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Geschenke zur Geburt

Zur Geburt eines Kindes gibt es Geschenke. Aber heute sollte es auf jeden Fall mehr sein als ein Blumenstrauß.



Das Bild zeigt ein glitzerndes, goldenes Auto mit einem Scherenschnitt eines Menschen, vor einem Hintergrund aus funkelnden Gold- und Silberobjekten. Der Text "IT'S A BOY" (Es ist ein Junge) wird auf dem Papierausschnitt angezeigt.

Illustration: Rich Kid (KI-generiert mit Midjourney)

• Zwischen den Anfängen dieser Kultur und der Ankunft von Kulture Kiari Cephus liegen 2.017 Jahre. Damals in der Antike, etwa ein bis zwei Jahre nachdem Jesus von Nazareth befruchtungsfrei geboren worden sein soll und Bibelexegeten zufolge bereits das Lauflernalter erreicht hatte, kamen die Heiligen Drei Könige und brachten Geschenke vorbei. Gold, Weihrauch und Myrrhe galten per se als kostbar und wurden im Nachhinein noch mit Bedeutung aufgeladen. Dass die antiseptische Wirkung der Myrrhe den Weisen aus dem Morgenland bekannt war und der Weihrauch den Gestank in Ziehvater Josefs Stall wegparfümieren sollte, ist nur so eine Idee.

Als Kulture Kiari Cephus, geboren in Atlanta im Bundesstaat Georgia, die vermutlich herkömmlich gezeugte Tochter des ehemaligen US-amerikanischen Musikerpaares Cardi B. und Offset, im Juli 2019 ihren ersten Geburtstag feierte, waren die Geschenke: teuer. Das Baby bekam von seiner Mutter eine Diamantkette für mindestens 100.000 Dollar (die Angaben schwanken) sowie eine Party im Wert von 400.000 Dollar geschmissen.

Wie lange der Säugling aufbleiben durfte, ist nicht bekannt, wohl aber, dass von seinen Eltern versucht wurde, das Collier kindgerecht gestalten zu lassen – nämlich mit handgeschmiedeten Figuren der Netflix-Trickfilmserie „Word Party“. Ob das alles mehr Bedeutung hatte, als dass die jungen Eltern nicht wussten, wohin mit ihrer Kohle, ist zwei Kinder und eine Trennung später nicht aus den Klatschmedien überliefert.

Sicher ist, dass die Geburt eines Kindes seit jeher, weltweit und über alle Kulturen hinweg, Geschenke provoziert. Dafür gibt es zwei Hauptadressaten: das Neugeborene und seine Mutter, sofern Letztere nicht nur geliehen war. Was mit den Präsenten bezweckt wird, außer der Freude über das neue Leben Ausdruck zu verleihen, hat sich einerseits stark gewandelt und ist andererseits gleich geblieben. Die Grundmotive kann man zusammenfassen mit Erleichterung und Belohnung, Schutz und Protz. Das lässt sich gut anhand der Gaben Gold, Geld und Silber betrachten, die in vielen Religionen und Kulturen verbreitet sind und Wohlstand demonstrieren und verheißen sollen.

Nicht nur in Griechenland werden Babys bis heute Goldstücke in die Wiege gelegt, um ihnen für die Zukunft Reichtum zu sichern. In China ist es Bares, das man in roten Kuverts überreicht. Und Friedrich Merz, Bundeskanzler, CDU-Mann und ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender von Blackrock Deutschland, dem Ableger der weltweit größten Vermögensverwaltung, setzt auf die Sparbüchse für Fortgeschrittene. Für jedes seiner sieben Enkelkinder zahle er von der Geburt an bis zum 18. Lebensjahr monatlich 100 Euro auf ein Kapitalmarktkonto zum Erwerb von Aktien ein, sagte er in einer Talkshow.

Heute muss niemand mehr ein armes Hascherl bleiben, der nicht mit dem silbernen Löffel im Munde geboren wurde. Man braucht nur Verwandte, die Paten oder den Vater des Kindes zu erweichen, einen solchen Löffel nach der Niederkunft zu spendieren.

Spätestens seit Ende des 19. Jahrhunderts ist der einstige Ausweis für einen hochwohlgeborenen Stand – in Abgrenzung zum Holzlöffel der Bauern oder dem Blechlöffel der Arbeiterklasse – auch kleinbürgerlichen Kreisen zugänglich. Seitdem nämlich hat unter anderem die Schmuckwarenhauskette Tiffany & Co. Baby- oder Tauflöffel im Angebot, ab 200 Euro, aus Sterlingsilber. Die halten auch beim Zahnen.

Wenn heute ein Baby als Rich Kid herausstechen, es auf dem Gabentisch am Wöchnerinnenbett oder bei der Taufe aber nach Old Money aussehen soll, können die Sponsoren etwa eine silberne Babytasse mit einem Piepmatz in Tiffany-Türkis erwerben. Zu haben ab 1.000 Euro.

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