PagPag
Was vom Teller übrig bleibt
In den Slums von Manila bereiten Imbissbetreiber Gerichte aus den Speiseresten der Mittelschicht zu. Melinda Racho ist eine von ihnen – und sie macht sogar Gewinn. Aber es bleibt ein brutaler Kampf ums Überleben.
Ariel Luzan ist Müllsammler in Happyland und Stammkunde in Melindas Pagpag-Küche. Das Preis-Leistungs-Verhältnis bei ihr sei unschlagbar, sagt er
Melinda Racho in ihrer selbst gezimmerten Straßenküche, eingezwängt zwischen Lkw und Müll
• Wenn in Happyland die ersten Hähne krähen, ist Melinda Racho schon lange auf den Beinen. „Gegen die Vögel verliere ich nie!“, ruft die 42-Jährige, während sie großzügig Öl in einen Wok spritzt. Ihr Straßenimbiss auf Kniehöhe, bestehend aus einem Camping-Gaskocher, der auf einer umgedrehten Plastikbox steht. Was hier jeden Morgen geschieht, ist ein knallhartes Geschäft. Racho sagt es so: „Würde ich mir so viel Zeit lassen wie die Hähne, hätte ich sofort Ärger.“
Es ist fünf Uhr morgens. Und in Happyland, einem Slum in der philippinischen Hauptstadt Manila, hat Racho schon die ersten Portionen gekocht. Gerade pünktlich. „Guten Morgen, Mam!“, ruft ein verschlafen wirkender junger Mann in Badelatschen, der von der anderen Straßenseite herantrabt. Einen Moment später schiebt er die blaue Plastikplane zur Seite, die ihre in einem Holzverschlag gezimmerte Küche vor den Abgasen der Schnellstraße schützt: „Einmal Pagpag, wie immer!“ – „25 Peso. Wie immer. Und bitte sofort bezahlen. Auch wie immer.“
Durch die Luke reicht Racho einen mit dünnem Plastik überzogenen Pappteller nach draußen, darauf ein paar stark frittierte Hühnchenflügel. In der gleißenden Morgensonne, bei fast 30 Grad, lehnt sich der junge Mann zufrieden an den Heckspoiler eines Trucks, dessen Motor auch im Stand läuft, und isst schmatzend sein Frühstück. „Melindas Preis-Leistungs-Verhältnis kriegst du nirgendwo sonst hier.“
Ihre Kinder und Kunden essen gern das Pagpag aus Hühnerfleisch, das anderswo nicht aufgegessen wurde
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Er ist Teil unserer Ausgabe Irrwege