Demo-Versionen
Warum Demokratie erst Wohlstand, dann Bürokratie und schließlich die eigene Abwahl erzeugen kann.
„So kommt (…) die Tyrannei aus keiner anderen Staatsverfassung zustande als aus der Demokratie, aus der übertriebensten Freiheit die strengste und wildeste Knechtschaft.“Platon, „Politeia“, 564a
Ist die Demokratie ein Auslaufmodell?
Zumindest ist die für uns liberale Demokratie inzwischen die absolute Ausnahme. Laut Demokratie-Index des schwedischen V-Dem-Instituts leben 72 Prozent der Weltbevölkerung in einer Autokratie und nur 28 Prozent in einer Demokratie (weniger als zwölf Prozent davon in einer vollständigen Demokratie). Die Universität Göteborg spricht von der dritten Welle der Autokratisierung, insbesondere nach den Polykrisen seit der Jahrtausendwende.
Was sind die Ursachen für die offenbar nachlassende Zustimmung?
Demokratien sollen vom idealtypischen Design seit Montesquieu und seiner 1748 postulierten Gewaltenteilung zweierlei bewirken: die Verhinderung von Machtmissbrauch sowie die Ermöglichung von Freiheit und unternehmerischer wie bürgerschaftlicher Fantasie. Doch Demokratie war immer eine dynamische Verfassungslehre des Staates, ausgerichtet auf Glück, Gemeinwohl, Gerechtigkeit und individuellen Wohlstand. Diese Erfolgsgeschichte haben wir in der westlichen Welt nach 1945 für dauerhaft gehalten. Aber Wohlstand sichert keine Demokratie – und muss sie auch nicht befördern.
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Er ist Teil unserer Ausgabe Demokratie