Zum Inhalt springen

In/ Exnovation

Wie schaffen wir überholte Innovationen wieder ab?



Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 11/2025.


„Der Atomausstieg ist eine Herkulesaufgabe.“
Angela Merkel, damalige Kanzlerin, 9. Juni 2011

Radikale Innovation braucht mehr als gute Ideen. Sie braucht Methode. Alpha Innovation hilft Unternehmen, aus Zukunftssignalen neue Chancen, tragfähige Konzepte und klare Entscheidungen abzuleiten.

Anzeige

Das Bild zeigt das Logo eines Unternehmens namens „ALPHA INNOVATION“. Das Logo besteht aus einem stilisierten „A“ und „N“ in einem geometrischen Design, wobei das Wort „ALPHA“ in einer größeren Schriftgröße geschrieben ist. Der Firmenname „TECHPARK SOOTIROL/ALTO ADGE“ ist ebenfalls im Logo enthalten. Die Designelemente sind schwarz-weiß, und der Firmenname ist in einer modernen, serifenlosen Schriftart geschrieben. Das Logo wirkt zugänglich und ist für alle Nutzer, einschließlich derjenigen mit Sehbehinderungen, gut lesbar.

• Wir erleben es nicht nur bei der Kernkraft: Wenn einstige Innovationen Probleme verursachen, kommt es immer wieder zu teilweise sehr langwierigen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen. Manchmal müssen frühere Errungenschaften im Mobilitätssektor, Gesundheitswesen oder in der Energiebranche ganz abgeschafft werden, um Neues zu ermöglichen. Das nennt sich Exnovation.

Das ist auf nationaler wie auf betrieblicher und individueller Ebene eine echte Aufgabe: Exnovation ist die fiese Schwester von Reformen und vom Change-Management.

1. Neues wird alt und muss entsorgt werden

Innovation ist wie Kapitalismus: Man kann nicht so richtig dagegen sein, ohne aus der Zeit gefallen zu sein. Das war nicht immer so. Eigentlich erst seit Gutenbergs Druckerpresse in der Mitte des 15. Jahrhunderts. Sie ermöglichte die Verbreitung von Informationen, seitdem sind wir neugierig.

Inzwischen leben wir im 21. Jahrhundert in einer Konstellation, die ich die „Gleichzeitigkeits-Wende“ nenne (siehe auch brand eins 07/2022: b1.de/gleichzeitigkeit). Wir erleben nicht nur geopolitische und geoökonomische Wenden, sondern zeitgleich massive Umbrüche bei Klima, Mobilität, Energie, Demografie und Sicherheit – und mit KI verändert sich außerdem, wie wir Informationen und die Medien wahrnehmen. Wir erleben, dass eine Lösung in einem Krisenfeld ein neues Problem in einem anderen erzeugt.

Die Konsequenz: Wir müssen die Fähigkeit entwickeln, etablierte (mentale) Modelle und sozio-technische Systeme sozialverträglich zurückzubauen – am besten auch demokratisch legitimiert.

Den Ausstieg aus nicht nachhaltigen Verfahren, Produktionsweisen und Praktiken, die sich leider nicht selbst auflösen, nennen wir Exnovation. Und das ist tatsächlich nochmals anders als die häufig überstrapazierte schöpferische Zerstörung, die uns der Nationalökonom Joseph Schumpeter 1942 als logische Konsequenz von Markt und Wettbewerb mitgab. Die heutigen Herausforderungen sind viel komplexer. Denn systemische Innovationen der vergangenen Jahrhunderte bei Energie, Mobilität, bei Gesundheit oder Bildung blockieren unsere Weiterentwicklung.

2. Deutschland ist schlecht gealtert, kann aber Umbau

Im Jahr 1999 wurde Deutschland vom Wirtschaftsmagazin »The Economist« erstmals als „kranker Mann Europas“ bezeichnet. Aktuell sind wir wieder krank – und außerdem schlecht gealtert. Wir müssen schleunigst die fünf Ds anpacken – im digitalen Zeitalter:

— Deindustrialisierung,

— Dekarbonisierung,

— Debürokratisierung,

— Dematerialisierung und

— den demografischen Wandel.

Klar ist: Ein bisschen Innovation und Konjunkturaufschwung werden nicht ausreichen. Stattdessen sind ernsthafte Abschiede von nicht mehr funktionierenden Modellen, neue Infrastrukturen (mental, physisch und digital) und sogenannte Sprung-Innovationen notwendig – also das Denken von übermorgen.

Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland überall stark hinterher. Aber wir haben etwa mit dem Kohleausstieg im Ruhrgebiet gezeigt, dass wir Exnovation besser können als Staaten wie Großbritannien oder die USA. Überraschende Erfolgsfaktoren: Föderalismus, Gewerkschaften und der Dreiklang von „Geld, Zeit und Würde“ (siehe hierzu Lutz Raphael: „Jenseits von Kohle und Stahl“, 2019).

Radikal neu denken, statt nur zu optimieren

Mit der im NOI Techpark in Bozen entwickelten Methode Alpha Innovation lernen Unternehmen, über das Bestehende hinauszudenken, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und daraus neue Chancen abzuleiten. Das Ziel: nicht kontinuierliche Optimierung, sondern radikale Innovation. Der Weg dahin: ein dreistufiger, faktenbasierter Prozess, der Zukunftssignale in tragfähige Konzepte und strategische Entscheidungen übersetzt.

Mehr erfahren

3. Alles ist in Bewegung – und viel neu zu entscheiden

In Zeiten von Wirtschaftskrise, von steigenden Zöllen und explodierenden Verteidigungsausgaben differenzieren auch Wirtschaftsforschungsinstitute feiner und ideologiefreier zwischen der Reanimation technologischer Leichen und dem Rückbau von nicht mehr benötigter Infrastruktur – oder auch zwischen nachholenden Innovationen (etwa Batterie- oder Chipproduktion) und den Sprung-Innovationen für die kommenden Märkte.

Dies alles vollzieht sich in einer absehbar stark schwindenden Weltbevölkerung: Wachsen wir in den kommenden 60 Jahren auf den Peak von zehn Milliarden an, fallen wir ab 2085 in nur sehr wenigen Generationen zurück auf das Bevölkerungsniveau vor Jesus Christus. Es gilt die alte Weisheit: Durch Wohlstand sinken die Geburtenraten. Und das verändert alles: jede Prognose, jedes Modell, jede Innovation und damit auch alle behaupteten Bedürfnisse und scheinbaren Wachstumsimperative.

Nur ein Beispiel aus Deutschland: Investieren wir in die anfällige und sanierungsbedürftige Gleisinfrastruktur der Deutschen Bahn, oder bauen wir unterirdische Schnelltrassen wie in Japan? Bauen wir in den überhitzten Regionen Stadtautobahnen aus, oder lassen wir gleich Flüsse ein, um Abkühlung zu erreichen?

4. Banken und Versicherungen werden Fortschritt fordern

Für Exnovationen braucht es gesellschaftliche, industrielle und urbane Transformationsdesigns. Dabei können zum Beispiel Reallabore helfen, in denen demokratische und zufallsbasierte Vielfalt erprobt werden kann. In Deutschland wird tatsächlich gerade ein Reallabor-Gesetz vorbereitet. Schon bekannte Konzepte wie Bürgerräte oder auch kommunale Innovationseinheiten, beispielsweise die Klima- und Innovationsagentur der Stadt Wien, zeigen, wie ein kollektives Lern- und Entscheidungsverhalten entwickelt werden kann – aus aller Welt beobachtet, umgesetzt in einer Stadtgemeinschaft.

Entscheidend für das Gelingen werden vor allem auch Banken und Versicherer sein. Sie sind die Türsteher des Kapitalmarktes – und bei Nichtfinanzierbarkeit oder Nichtversicherbarkeit helfen nur Exnovationen. Die Hoffnung, dass Klimaschutzauflagen gelockert werden, schwindet aktuell: Das wäre unökonomisch, weil Nachsorge so viel teurer ist als Vorsorge. Digitale Lösungen können komplexe Rückbauoptionen möglich machen – ob in Energie-, Mobilitäts- oder in Gesundheitssystemen. Für ein besseres Übermorgen.

5. Exnovations-Kompetenz könnte Exportgut werden

So viel zur Theorie. In den Betrieben beginnt bereits die Praxis, und die ist richtig Arbeit. In Hannover, in einem gemeinsamen Workshop zum Abbau von Atomkraftwerken, ging es gerade um handfeste Fragen: Wie motiviert man Menschen, die 40 Jahre lang Atomkraftwerke aufgebaut haben, die dann von einer Laufzeitverlängerung von mehreren Jahren ausgingen, um dann fünf Monate später professionell und effizient den Rückbau angehen zu müssen? Und wie geht man mit den unrealistischen wie populistischen Ansprüchen um?

Exnovation heißt, vom Pfad abzuweichen, der in die Sackgasse führt. Was es dazu braucht: regulatorische wie psychologische Sicherheit, Durchhaltevermögen, Führungsstärke im Dilemma und die Fähigkeit, Vertrautes professionell zu beenden. Und dazu begleitend: etwas Neues auf Industriebrachen zu entwickeln. So plant etwa der Energieversorger Preussenelektra (selbst Erbauer von acht Atomkraftwerken zwischen 1967 und 1982) nun neben dem Rückbau auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Brokdorf den Bau eines der größten europäischen Batteriespeichers mit einer Leistung von bis zu 800 Megawatt und mit einer Speicherkapazität von 1,6 Millionen Kilowattstunden.

Und die sich dabei entwickelnde Exnovations-Kompetenz könnte ein europäisches Exportgut werden, denn der Rückbau von Städten, von Immobilien, Fabriken und von Infrastruktur wird in Europa nur früher als in anderen Ländern notwendig. Das könnte motivierend sein, wenn man die Rückbaukompetenz als solche ernst nimmt. --

Stephan A. Jansen ist Professor für Management, Innovation und Finanzierung an der Karlshochschule Karlsruhe, Mitgründer der brand eins Agentur für Konstruktive Wirtschaft (AKW) sowie Co-Autor des Buches „Die Arbeit – Wie wir sie mit KI neu erfinden“.


Das Bild zeigt eine Gruppe von Menschen in einem Raum mit einem gelben Stuhl, einer Weißwandtafel und einem rot-blau getönten Glasfenster. Die Personen scheinen sich in einer Diskussion oder einer Präsentation zu befinden; einige stehen, andere sitzen. Der Raum strahlt eine moderne und professionelle Atmosphäre aus, wobei die Farbkombination aus Gelb, Weiß und Rot eine optisch ansprechende Umgebung schafft.

Anzeige

Unternehmen optimieren schneller denn je – und riskieren trotzdem, morgen nicht mehr relevant zu sein. Petra Seppi vom NOI Techpark erklärt, warum radikale Innovation mehr Distanz braucht und wie Alpha Innovation dabei hilft.

Zum Artikel

Das Bild zeigt zwei Personen mit Kopfhörern in einer Büroumgebung, im Hintergrund ist ein Schild mit der Aufschrift „ALPHA INNOVATION“ zu sehen.

Anzeige

Alpha Innovation Retreat: Ein Deep Dive

Abseits des Tagesgeschäfts arbeiten Teams im Alpha Innovation Retreat an neuen Perspektiven, tragfähigen Konzepten und klaren Entscheidungen für den nächsten Schritt. Immersive Erlebnisse helfen, gewohnte Denkmuster zu verlassen.

Zum Alpha Innovation Retreat

Das Bild zeigt einen großen, offenen Innenhof mit einem modernen Gebäude, das in der Mitte eine markante, turmartige Struktur aufweist. Mehrere Personen bewegen sich im Innenhof, und in der Nähe stehen Fahrräder. Die Szene scheint einen öffentlichen Raum mit einer Mischung aus verschiedenen Architekturstilen darzustellen, darunter ein Backsteingebäude auf der linken Seite und ein Glasgebäude auf der rechten Seite. Die allgemeine Atmosphäre vermittelt den Eindruck einer geschäftigen städtischen Umgebung.

Anzeige

Alpha Innovation Live – am 9.9.2026 in Bozen

Wie müssen Unternehmen organisiert sein, damit radikale Innovation möglich wird? Alpha Innovation Live bringt am 9. September 2026 Führungskräfte und Innovationsverantwortliche zusammen – mit Impulsen zu Struktur, Kultur, Führung und KI.

Zum Event