Zum Inhalt springen
Das Bild zeigt die zwei Personen Rita und Günther, die vor einer weißen Wand stehen und beide Virtual-Reality-Headsets tragen. Sie scheinen in ein Gespräch oder eine Aktivität verwickelt zu sein, bei der sie die Virtual-Reality-Headsets benutzen.

VR-Reisen

Ein angeschlagenes Busreiseunternehmen filmt seine Touren mit 360-Grad-Kameras, damit alte Leute sich die Fahrten später auf einer VR-Brille ansehen können. Das hat eine erstaunliche Wirkung.


Das Bild zeigt die zwei älteren Personen Rita und Günther, die vor einer weißen Wand stehen und beide Virtual-Reality-Headsets tragen. Sie scheinen in ein Gespräch oder eine Aktivität verwickelt zu sein, bei der sie die Virtual-Reality-Headsets benutzen.

• „Meine Güte“, stöhnt Rita, 84, als sie das riesige Kreuzfahrtschiff entdeckt, das in dem norwegischen Fjord vor ihr liegt. „Wie viele Leute da wohl draufpassen?“ Sie sitzt in einem Reisebus, der sich die Serpentinen hinaufquält. Plötzlich müssen sie anhalten. Eine Herde Kühe versperrt den Weg. Die Gruppe steigt aus und macht Fotos. Rita streckt den Arm aus, will die Kühe streicheln, aber dann fällt ihr ein, dass die ja gar nicht echt sind.

Rita sitzt auch nicht wirklich in einem Reisebus in Norwegen, sondern in einem hellen Bürogebäude am Hamburger Hauptbahnhof – auf einer Couch neben ihrem Mann Günther. Beide (auf ihren Wunsch werden sie hier nur mit Vornamen vorgestellt) tragen eine VR-Brille.

Diese schnallt man sich wie eine klobige Skibrille vor die Augen. In der Brille sind zwei Bildschirme verbaut, einer pro Auge. Man merkt nicht, dass man auf Bildschirme schaut, weil diese das komplette Sichtfeld einnehmen. Und wenn man den Kopf bewegt, dreht sich das Blickfeld mit. So taucht derjenige, der eine VR-Brille trägt, in eine andere Welt ein.

Viele Jahre waren sie vor allem unter Computerspielern beliebt. Mittlerweile werden sie auch von Chirurgen und Piloten zum Training verwendet. Mit den Jahren sind VR-Brillen immer billiger geworden und finden immer mehr Anwendungen. So wie die hier: Das Hamburger Start-up Vjourney, in dessen Büro Rita gerade sitzt, bietet virtuelle Reisen für Menschen an, die echte Reisen körperlich nicht schaffen – alte Leute etwa oder Menschen mit einer Behinderung.

Kann eine VR-Brille wirklich das Erlebnis einer echten Reise ersetzen? Oder ist dies nur der Versuch, Senioren mit möglichst wenig Pflegepersonal zu bespaßen – eine Art Hightech-Version des ZDF-Vorabendprogramms gewissermaßen?

Ritas virtuelle Reisegruppe ist derweil wieder in den Bus gestiegen. Der hat sich um die Kuhherde herummanövriert und fährt jetzt weiter Richtung Nordkap.

„Günther, weißt du noch, als wir da in Norwegen waren und uns die Lachsfarmen angeschaut haben?“, fragt Rita ihren 88 Jahre alten Ehemann, der neben ihr auf der Couch sitzt. Doch der reagiert nicht, denn Günther fährt gerade mit einem Reisebus auf die Berliner Siegessäule zu. Auch er trägt eine VR-Brille. „Hat der einen Zahn drauf, du“, brummelt Günther vor sich hin. „Das ist ja gefährlich.“

Während er durch Berlin und sie Richtung Nordkap fährt, überwacht Finn Ole Peters, 32, den Trip der beiden Rentner. Es gibt ältere Herrschaften, denen wird unter der VR-Brille schwindelig. Etwa bei der Parisreise, an der Stelle, wo sie ein paar Stationen mit der Metro fahren. Für andere Alte ist die ganze VR-Erfahrung auch zu überwältigend, und sie müssen die Brille wieder abnehmen.

Aber Rita und Günther haben damit keine Probleme. Sie fahren in jüngster Zeit häufiger virtuell in den Urlaub, seitdem Günther seinen Herzschrittmacher bekommen hat und nicht mehr so gut zu Fuß ist.

Rita und Günther kennen die Busse und die Busfahrer, die sie in ihren VR-Brillen sehen, seit Jahrzehnten. Und Vjourney-Gründer Finn Ole Peters, den kennen sie schon, seit er ein kleines Kind war: Das Start-up ist nämlich eine Art Spin-off des alteingesessenen Busreiseunternehmens aus Schleswig-Holstein, mit dem die beiden früher häufig unterwegs waren – Omnibusbetrieb Matthias Peters GmbH & Co. KG, kurz Peters-Reisen.

Sie haben bereits ein brand eins Konto? Melden Sie sich hier an.

Wir freuen uns, dass Ihnen dieser Artikel gefällt.
Er ist Teil unserer Ausgabe Das Geschäft mit dem Urlaub

Sehnsucht.
Zum Weiterlesen wählen Sie eine dieser Optionen
Meistgewählt

Unser Probe-Abo

8,33 € / Ausgabe

Drei Ausgaben testen und anschließend entscheiden wie es weitergeht.

📖 Print- und Digital-Ausgabe für drei Monate testen 
📚 Zugriff auf das gesamte brand eins Archiv inkl. Kollektionen

brand eins 08/2025

12,00 € / Einmalig

brand eins 08/2025 (Digital)

7,60 € / einmalig
Sicher bezahlen mit
Weitere Abos, Schüler- & Studentenrabatte