Papenburg AG
Machen statt reden
Wieso sich ein Baukonzern in Halle in die Zivilgesellschaft einmischt.
Das Wichtigste in Kürze
– Der Hannoversche Baukonzern GP Günter Papenburg AG ist seit der Wende auch in Ostdeutschland aktiv und hat eine zweite Firmenzentrale in Halle.
– Das Unternehmen investiert in die Anwerbung, Ausbildung und Integration junger Menschen aus dem Ausland, vor allem aus Usbekistan.
– Zudem engagiert sich GP in der ostdeutschen Zivilgesellschaft und unterstützt beispielsweise junge Menschen mit schwierigen Startbedingungen. Treibende Kraft ist die Vorständin Angela Papenburg.
• Was hat ein Unternehmen, das Autobahnen baut, mit einem Camp zu tun, in dem Schulkinder ein paar Sommerwochen lang Stadtverwaltung spielen können? Dass die Auszubildenden des Konzerns anpacken beim Aufbau der „Kinderstadt“ in Halle, ist der offensichtliche Zusammenhang. Der größere, dahinterliegende aber ist, wie die GP Günter Papenburg AG mit den gesellschaftlichen Verhältnissen umgeht, in denen sie Geschäfte macht. Und wie sie darauf Einfluss nimmt.
Alle zwei bis drei Jahre wird auf der Peißnitzinsel in der Saale aus Ernst Spaß. Dann können Schulkinder im grünen Herzen von Halle ausprobieren, wie das geht: eine Stadt zu schaffen, zu regieren, zu verwalten, mit gewählter Kinderbürgermeisterin und Feuerwehr, TV-Studio und Elektrikerwerkstatt, Forschungslabor und Meldeamt. Dafür, dass die Kinderstadt am 13. Juni erneut für gut vier Wochen öffnen kann, arbeiten Erwachsene länger als ein halbes Jahr. Die städtischen Bühnen Halle stellen das Konzept, abgespielte Theaterkulissen, Personal und Pläne bereit.
Die Günter Papenburg AG (GP) unterstützt die Kinderstadt. 1963 als kleines Fuhrunternehmen in Hannover gegründet, ist GP heute ein Baukonzern mit 66 Betriebsteilen, Beteiligungen und Firmen im Norden und Osten Deutschlands, gelenkt von zwei Firmenzentralen in Hannover und Halle. 4.000 Leute beschäftigt der Konzern unter anderem in der Rohstoffgewinnung, der Produktion von Baustoffen und der Logistik, im Hoch-, Tief-, Straßen- und Gleisbau sowie im Maschinen- und Anlagenbau, davon allein 1.500 im Raum Halle. Der Jahresumsatz für 2023 lag bei rund 955 Millionen Euro. Dem Kinderstadt-Projekt spendet die Unternehmensgruppe Arbeitskraft und Geld, zudem leiht sie ihr Baugerät aus.
Und so kommt es, dass an diesem nach Baumblüte duftenden Frühlingstag Auszubildende aus Zentralasien, Nordafrika und Deutschland helfen, die Container für die Kinderstadt 2025 aufzubauen, statt wie sonst zu lernen, Berufskraftfahrer oder Verkehrswegebauer zu werden. Denn darin bildet GP ein Dutzend Usbeken, einen Libyer sowie einen Deutschen derzeit aus.
Gerade verschrauben die Auszubildenden die Stege, die jeweils zwei der frisch aufgestellten Container verbinden. Später werden diese, bunt verkleidet mit den alten Kulissen, die Spielstationen der Kinderstadt beherbergen. Sonnenstrahlen fallen durch die Bäume auf die Szenerie mit den werkelnden Bühnenbildnern, die aussehen wie Rockmusiker, und den ehrenamtlichen Helfern, von denen einige eine Takke tragen, die Kopfbedeckung muslimischer Männer.
Die Azubis sind im ersten Lehrjahr und zwischen 18 und 31 Jahre alt. Zwei der Usbeken haben zu Hause Englisch studiert und in ihrer Heimat bereits als Lehrer an Schulen gearbeitet. Schon an dem für Lehrlinge recht hohen Alter erahnt man, dass sie einen weiten Weg gegangen sein müssen, damit sie in Halle nicht nur einen Beruf erlernen, sondern auch ein wenig am sozialen Gefüge ihrer neuen Heimat mitschrauben können.
Ibrahim Abu Bakg absolviert eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer bei GP. Maik Richter-Biermann ist sein Ausbilder.
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