Eine neue Epoche
Generative KI hat bewiesen, dass sie kein schnell verpuffender Hype ist. Trotzdem sind zentrale Probleme ungelöst. Wie wollen wir mit dieser Technik leben?
API, Agent, PEFT, LLM, RAG und GPT, NLP, Dall-E und STT, GenKI, Diffusion – ojemine MKG – mit künstlichen Grüßen, die Welt liegt uns zu Füßen, denn wir stehen drauf. Wir prompten für ein Leben voller Schall und Rauch Und wenn die Tokens nicht reichen, stocken wir eben auf.(Garantiert ohne KI-Einsatz umgedichtetes Stück der Fantastischen 4)
• Die Erde rast mit einer Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Sekunde um die Sonne. Und trotzdem bekommen wir davon nichts mit. Wenn wir auf einer Sommerwiese liegen, herrscht Ruhe, nichts scheint sich zu bewegen. Schauen wir dann zum Himmel, sehen wir, wie die Sonne untergeht. Wie sie sich auf den Horizont zubewegt. Doch sie steht in Wirklichkeit still – zumindest in Relation zu unserer Erde.
Die moderne KI-Technik ist Erde und Sonne zugleich. Vermeintlicher Stillstand bei schneller Bewegung – und umgekehrt. So gut wie jede Woche wird ein neues Sprachmodell oder die nächste Version eines vorhandenen veröffentlicht. Das Entwicklungstempo scheint halsbrecherisch.
Und doch stehen wir in vielerlei Hinsicht noch am selben Punkt wie vor knapp drei Jahren, als die ganze Welt sich zum ersten Mal über ein ChatGPT-Eingabefenster beugte. Noch immer kommt es vor, dass die generative KI einfach Unsinn raushaut. Es ist immer noch nicht geklärt, womit die Modelle gefüttert und trainiert werden dürfen – und wer dafür wie zu entschädigen ist. Und noch immer werden Hände gerungen und Haare gerauft, wenn es um die Frage geht, ob KI zu riesigen Produktivitätsgewinnen oder zu Massenarbeitslosigkeit führen wird. Oder zu beidem – nur für jeweils andere Gruppen.
Auf der anderen Seite wäre es albern, so zu tun, als hätte die Zeit seit November 2022 stillgestanden. Die Modelle sind nicht nur vielfältiger geworden, sondern außerdem allesamt besser. Statt geschriebenem Text können sie inzwischen Gesprochenes, Bilder und Videos nicht nur ausgeben, sondern auch erkennen und verarbeiten. Man hat ihnen beigebracht, hinter den Kulissen unauffällig die Technik zu wechseln, wenn sie rechnen oder programmieren sollen. Und in den meisten Fällen wurden sie so verändert, dass ihr Energiebedarf, der anfangs Anlass zur Sorge gab, zumindest im normalen Betrieb nicht mehr allzu hoch ist. Das Trainieren der KI ist noch mal ein anderes Thema, aber auch hier gibt es Verbesserungen.
Die Entwicklung generativer KI schreitet also in riesigen Schritten voran – und kommt in vielen Fragen nicht weiter. Das ist der Grund dafür, dass sich zwei Lager zusehends unversöhnlicher gegenüberstehen: auf der einen Seite diejenigen, die davon ausgehen, dass KI unsere Welt neu formen wird, und die dabei ganz vorne mitwirken möchten. Ein Beispiel bietet dieser Post aus dem Bluesky-Netzwerk: „🎯 Dein Netzwerk + KI = endlose Möglichkeiten! Bereit für die nächste Stufe? 🚀“. Für Bedenken hat diese Gruppe kein Verständnis.
Die andere Seite negiert alle positiven Aspekte von KI und hält jene, die darauf setzen, für vernebelt. Beispielpost, ebenfalls von Bluesky: „KI ist seelenloser Müll, und jeder, der damit arbeitet, sollte in einen Vulkan geworfen werden.“
Wie sehr sich der Diskurs verhärtet hat, merkt man auch daran, dass einer der klügsten und ausgewogensten KI-Experten, Ethan Mollick, sich nicht mehr so gern beteiligt. Er werde weiterhin in Netzwerken wie Bluesky posten, so Mollick, der Professor für Management an der Wharton-Universität in Philadelphia ist und mit „One Useful Thing“ einen der profundesten KI-Blogs betreibt. Aber er werde sich eben nicht mehr so oft zu Wort melden. Weil die Reaktionen auf seine Beiträge oft sehr feindselig seien und eine produktive Diskussion erschwerten.
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