bekannt für seine hanseatische Zurückhaltung. Pelz und Farbe trug man hier immer nur als Innenfutter. Doch das Bild der Stadt verändert sich: bunter, lauter, mutiger. Das liegt unter anderem an der Kommunikationsdesignerin Claudia Fischer-Appelt.
• Wer zu dieser Jahreszeit vom Hamburger Jungfernstieg runter zur Elbe entlang der sogenannten Domachse geht, braucht ein dickes Fell. Der Wind pfeift in den Nacken, dazu Nieselregen, dunkler Backstein, der Himmel grau, die Mäntel dunkelblau. Vermutlich ist es dem Klima geschuldet, dass die Stadt und ihre Bewohner als kühl und zurückhaltend gelten. Fremde anquatschen, Häuser bunt anmalen – wer macht so was bei dem Wetter?
Und doch findet man auf dem Weg ein paar Flecken, die ins Auge fallen: knallrot gestrichene Parkplätze, auf denen den Schildern zufolge Raketen abheben. Quietschbunte Linienbusse, mintgrüne Wegweiser und Fahnen mit kantigen Linien. Und unten am Hafen leuchtend grün-weiße Schiffe, Flaggen und Schilder des Fährbetreibers Hadag.
Für eine Stadt, in der Understatement großgeschrieben wird, ist so viel Mut zum Auffallen eher ungewöhnlich. Hamburg war immer schon mehr Jil Sander als Gucci. Mehr Steppjacke als Hipster-Parka. Doch das Gesicht der Stadt ändert sich. Und das liegt auch an einer schmalen Frau in roten Cowboystiefeln: Claudia Fischer-Appelt.
Die Designerin ist auf die Entwicklung von Corporate Identitys spezialisiert, sie gibt Produkten, Unternehmen oder Marken ein Gesicht – und wenn man so will sogar einer ganzen Stadt. Sie gestaltete den neuen Look des Hamburger Verkehrsverbunds, dessen Mobilitätsplattform Switch, der Hadag-Fähren und der öffentlichen Fahrrad-Parkstationen. Sie entwickelte Marken, Logos, Schriften und Kampagnen für die Kulturbehörde, für Vereine, für die Volkshochschulen, für Stadtentwicklungsprojekte und für den Fußballclub FC St. Pauli.
Es gibt nicht viele Menschen, die derzeit an so vielen Stellen in der Hansestadt Spuren hinterlassen. Anjes Tjarks vielleicht noch, der grüne Verkehrssenator, der Hamburgs Straßen mit roten Streifen überzieht: 250 Kilometer Radwege in einer Legislaturperiode. Bis 2030, so sein Plan, sollen 80 Prozent aller Wege in seiner Stadt auf dem Rad, zu Fuß oder in Bus und Bahn zurückgelegt werden.
Weil so eine Mobilitätswende aber nur gelingt, wenn man die Bürgerinnen und Bürger dafür begeistert, braucht sie ein Gesicht, und zwar ein möglichst sympathisches. Da kommt Fischer-Appelt ins Spiel.
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Er ist Teil unserer Ausgabe Kommunikation in nervösen Zeiten