κριθαράκι / 김치 / たくあん
Die Küche – egal, ob daheim oder in der Gastronomie – ist ein eigener Kosmos, der viel über uns, die Wirtschaft und die Gesellschaft verrät. Luka Lübke, Köchin und Autorin, über Vielfalt an und auf dem Herd.
• Ich weiß noch, wie Herr Möller uns in der siebten Klasse die Demokratie erklärte. Er malte eine einsame Insel an die Tafel, auf der ein Männchen stand, das einem Paragrafenzeichen ähnelte. Bis heute kann ich kein ordentliches Paragrafenzeichen schreiben, aber an mein Staunen, als er ein zweites, gleich großes Männchen hinzumalte und fragte, was nun anders sei, daran erinnere ich mich noch ganz genau. Vielleicht weil ich Einzelkind bin. Jetzt war man zu zweit und musste sich einigen.
Sich zu einigen, das kann, wie wir wissen, zunächst komplizierter erscheinen, als sich die Köppe einzuhauen. Dazu kommt, dass das Ergebnis einer Einigung nicht immer fair ist, es aber nicht allen Beteiligten gleich auffällt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Art und Weise, wie Janosch und ich morgens im Bett ausgehandelt haben, wer den Kaffee kocht: Wir spielten Schere, Stein, Papier. Gewann ich, freute ich mich: „Oh, sehr gut, ich darf liegen bleiben, du machst den Kaffee!“ Verlor ich, klagte ich: „Oh nein, heute darf ich schon wieder nicht den Kaffee kochen, dabei habe ich mich so darauf gefreut!“ So hatten wir zwei Jahre jeden Morgen was zu lachen, und Kaffee gab es auch immer. Irgendwann hielt ich es aber nicht mehr aus und gestand Janosch, dass ich seit einem Jahr immer Schere und nie etwas anderes gespielt hatte, vor lauter Lachen über meinen rhetorischen Trick war ihm das gar nicht aufgefallen.
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Er ist Teil unserer Ausgabe Demokratie