Das Experiment
Helfen neue Jobs in der Industrie gegen den Rechtsruck? Recherchen in Nordfrankreich und in der Bretagne.
Yves Dusart, der Bürgermeister von Saint-Saulve, hofft auf neuen Wohlstand für seine Stadt
• Yves Dusart, Bürgermeister von Saint-Saulve, 200 Kilometer nördlich von Paris, deutet auf eine heruntergekommene Halle in einem Industriegebiet am Stadtrand und spricht von „Neustart“. Denn genau hier, auf diesem Brachland zwischen Bäumen, Gleisen und dem Fluss Schelde (die auf französischer Seite Escaut heißt), sollen in drei Jahren bis zu 400 Leute arbeiten. Das Energie- und Chemieunternehmen Axens aus dem Pariser Umland hat 500 Millionen Euro investiert, um an dieser Stelle eine Fabrik zu bauen. Kathodenaktivmaterialien sollen hier entstehen, die man für Elektrofahrzeug-Batterien braucht.
Für Dusart ist das eine gute Nachricht. Denn seine Stadt mit 11.000 Einwohnern hat eine Arbeitslosenquote von knapp zwölf Prozent – fünf Prozentpunkte mehr als im nationalen Durchschnitt. In Saint-Saulve leben viele dicht an dicht in roten Arbeiterhäusern.
2022 machte in der Stadt ein großer Stahlrohrproduzent dicht. Mehr als 300 Menschen verloren ihre Jobs, der letzte Arbeitstag sei für alle ein Trauertag gewesen, sagt Dusart. „Die Leute identifizieren sich mit dem industriellen Erbe.“ Noch heute singen sie hier die Lokalhymne „Les Corons“ („Die Arbeitersiedlungen“): „Die Erde war die Kohle / Der Himmel der Horizont / Die Männer Bergleute.“ Die Region ist wie viele in Nordfrankreich von der kollektiven Erfahrung des Kohleabbaus geprägt. Bis zu 450 Meter unter der Erde arbeiteten die Männer, zwölf Stunden am Tag, jahrzehntelang, alle 30 Meter tiefer wurde es ein Grad heißer, dazu ohrenbetäubender Lärm. Viele Bergleute starben an einer Lungenerkrankung.
Auf dieser Wiese baut die Firma Axens eine neue Fabrik
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Er ist Teil unserer Ausgabe Das Geschäft mit dem Urlaub