Es geht um die Wurst
Mit Mitte 20 beschloss die Fleischermeisterin Nora Seitz aus Chemnitz, in die Politik zu gehen. Jetzt ist sie 41 und im Bundestag angekommen. Mithilfe eines Start-ups aus Berlin.
• Links steht der Kessel mit Schweineblut, vorn die Schale mit dem Enddarm, rechts der Kolbenfüller Kompakta 2. Nora Seitz hat die Hände im Blut: Klumpen auflösen. Das ist nicht schön, aber ihr Job. Sie ist Fleischermeisterin in Chemnitz. Gleich wird sie das Blut zu den anderen Zutaten in den Kolbenfüller kippen, der presst es mit einem kurzen, fiesen Geräusch in den Darm – und fertig ist die berühmte sächsische Blutwurst. 16,90 Euro das Kilo.
Neuerdings ist Seitz aber nur noch jede zweite Woche in der Wurstküche der Fleischerei Thiele, die ihr Urgroßvater vor knapp hundert Jahren gegründet hat. Seit Bekanntgabe des Wahlergebnisses im Februar hat sie nämlich noch einen anderen Job: MdB, Mitglied des Bundestages, CDU.
Für Seitz ist das kein Widerspruch. In beiden Fällen gehe es um die Wurst.
Im Laden sind es die Kümmelknacker, die „Beffstecks“ (aka Buletten) oder der Wiegebraten, der zwei Stunden bei 75 Grad gebrüht wird. In der Politik sind es der Mindestlohn, das Bürgergeld, die Bürokratie. „Das muss weg oder neu aufgesetzt werden“, sagt sie. „Es macht uns kaputt.“
Das Konfliktpotenzial von Brühwurst und Bürokratie zeigt der folierte Zettel über dem Handwaschbecken. Er ist mit Tesafilm an die beigebraunen Kacheln unter dem Spiegel geklebt und beschreibt akkurat, wie man sich die Hände wäscht und trocknet. Seitz wäscht sich die Hände mit dem Stück Seife, das auf dem Waschbecken liegt. „Das Ordnungsamt sagt, der Zettel muss da hängen.“ Sie trocknet die Hände mit Papiertüchern ab. „Das Gesundheitsamt sagt, der Zettel muss weg, total unhygienisch, dahinter sammeln sich Bakterien.“ Das ist Deutschland 2025. Zettelwirtschaft und Regulierungswut, jeder gegen jeden.
Aber jetzt kommt Seitz und will daran was ändern.
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