Bürokratie-Abbau
Keine Demokratie ohne Bürokratie
Viele reden vom Bürokratie-Abbau. Die Juristin und Beraterin Julia Borggräfe, die den Apparat von innen kennt, hält das für sehr kurzsichtig.
Julia Borggräfe, 50,
ist seit 2022 Co-Geschäftsführerin der Metaplan Gesellschaft für Verwaltungsinnovation (brand eins arbeitet bei den Peergroups mit Metaplan zusammen). Vor ihrem Wechsel in die Beratung hat die Juristin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales die Abteilung Digitalisierung und Arbeitswelt aufgebaut. Davor hat sie in verschiedenen Firmen im Personalwesen gearbeitet.
2025 ist ihr Buch „Bürokratopia. Wie Verwaltung die Demokratie retten kann“ erschienen (Verlag Klaus Wagenbach).
• Julia Borggräfe hat viel am Zustand der deutschen Behörden zu kritisieren. Aber das weitverbreitete Beamten-Bashing ist ihr zu pauschal – denn Demokratie und Rechtsstaat sind auf eine funktionierende Verwaltung angewiesen.
brand eins: Frau Borggräfe, was läuft in Deutschland gut bei der staatlichen Verwaltung?
Julia Borggräfe: Die Bürokratie ist das Betriebssystem der Demokratie und des Rechtsstaats. Es ist auch ihr Verdienst, dass Deutschland immer noch ein halbwegs funktionierender Sozialstaat ist. Um es etwas akademisch zu sagen: Die Grundlagen der staatlichen Verwaltung sind Rechtssicherheit, Unpersönlichkeit der Entscheidungen, Aktenmäßigkeit der Vorgänge – das hat Max Weber schon Anfang des vergangenen Jahrhunderts prägnant geschrieben. Diese Prinzipien schützen uns hier in der Bundesrepublik vor Willkür und Korruption. Das sind entscheidende Standortvorteile.
Weshalb hat die Bürokratie denn einen so schlechten Ruf?
Der Wunsch nach weniger Bürokratie ist ein Zeichen dafür, dass in der Verwaltung etwas nicht funktioniert. Das muss man ernst nehmen. Die Lösung ist allerdings nicht deren Zerstörung mit der Kettensäge, sondern eine bessere Verwaltung. Das führt zu den entscheidenden Fragen: Wie kann eine funktionale Bürokratie aussehen, und wie kommen wir dahin? Welche Leute brauchen wir dafür? Und wie können wir Verwaltungsleistungen messen?
Haben Sie konkrete Vorschläge?
Wir freuen uns, dass Ihnen dieser Artikel gefällt.
Er ist Teil unserer Ausgabe Demokratie