Nine hours sleep lab
Mit Schlaf Geld verdienen
Das japanische Hotelunternehmen Nine Hours bietet mehr als Übernachtungen: Es analysiert den Schlaf seiner Gäste – und macht daraus ein Geschäft.
Minimaler Platz, maximale Datenausbeute: Schlafkabinen im Nine Hours
• Unheimlich ist das Ganze schon: Als ich in die Röhre robbe, in der ich diese Nacht verbringen soll, sehe ich, dass an der Decke eine auf das Kopfkissen gerichtete Kamera installiert ist. Links daneben: ein Mikrofon. Und unter dem Kopfkissen, das sich angenehm ergonomisch anfühlt: ein Bewegungssensor. Wenn ich morgen aufwache, wird dieses System so einiges über mich und meinen Schlaf wissen.
Auf den ersten Blick ist das Sleep Lab in Shinagawa, einem der Drehkreuz-Bahnhöfe im südlichen Zentrum von Tokio, ein gewöhnliches Kapselhotel: Im Schlafsaal liegen zwei oberkörperhohe Schlafröhren übereinander, die sich durch lichtfeste Jalousien schließen lassen. Platzangst kommt kaum auf, auch weil die Kapseln gut durchlüftet sind. Geräusche hört man nur selten – wenn zum Beispiel jemand schnarcht. Die Etikette, sich im Schlafsaal ruhig zu verhalten, wird in der Regel respektiert. In den Röhren selbst befindet sich je ein Minifernseher mit Ohrstöpseln, Steckdosen, Bettzeug. Der Waschraum mit Einzelduschen und Spinden mitsamt Schlafanzügen ist nah. Also alles wie üblich in Japan.
Und doch ganz anders. Denn in den Röhren entsteht ein Datenschatz, der jede Nacht, mit jedem Gast größer wird. Das Sleep Lab ist nach eigenen Angaben das weltweit erste Hotel, das seinen Gästen nicht nur einen Schlafplatz, sondern auch eine Auswertung dessen bietet, was in der Nacht auf diesem Platz passiert: Wie oft wurde geschnarcht, wie viele Tiefschlaf- und Wachphasen gab es, und wie häufig setzte der Atem aus? Auswertung innerhalb einer Woche. Aber nun erst einmal: Licht aus!
Das Sleep Lab ist das jüngste Projekt des Hotelunternehmens Nine Hours. Es betreibt seit gut zehn Jahren 30 Hotels in zentralen Lagen japanischer Großstädte und hat immer wieder für Aufsehen gesorgt. Nicht nur wegen des Stils – einer Mischung aus freundlichem Minimalismus und Raumschiff-Enterprise-Vibes –, sondern auch wegen des Konzepts: Man bucht sich für nur neun Stunden ein. Das reicht laut Analysen für Duschen, Schlafen und Frischmachen – und kostet umgerechnet rund 50 Euro.
Noch gewagter ist das neueste Geschäft mit den Schlafanalysen. Es könnte die Idee von Hotels radikal ändern: weg von einem Ort, an dem der Kunde bloß zahlender König ist, hin zu einem Geschäft, in dem Gäste gleichzeitig zu Lieferanten kostbarer Rohstoffe werden. Denn irgendwann könnten die Daten, die hier erhoben werden, mehr wert sein als das Geld, das die Kunden für die Übernachtung zahlen. Ein Hotel als Datenschürfer.
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Er ist Teil unserer Ausgabe Das Geschäft mit dem Urlaub