Krankentransport per Drohne
Fliegende Krankentrage
Nicht immer können Helikopter dorthin, wo schnell medizinische Hilfe gebraucht wird. Künftig könnte eine autonome Drohne die Verletzten ausfliegen.
Das Geschäftsmodell lautet „Drone as a Service“
• Schön ist sie nicht, die Grille. Am Boden wirkt sie eher plump. Das liegt am kastigen Rumpf und den sechs robusten Auslegern mit je zwei Elektromotoren samt Luftschrauben. In der Luft jedoch gibt sie sich überraschend agil. Ihr Job: „Load and Fly“. Die Grille landet kurz, öffnet die Heckklappe, und Helfer schieben den Verletzten auf der Trage in die Kabine. Anders als im Rettungshelikopter ist kein Notarzt an Bord, während des kurzen Fluges werden die Vitalwerte aber telemetrisch überwacht.
„Wir entwickeln eine neue Drohnenkategorie“, erklärt Max Söpper selbstbewusst. Er ist der Technikvorstand des Ismaninger Start-ups Avilus und eine der treibenden Kräfte hinter dem Dronevac-System zur Rettung schwer verletzter Personen mittels unbemanntem und autonom navigierendem Fluggerät (UAV). Konkret soll der Multikopter in der Lage sein, Menschen rasch aus Gefahrenzonen zu evakuieren und in eine nahe Klinik, zu einer Sammelstelle oder ins Feldlazarett zu bringen. Der Vorgang wird von einem mobilen Kontrollzentrum aus koordiniert. Prinzipiell ist das ein klassisches Dual-Use-Projekt. Die zivile Version lässt sich zwar als Rendering besichtigen, doch der Prototyp zum Anfassen trägt Tarnfarben. Die Fokussierung auf den militärischen Einsatz hat gute Gründe.
Schließlich war es die Bundeswehr, die mit ihrer Suche nach einer „fliegenden Krankentrage“ die Entwicklung anstieß. Die Rettung von Verwundeten aus dem unmittelbaren Frontbereich zählte zu den sogenannten Fähigkeitslücken. Helikopter scheiden hier aus, weil sie zu wertvoll sind. Während ein Standard-Rettungshubschrauber wie zum Beispiel der 3,8 Tonnen schwere H145 von Airbus rund neun Millionen Euro kostet, soll die Grille für etwa zwei Millionen zu haben sein – mit weniger Betriebskosten. Außerdem fliegt das UAV tief, ist klein, schwer zu detektieren, einfach zu warten und dank modularem Aufbau auch schnell zu reparieren.
Mit 51 Kilometern ist die Reichweite zwar überschaubar, für den Zweck jedoch ausreichend. Mit jedem Kilometer mehr würde die knapp 700 Kilogramm wiegende Grille schwerer, größer, komplexer. Die Batteriepacks sind direkt von außen zugänglich und schnell wechselbar.
Ein Mitarbeiter prüft einen Teil des Auslegers in der Prototypen-Werkstatt.
Motor einer früheren Version der Grille
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