Mikro aus!
Eine der meistdiskutierten Fragen in den Medien: Wie geht man mit Demokratiefeinden und menschenverachtenden Äußerungen um? Im belgischen Wallonien hat man für die heikle Frage offenbar eine gute Lösung gefunden. Taugt sie als Vorbild?
• Viele Menschen in Belgien erinnern sich noch gut an den 24. November 1991. Es ist Sonntag, die Parlamentswahlen stehen an. Weil Wahlpflicht herrscht, geben 93 Prozent der mehr als sieben Millionen Stimmberechtigten ihr Votum ab. Die Stimmung unter den etablierten Parteien ist gut, auch weil sie von ähnlichen Ergebnissen wie bei den vorherigen Wahlen ausgehen.
Was sie aber noch nicht ahnen: Jener Tag wird fortan „Schwarzer Sonntag“ heißen. Denn der rechtsextreme Vlaams Blok bekommt erstmals mehr als zehn Prozent der Stimmen in der Region Flandern (siehe Seite 27) und zieht mit zwölf Mandaten ins Parlament ein.
Viele Belgierinnen und Belgier sind schockiert: Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg ist eine offen rechtsextreme Partei mit so vielen Sitzen im Parlament vertreten. Der damalige Premierminister Wilfried Martens zeigt sich bestürzt, die Zeitungen bezeichnen die Wahl in den Tagen darauf als „Kälteschock“, und in der französischsprachigen Region Wallonien ist die Sorge groß, dass die Rechtsextremisten auch dort erstarken, denn erstmals hat es ein Kandidat der Front National ins Parlament geschafft.
Doch so kam es nicht.
Anders als Flandern hat Wallonien bis heute kein nennenswertes Problem mit rechtsextremen Parteien. Bei den vergangenen Parlamentswahlen 2024 traten zwar sowohl in Flandern als auch in der Wallonie zwei ultrarechte Parteien an. Doch während der Vlaams Belang, Nachfolger des damaligen Vlaams Blok, mit 22,7 Prozent Flanderns zweitstärkste Kraft wurde, kam das wallonische Pendant Chez Nous auf gerade einmal 2,8 Prozent. Ein ungewöhnliches Ergebnis, auch weil in der Wallonie die Arbeitslosigkeit unter anderem wegen des Niedergangs der Schwerindustrie schon seit Jahrzehnten hoch ist – und damit der potenzielle Nährboden für Protestparteien groß.
In der Wallonie lag die Arbeitslosenquote zuletzt bei 7,8 Prozent, in Flandern hingegen nur bei 3,8 Prozent. Und die Menschen in Flandern sind vergleichsweise wohlhabend; sie verdienen im Schnitt 8.000 Euro mehr im Jahr als ihre wallonischen Nachbarn.
Was also macht Wallonien im Umgang mit rechten Parteien anders als Flandern oder der Rest Europas?
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Er ist Teil unserer Ausgabe Irrwege