brand eins Container: Energie # 07
Vorreiter Albanien
Das südosteuropäische Land hat erreicht, wovon viele träumen: 100 Prozent seiner Energie stammt aus erneuerbaren Quellen. Wie hat es das geschafft? Und zu welchem Preis? Eine Reportage.
• Nach unzähligen magenumdrehenden Serpentinen kommt der klapprige Minivan endlich an. Die Touristen schälen sich aus ihren engen Sitzen, um eine der schönsten Sehenswürdigkeiten Albaniens zu besichtigen: den Koman-See, eine türkisblaue Fjordlandschaft, die sich durch die grünen Schluchten Nordalbaniens schlängelt. Hübsch, zweifelsohne. Viel bedeutender für das Land ist aber der brachiale Zementkeil, der den See staut.
Der Koman-Damm in den nordalbanischen Alpen ist der größte des Landes, das dazugehörige Kraftwerk das leistungsstärkste. Auf der einen Seite des Staudamms: die 34 Kilometer lange Wasserlandschaft. Auf der anderen Seite: Strom. Wasserkraft, also die Umwandlung der Energie von fließendem oder gestautem Wasser in mechanische Arbeit, ist eine der ältesten Arten der Energieerzeugung. Und die Anlage am Koman-Damm ist das mittlere von drei Kraftwerken. Zuerst kommt Fierza, dann Koman und zum Schluss, da ist man schon fast am Meer, Vau i Dejës. Zusammen produzieren die drei Kraftwerke 4.000 Gigawattstunden Strom pro Jahr - die Hälfte des jährlichen Verbrauchs in Albanien. Betrieben werden sie vom staatlichen Energieversorger Korporata Elektroenergjetike Shqiptare, kurz KESH.
Im europäischen Vergleich sind in Albanien die Produktion und der Verbrauch von Strom pro Einwohner gering, doch aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs wächst der Bedarf enorm – bis 2030 wird eine Steigerung um mehr als 70 Prozent prognostiziert.
95 Prozent des in Albanien produzierten Stroms kommen dem Ministerium für Infrastruktur und Energie zufolge aus den 130 Wasserkraftwerken im Land. Den Großteil davon betreibt die KESH, aber auch ausländische Unternehmen sind in dem Markt aktiv, etwa Statkraft aus Norwegen oder EVN und die Verbund AG aus Österreich.
Eines von drei großen Wasserkraftwerken in Albanien: Vau i Dejës in der Nähe der gleichnamigen Ortschaft
Albanien ist ein sehr bergiges Land, und es gibt viele Flüsse: ideale Bedingungen für Wasserkraft. Während der kommunistischen Ära unter dem Diktator Enver Hoxha (1908 –1985) wurde der Bau intensiv vorangetrieben, bereits in den Sechziger- und Siebzigerjahren wurden erste Seen aufgestaut. Das Regime setzte auf Autarkie, außerdem war Wasserkraft vergleichsweise billig. Nach dem Zusammenbruch des Systems in den frühen Neunzigerjahren wurden die wenigen Kohlekraftwerke, die es zusätzlich zu den Wasserkraftwerken gab, wegen mangelnder Rentabilität und wegen Umweltbelastungen stillgelegt. Heute ist Albanien mit Island das einzige Land in Europa, dessen Stromerzeugung ausschließlich auf erneuerbaren Energien basiert. Norwegen ist mit 98 Prozent nahe dran.
Vom Koman-Damm aus geht es zwei Stunden über löchrige Straßen und enge Kurven das Tal hinunter, dann kommt man in Vau i Dejës an. Der Ort hat etwa 6.000 Einwohner. Der Lokalpolitiker Elvis Prençe ist hier aufgewachsen. Er wartet vor dem Tor des nahe gelegenen Wasserkraftwerks. Unter seinen Füßen brummt es bedrohlich, das Wasser rauscht durch die Turbinen der Anlage. Vom Damm blickt man auf der einen Seite in die dunklen Berge, auf der anderen auf flaches Land. Mit dem Auto braucht man etwa zehn Minuten von der einen zur anderen Seite des Damms.
Elvis Prençe zeigt auf das Wasser. „Einige alte Leute kommen immer noch hierher und sagen: ‚Da komme ich her!‘“ Da seien einmal Straßen gewesen, Häuser. „Jetzt ist da nur noch Wasser“, sagt Prençe.
Tausende Bewohner wurden enteignet und zwangsumgesiedelt. Das ist die Schattenseite von Albaniens Energieautarkie. In den nächsten Jahren soll neben Vau i Dejës, Koman und Fierza ein viertes großes Kraftwerk entstehen, flussaufwärts, nahe der mazedonischen Grenze, in Skavica. Doch dort regt sich seit Jahren Widerstand.
Eine Kirche in Vau i Dejës. Für den Staudamm wurden Tausende Bewohner umgesiedelt
Ein Tal kämpft gegen den Exodus
Das Dorf Laçes in Nordostalbanien, Spätsommer 2022. In einem kleinen Café mit einem großen Garten sitzt eine Gruppe Männer zusammen. Im Hintergrund der Schwarze Drin, ein Fluss, der im Ohridsee entspringt und sich von dort 149 Kilometer nordwärts durch die gebirgige Landschaft Westmazedoniens und Nordostalbaniens schlängelt. Die Männer trinken Wasser aus Plastikflaschen, rauchen und diskutieren laut. Die Regierung plant in Skavica, einige Kilometer flussabwärts, einen Damm. Laçes würde überschwemmt werden, genauso wie rund 40 weitere Dörfer im Tal. „Wir mussten aus dem Fernsehen erfahren, dass wir unsere Heimat verlieren werden“, sagt einer, der sich als Dorfvorsteher vorstellt. Die Gräber ihrer Ahnen, die Häuser und Betriebe – alles weg? Und wenn ja, werden sie dann gerecht entschädigt? Einen Kataster gibt es nicht, seit Jahrhunderten werden die Ländereien von Generation zu Generation vererbt. Einer der Männer erzählt, dass er seit einiger Zeit aus Angst nicht mehr schlafen kann. Ihm rollt eine Träne über die Wange. 20.000 Menschen wären von dem Dammbau betroffen. „Stop Skavica“ steht auf einem großen Banner am Eingang des Cafés.
Und heute? Das Banner hängt dort immer noch. Die Sorge wegen des geplanten Wasserkraftwerks schwelt weiter. Der Cafébetreiber Femi Kovaci wirkt desillusioniert. 65 Jahre, sein ganzes Leben habe er hier verbracht. Er kann sich nicht vorstellen, woanders zu leben. Er holt sein Handy aus der Hosentasche, sucht die Nummer seines Sohns, der in Australien lebt, und drückt auf das kleine Kamera-Icon. Ein langhaariger Mann erscheint auf dem Bildschirm. „Ich wohne seit 20 Jahren im Ausland. Einmal im Jahr komme ich für ein paar Monate zurück. Aber wenn man mir meine Heimat nimmt, dann weiß ich nicht, ob ich noch einmal nach Albanien fahre“, sagt er.
Viele ausgewanderte Albaner sorgen sich um ihre Heimat. Sogar in New York gibt es einen Kreis, der die Gegner des Staudamms unterstützt.
Auch wenn Wasserkraft erneuerbar sei, heiße das nicht, dass sie auch grün sei, sagt Olsi Nika in der Hauptstadt Tirana. Der Biologe ist Direktor der unabhängigen Umweltorganisation Eco Albania. Seit Jahren setzt er sich für den Schutz von Flüssen auf dem Balkan ein. Wasserwerke zerstörten nicht nur die Heimat der Menschen, sondern auch die Lebensräume vieler Tiere, sagt er. „Dämme unterbrechen einen Fluss, durch den Organismen migrieren.“ Das bringe ganze Ökosysteme durcheinander. In Skavica, das befürchten Wissenschaftler, könnte der geplante Damm den Biokorridor des Balkanluchses, der seltensten Katze Europas, trennen. Die zwei einzigen Populationen würden so voneinander isoliert. Im schlimmsten Fall könnte die Art aussterben.
Ob Skavica wirklich gebaut wird, ist allerdings unklar. Mit dem Wasserkraftwerk wolle man eine zusätzliche Quelle für die Stromerzeugung schaffen, teilt die KESH auf Anfrage mit. Derzeit würden „technisch-wirtschaftliche, finanzielle, ökologische und soziale Parameter“ analysiert. Über das Projekt werde nach dem Abschluss der Analyse entschieden. Wann das sein wird, lässt die KESH offen.
Grundsätzlich setzt die Regierung auch in Zukunft auf die Wasserkraft, das sagt Bledar Aliaj, der Direktor der Abteilung für Energiepolitik im Ministerium für Infrastruktur und Energie. Man arbeite allerdings längst auch an Alternativen.
Albanien erzeugt Strom unter dem Strich zwar vollständig aus erneuerbaren Energien, doch im Sommer, wenn in den Stauseen der Wasserstand sinkt, hat das Land immer öfter Probleme, seinen Bedarf zu decken. Etwa 30 Prozent des benötigten Stroms müssen dann teuer aus Nachbarländern importiert werden. Hinzu kommt, dass in den nächsten fünf Jahren die Stromproduktion aus Wasserkraft um 15 bis 20 Prozent sinken, der Energiebedarf aber um 77 Prozent steigen soll.
Deshalb baut das Land nun massiv auf Solarenergie. Auch dafür sind die Bedingungen bestens. In dem Land mit subtropisch-mediterranem Klima ist die Sonnenstrahlung sehr hoch, gerade im Westen Albaniens. Dort erreicht die tägliche Einstrahlungsleistung im Schnitt 4,5 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Zum Vergleich: In Deutschlands sonnigstem Bundesland Bayern liegt dieser Wert zwischen 2,9 und 3,3 Kilowattstunden.
Gleichzeitig ist es in Albanien vergleichsweise kühl, und auch das ist ein Vorteil. Denn bei starker Hitze sinkt die Leistung von Solarpaneelen. An den langen Tagen im Frühling und im Sommer könnten sie besonders viel Strom erzeugen. Durch Solarstrom sollen Engpässe bei der Stromerzeugung aufgefangen werden, weil die Wasserkraft wegen der Erderwärmung immer unergiebiger wird. Die Pläne sind ehrgeizig: Bis 2030 möchte Albanien Netto-Stromexporteur werden. Bis dahin soll eine Solarkapazität von einem Gigawatt erreicht werden – das ist etwa das Dreifache der heutigen Kapazität.
Solarunternehmer Philipp Koronowski; unten: Blick auf das Zentrum von Tirana
Der Sonnenkönig von der Wupper
Philipp Koronowski hat das Potenzial früh erkannt. Über Whatsapp schickt er den Treffpunkt: ein Restaurant in Rolling Hills, einer exquisiten Gated Community, etwa 20 Minuten außerhalb von Tirana. Koronowski kommt mit dem Porsche. Die rotblonden Haare akkurat gescheitelt, enge Markenjeans, das Hemd weit aufgeknöpft. „Sorry für die Verspätung“, entschuldigt er sich höflich und bestellt ein paar Häppchen. Der 28-Jährige ist Unternehmer, seine Firma ist die größte für Solaranlagen in Albanien. Vor sechs Jahren hat er sie mit einem Freund gegründet. Vega hat inzwischen mit mehr als 200 Mitarbeitern Paneele auf Wohn- und Industriegebäuden im ganzen Land installiert.
Koronowski kommt aus Wuppertal, hat bei Fortuna Düsseldorf in der Jugend gekickt, und als absehbar war, dass das mit dem Profifußball nichts würde, zog er fürs Elekrotechnikstudium nach Aachen. Nach dem Bachelor machte er mit einem Freund, seinem späteren Co-Gründer, Urlaub in dessen Heimatland Albanien. Ihm fiel auf, dass es dort viel Sonne gab, aber kaum Photovoltaik.
Er habe einen Riecher gehabt, aber auch ein bisschen Glück, sagt Koronowski. 2021 führte die albanische Regierung ein Vergütungssystem ein, um die Eigenproduktion von erneuerbaren Energien zu fördern. Dadurch konnten Haushalte oder Firmen, die ein Solarsystem hatten, ihren überschüssigen Strom verkaufen und ins Netz einspeisen. Gerade Unternehmen hatten so einen Anreiz, sich Solarpaneele aufs Dach zu setzen. „Strom ist teuer in Albanien, und so etwas wie Industriestrom gibt es nicht“, sagt Koronowski. Eine Kilowattstunde kostet in Albanien etwa 36 Cent, in Deutschland rund 19 Cent. Da zahlt sich die Investition in Solarpaneele schnell aus. In der Industrie liege der Return of Investment derzeit bei drei Jahren, so der Unternehmer. 2018 hatte Albanien eine Solarkapazität von gerade 18 Megawatt, heute sind es 466.
Seine ersten Mitarbeiter – ob Ingenieure oder Bauarbeiter – schulte Koronowski noch selbst. „Damals gab es keine auf Solarsysteme spezialisierten Fachkräfte“, sagt er. Inzwischen ist aus Vega eine Unternehmensgruppe geworden: Vega Solar für Industrie- und Privatdächer, Vega Electric für die Wartung, Vega Charging für Ladestationen für E-Autos und Vega Energy für Solarparks. Die Gruppe hat außer in Albanien Standorte in Düsseldorf, Athen und Rom. 2024 war Deutschland für Vega der größte Markt in der Europäischen Union, aber auch in Griechenland und Italien gebe es derzeit viele Großprojekte für das Unternehmen.
Die albanische Regierung mache einen guten Job, findet Koronowski. Bledar Aliaj, der Direktor für Energiepolitik, sagt: „Das Land ist für ausländische Investoren im Energiesektor interessant.“ Zwar braucht es etwa für den Bau eines Wasserkraftwerks viel Geld, doch die Betriebskosten sind gering. Laut einer Studie der Internationalen Organisation für Erneuerbare Energien aus dem Jahr 2022 betrugen die Stromgestehungskosten für neue Wasserkraft, also alle Ausgaben von der Investition bis zum Betrieb, umgerechnet im Schnitt 0,058 Euro pro Kilowattstunde . Atomkraft kostet mit 0,11 Euro fast doppelt so viel, so eine Studie des österreichischen Umweltbundesamts.
Dass Albanien überhaupt so viel in die Energieerzeugung investieren kann, liege auch an den hohen Subventionen der Europäischen Union, sagt Bledar Aliaj. Seit Ende der Achtzigerjahre flossen insgesamt 1,2 Milliarden Euro aus Brüssel nach Tirana – eine stattliche Summe für ein Land mit 2,7 Millionen Einwohnern.
Um vollkommen unabhängig von Stromimporten zu werden, soll für den Ausbau der Wasserkraft das Pumpspeicherkraftwerk in Moglicë in diesem Jahr zusätzliche Kapazitäten bekommen. Außerdem soll das Kraftwerk Vau i Dejës modernisiert werden. Auch in Windkraft wird investiert, gerade die Adriaküste bietet dafür gute Bedingungen. Um Investoren für die Solarbranche anzuziehen, setzt die Regierung politische und wirtschaftliche Anreize.
250.000 Paneele auf 185 Hektar Land: der Karavasta-Solarpark des französischen Energieversorgers Voltalia
Der größte Solarpark des Westbalkans
Der gigantische Trafo surrt, die Hitze flimmert über den Solarpaneelen. Während die Gefahr eines Sonnenbrands für deutsche Nacken hoch ist, freut sich Esmeraldo Emini. Er trägt eine gelbe Warnweste, einen Helm und eine schwarze Sonnenbrille. Der junge Mann leitet den Karavasta-Solarpark im Südwesten Albaniens. Es ist der größte im Westbalkan. In der Gegend um Karavasta ist die Einstrahlungsleistung die höchste im ganzen Land. Auf 185 Hektar reihen sich fast 250.000 Solarpaneele aneinander, pro Jahr werden hier 265 Gigawattstunden erzeugt – knapp vier Prozent des Energiebedarfs Albaniens.
Im Kontrollraum schaut Emini auf die Überwachungsbildschirme. „Gerade produzieren wir 70 Megawatt pro Stunde". Das entspreche dem Stromverbrauch von 13.000 Wohnungen. „Im Sommer, wenn wir am meisten produzieren, können wir den Energiebedarf von Fier decken“, sagt er. Fier ist die größte Stadt der Gegend, knapp 50.000 Menschen leben dort.
2020 gewann der französische Energieversorger Voltalia die öffentliche Ausschreibung für den Solarpark. Das Unternehmen investierte 135 Millionen Euro und sicherte sich somit die Konzession für die nächsten 30 Jahre. Schon nach zehn Jahren werde sich die Investition ausgezahlt haben, schätzt Julian Lopez Garrido, Voltalias Mann für Albanien, im Videogespräch.
50 Prozent der erzeugten Energie kauft der Staat 15 Jahre lang zu einem festgelegten Preis: 24,89 Euro pro Megawattstunde. Mit der anderen Hälfte darf Voltalia frei wirtschaften. So verkauft das Unternehmen albanische Solarenergie beispielsweise nach Ungarn.
24,89 Euro pro Megawattstunde findet Bruno Burger vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme „extrem wenig“. In Deutschland zahlten Privatkunden etwa 82 Euro für die Megawattstunde. Trotzdem ist Lopez Garrido mit den albanischen Konditionen zufrieden. Denn wegen des Preisverfalls der Technik lohne es sich, in Solarfarmen zu investieren. Im Jahr 2009, als er angefangen hat, in der Branche zu arbeiten, habe die Installation einer Photovoltaikanlage etwa sieben Euro pro Watt gekostet. „Heute sind es 60 Cent pro Watt.“
In den nächsten Jahren will Voltalia weiter in Solarenergie in Albanien investieren, auch in Batterien. Denn wer viel Energie produziert, muss diese auch speichern können. Dem deutschen Bundeswirtschaftsministerium zufolge hat Albanien das Potenzial, sieben Gigawatt Solar- und Windenergie zu erzeugen. Somit könnte das Land – zumindest theoretisch – seinen Strombedarf allein mit Solar- und Windenergie decken und sich dadurch auch von Wasserkraft unabhängig machen. Doch das ist nicht gewollt. Und wäre auch nicht vernünftig, erklärt der Fraunhofer-Experte Bruno Burger. „Wasserkraftwerke für die Grundlast und dazu, für den Ausgleich von Schwankungen, Solar im Sommer und Wind im Winter und in der Nacht – dieser Mix ist perfekt.“
Im Januar 2025 unterzeichneten Albanien, Italien und die Vereinigten Arabischen Emirate ein Abkommen: Über Unterwasserstromkabel in der Adria soll der Austausch von Solar- und Windenergie zwischen Albanien und Italien möglich und so die Energiesicherheit gestärkt werden. Bruno Burger findet das richtig. Man sollte nicht national, sondern europäisch denken. „Wenn man ein großes Einzugsgebiet und noch dazu ein leistungsfähiges Netz hat, dann kann Strom munter hin- und hergeschoben werden, je nachdem, wer gerade viel und wenig erzeugt“, sagt er. Und Albanien hat innerhalb der EU aufgrund seiner geografischen Lage einen Wettbewerbsvorteil. Es gibt viele Flüsse und Berge für Wasserkraftwerke, Wind an der Küste und vor allem viel Sonne. ---
Der Chef des Solarparks: Esmeraldo Emini
Albanien
Bis zum Zerfall des kommunistischen Regimes im Jahr 1990 war Albanien politisch wie wirtschaftlich von der Außenwelt abgeschottet. Mit dem Ende des Eisernen Vorhangs öffnete sich das Land, aus einer Diktatur wurde eine Demokratie, aus der Plan- eine Marktwirtschaft.
Die ersten Jahre waren geprägt von politischem Chaos und Hyperinflation, ab der Jahrtausendwende stabilisierte sich Albanien zunehmend. Die Wirtschaft wuchs durch Investitionen in Infrastruktur, Tourismus und Energie, leidet aber unter Korruption und Abwanderung. Im Korruptionsindex von Transparency International kletterte Albanien 2024 18 Plätze nach oben und liegt nun auf dem 80. von 180 Plätzen. Im Februar wurde der Bürgermeister der Hauptstadt Tirana festgenommen. Er soll mehr als eine Million Euro unterschlagen haben. Die Uno rechnet damit, dass bis 2030 pro Jahr 55.000 Menschen das Land verlassen werden. Etwa vier Millionen – und damit ein Drittel der Albaner – leben bereits im Ausland. Seit dem Jahr 2018 führt das Land Beitrittsverhandlungen mit der EU.
Einwohner (2023): 2,7 Millionen
BIP, in Milliarden Euro, im Jahr
… 1990: 1,6
… 2000: 4,2
… 2023: 21,86
Monatlicher Mindestlohn: 400 Euro (brutto)
Monatliches Durchschnittseinkommen: 594 Euro (brutto)
Zum Vergleich Deutschland
Einwohner (2023): 83,3 Millionen
BIP, in Milliarden Euro, im Jahr
… 1990: 1.306
… 2000: 2.130
… 2023: 4.305
Monatlicher Mindestlohn: 2.161 Euro (brutto)
Monatliches Durchschnittseinkommen: 4.239 Euro (brutto)
Das Wichtigste in Kürze
– Albanien setzt traditionell stark auf Wasserkraft, die für 95 Prozent des im Land erzeugten Stroms verantwortlich ist.
– Seit einigen Jahren wird aber auch die Solarenergie massiv ausgebaut.
– Das Land zieht außerdem ausländische Investoren an, die dort sehr gute Bedingungen etwa für Solarparks vorfinden.
Ein brand eins Container ist ein Ort im Heft, an dem wir Themen von Ausgabe zu Ausgabe weiterentwickeln. Ein offenes, flexibles Format, das nicht wie eine Serie von vornherein fertig konzipiert ist, sondern sich mit Ihren Anregungen und Wünschen entwickelt.
Verantwortlich für diesen Container zum Thema Energie ist Susanne Schäfer, die sich über Ideen, Anregungen und Kritik freut: [email protected]
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