Cory Doctorow im Interview
„Jetzt besteht die Chance, die Techbranche zu regulieren“
Schaden die sozialen Medien der Demokratie? Oder liegen die Probleme ganz woanders? Ein Interview mit dem Autor und Aktivisten Cory Doctorow.
Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 06 + 07/2025.
So zeigt Doctorow seinen Arbeitsplatz auf seinem Flickr-Account
brand eins: Anfangs galten die sozialen Medien als der Demokratie dienlich, da sie auch Minderheiten eine Stimme gaben. Heute wird ihnen vorgeworfen, vor allem Desinformation und Populismus zu fördern. Sind Social Media unterm Strich gut oder schlecht für die Demokratie?
Cory Doctorow: Ich wüsste nicht, wie man das zuverlässig messen könnte. Ich finde es interessanter, zu fragen, welche Kräfte zu den positiven und welche zu den negativen Auswirkungen geführt haben. Zu fragen, wie die Gesamtbilanz aussieht, spielt letztlich nur den großen Social-Media-Unternehmen in die Hände.
Inwiefern?
Die Konzerne wollen uns glauben machen, man könne die Vorteile nicht haben, ohne die Nachteile in Kauf zu nehmen. Ich bin der Ansicht, wir sollten im Internet Kontakte finden, Freundschaften pflegen und uns politisch äußern können, ohne dass Mark Zuckerberg oder Elon Musk jedes Wort überwachen, das wir wechseln. Doch die behaupten: Nein, das geht nicht. Social Media könnten nur so funktionieren, wie sie es anbieten. Dabei waren es bewusste Entscheidungen, die aus den sozialen Netzwerken das gemacht haben, was sie sind.
💩
Sie haben diesen Prozess als Enshittification beschrieben – auf Deutsch etwa: Scheißifizierung. Das Wort hat ziemlich Karriere gemacht …
Ja, um das Kackhäufchen-Emoji auf meinem Grabstein komme ich nun wohl nicht mehr herum.
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Er ist Teil unserer Ausgabe Demokratie