Arbeits-Teilung
Wie wir Arbeit mit KI neu erfinden – und was für uns übrig bleibt.
Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 05/2025.
„Doch mit dem Meer ist es wie mit der Arbeit: Ja, es ist genug für alle da!“Farin Urlaub: „Am Strand“, vom Album „Endlich Urlaub!“ (2001)
Der demografische Wandel wird zu einem Mangel an Arbeitskräften führen. Kann KI da helfen?
Arbeitskräfte fehlen bereits in Sozialarbeit und Bildung, im Gesundheits- und Pflegebereich, in Bauwirtschaft und Handwerk, besonders bei Elektrikern und Elektronikerinnen. Und KI kann genau das (noch) nicht.
Aber das Problem des sogenannten Fachkräftemangels könnte sowieso eher ein Problem der mangelhaften Anerkennung von tatsächlichen Kompetenzen sein. Denn der Blick auf Abschlüsse ist zu eng, was wir vor allem bei der dualen Ausbildung oder der Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt sehen.
Was uns vermehrt fehlt, sind empathische und progressive Führungskräfte, wie wir aus internationalen Studien wissen. Kein Mangel herrscht dagegen an Betriebswirten, Managerinnen und Verwaltern. Von ihnen braucht es dank KI weniger.
Warum haben wir von ihnen zu viele?
Das ist schon seit Beginn des Maschinenzeitalters so, das der Historiker Thomas Carlyle 1829 ausrief. Die Industrialisierung, so stellte der MIT-Wirtschaftshistoriker Alfred Chandler 1962 fest, führte nicht zu mehr Industriearbeit, sondern zu einer ungeheuren Managerialisierung: Die eben noch kleinen Manufakturen bekamen neben Fließbändern vor allem Manager, die Manager managten, die wiederum Manager managten, die dann irgendwann mit den tatsächlich arbeitenden Mitarbeitern sprachen.
In den vergangenen 200 Jahren haben wir uns von der Mechanisierung der Webstühle bis zur Digitalisierung hochgearbeitet. Spätestens seit den Fünfzigerjahren spricht die Forschung vom zweiten Maschinenzeitalter. Rund 70 Jahre später, am 30. November 2022, erreichte die künstliche Intelligenz mit ChatGPT die Massen. Und statt den Arbeitern, den sogenannten Blue Collars, geht es nun den White Collars, also den Angestellten, an den Kragen.
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Er ist Teil unserer Ausgabe Arbeitsmarkt