RMS Bikes
Das Drei-Tage-Prinzip
Monatelang auf einen Reparaturtermin fürs Fahrrad warten? Alexander Friedrich aus Frankfurt am Main zeigt mit seinen Werkstätten, wie es anders geht.

• Sobald der Frühling da ist, holen viele Leute ihre Fahrräder wieder aus dem Keller. Oft ist dann ein Licht kaputt oder die Kette verrostet. Viele Werkstätten sind aber komplett ausgelastet oder sowieso nur bereit, Räder zu reparieren, die sie auch verkauft haben. Es kann also Wochen dauern, bis man endlich losradeln kann.
Beim Fahrradmechaniker Alexander Friedrich aus Frankfurt am Main bekommen Kundinnen und Kunden ihr Rad innerhalb von drei Tagen zurück, und er weist auch niemanden ab.
Der heute 34-Jährige fand schon während seiner Ausbildung als Zweiradmechatroniker vor zehn Jahren einiges in der Branche problematisch: vor allem die Kombination von verkaufen und reparieren. Fast alle Werkstätten in Deutschland sind an ein Ladengeschäft gebunden.
Viele der Inhaber vernachlässigten allerdings den Werkstattbereich, sagt Friedrich, weil sie mehr Geld mit dem Handel von Fahrrädern und Zubehör verdienen. Außerdem würden in vielen Läden mehr Räder verkauft, als in der eigenen Werkstatt repariert werden können – was zu langen Wartezeiten führe. „Wenn die Werkstatt im Hintergrund steht und der Verkauf viel wichtiger ist, können professionelle Abläufe im Servicebereich nicht funktionieren“, so Friedrich.
Hinzu kommt fehlendes Personal. Nach Angaben des Branchenverbunds Service und Fahrrad (VSF) fehlen in den Werkstätten rund 7.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es gibt nur wenige Ausbildungsplätze, und wegen der dünnen Personaldecke, manchmal auch wegen schlechten Managements, sind Sechstagewochen verbreitet.
Niedrige Gehälter machen die Branche für junge Menschen unattraktiv. Alexander Friedrich verdiente als Werkstattleiter bei einem Händler 2.500 Euro brutto – bei mehr als 50 Arbeitsstunden pro Woche, sagt er. „Irgendwann habe ich mir gedacht, dass man in dem Beruf, der mir so viel Spaß macht, mehr verdienen kann.“
Friedrich nahm einen KfW-Kredit über 280.000 Euro auf und eröffnete 2021 mit einem Fahrradhändler einen gemeinsamen Laden mit Werkstatt. Es war ein günstiger Zeitpunkt für den Schritt in die Selbstständigkeit: Seit dem Vorjahr wurde das Fahrradnetz in Frankfurt ausgebaut, zudem entdeckten viele Menschen das Rad während der Pandemie für sich. „In dieser Boomphase war ich bereit, ins Risiko zu gehen“, sagt Friedrich.
Doch schon im September 2022 stieg er mit seiner Werkstatt aus der gemeinsamen Firma aus. „Ich wollte die Gehälter anpassen, um mich und meine Mitarbeiter zu belohnen. Aber die anderen Gesellschafter wollten die Gewinne nicht auszahlen, sondern in neue Bestellungen investieren.“ Ein paar Monate zuvor hatte er seine eigene Firma RMS Bikes gegründet, als reine Fahrradwerkstatt.
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Er ist Teil unserer Ausgabe Arbeitsmarkt