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Circular Economy

Dinge zu produzieren ist kompliziert geworden: Lieferketten sind gestört, Rohstoffe knapp und geopolitische Abhängigkeiten riskant. Das ist eine Chance für die Kreislaufwirtschaft – sie nutzt das Material, das schon im Umlauf ist. Großes Potenzial haben Batterien aus E-Autos, die als Stromspeicher ein zweites Leben bekommen.



Ein Raum mit einer roten Metalltreppe, die zu einer Tür führt, umgeben von verschiedenen elektronischen Geräten und Anlagen auf dem Boden. Die Geräte scheinen an ein Netzwerk angeschlossen zu sein, und der Raum hat eine weiße Wand und eine Tür.
Das Bild zeigt einen Haufen verworrener, verdrehter Kupferdrähte oder -kabel, aus denen einige Metallteile oder Klammern herausragen. Bei dem kupferfarbenen Material scheint es sich um eine Mischung aus Kupferdraht und Metallstücken zu handeln, die möglicherweise zu Recycling- oder Wiederverwendungszwecken verwendet werden.

Altbatterien und ein Schrank, in den sie für ihre neue Aufgabe montiert werden

Fertiger Batterieschrank, kurz vor dem Versand in der Fertigungshalle von der Firma Voltfang. Der offene Batterieschrank steht auf einer Holzpalette. Er steht vor einer weißen Wand, und über der ihm befinden sich drei kleine Schilder an der Wand.

• Produzieren, nutzen, wegwerfen – nach diesem Dreiklang funktioniert unser Wirtschaftssystem. Die Folgen sind bekannt: In Müllverbrennungsanlagen verfeuern wir, was gerade erst mühsam erzeugt wurde, Hunderttausende Tonnen Plastikmüll schicken wir jedes Jahr um die Welt, in Afrika türmt sich unser Elektroschrott zu gigantischen Deponien. Für die neuen Produkte braucht es wieder Rohstoffe, Transporte und Energie. Und all das schadet der Umwelt.

Dabei ist längst bekannt, wie es besser ginge: Viel Material ließe sich einsparen, etwa Einweg-Verpackungen. Ein robustes, reparaturfreundliches Design sowie wiederverwendbare Einzelteile würden den Dingen ein längeres Leben schenken. Und erst wenn sämtliche Möglichkeiten, Produkte oder deren Bestandteile weiterzuverwenden, ausgeschöpft wären, käme das Recycling ins Spiel.

Diese Rangfolge ist sogar gesetzlich verankert: im Kreislaufwirtschaftsgesetz. Kaum ein Unternehmen beherzigt sie allerdings, bislang ist die Circular Economy ein Ideal. Seit Jahrzehnten wird über Müllvermeidung und über Ressourcenschonung geredet, aber die Kreislaufwirtschaft hat es noch nicht aus der Nische geschafft.

Der Grund liegt auf der Hand: Die zirkuläre Idee passt nur bedingt zur linearen Logik des Kapitalismus. Es ist schwer vorstellbar, dass die Sales-Abteilung vom Vorstand bejubelt wird, weil sie weniger verkauft, seit die Produkte länger halten. Techkonzerne sträuben sich seit Jahren dagegen, Smartphones reparabel zu machen. Vor einigen Jahren wurde bekannt, dass Amazon Retouren vernichtete. Denn in der betriebswirtschaftlichen Rechnung hatte es sich nicht gelohnt, fabrikneue Produkte ein zweites Mal zu verschicken. So weit die Realität in vielen Unternehmen.

Aber es gibt die Enthusiasten, die trotzdem an eine zirkuläre Zukunft glauben. Sie waren im Mai 2025 beim Circular Republic Festival in München zu erleben.

Ein Mitarbeiter der Firma Voltfang, der konzentriert an einer Maschine arbeitet. Er ist von verschiedenen Werkzeugen und Ausrüstungen umgeben, was auf einen gut ausgestatteten Arbeitsbereich hindeutet. Die Szene wird von einer weißen Wand und einer blauen Tür eingerahmt, die eine professionelle und organisierte Umgebung schaffen.
Die große Fertigungshalle der Firma Voltfang, die mit zahlreichen auf Paletten gestapelten Kartons und anderen flachen Gegenständen gefüllt ist. Das Lagerhaus hat eine hohe Decke mit freiliegenden Balken und einem Metallrahmen, was ihm einen geräumigen und industriellen Charakter verleiht. Die Kartons sind in verschiedenen Stapeln geordnet, was auf einen gut verwalteten Lagerbereich hinweist Das Lager scheint gerade für den Versand oder die Lagerung vorbereitet zu werden, wie die Kartons und Paletten zeigen.

Aus alt mach neu: die Fertigungshalle von Voltfang in Aachen

In den Räumen des Urban Colab mit Wänden aus Sichtbeton, Glasdächern und Sofaecken zeigten Tüftler ihre Erfindungen: Ein Roboterarm baute die Scheibenwischanlage eines Autos auseinander. Auf einem Fließband blies sich eine Box namens Paze auf, bald soll sie mithilfe eines Pfandsystems Einweg-Versandkartons ersetzen. Und das Start-up Koorvi präsentierte eine Software, mit der Hersteller gebrauchte Produkte wie etwa Kaffeemaschinen ohne viel Aufwand wieder zurücknehmen, aufbereiten und neu verkaufen können.

Auf Podien diskutierten Leute aus Forschung, Wirtschaft und Initiativen, wie aus den vielen einzelnen Lösungen ein nachhaltiges System werden könnte. Die Fragen, die dabei verhandelt wurden, waren so unterschiedlich wie das Publikum: Wie überzeuge ich den Controller? Wie lässt sich Wachstum vom Verbrauch endlicher Ressourcen entkoppeln?

„Die Kreislaufwirtschaft kann nur funktionieren, wenn Geschäftsmodelle profitabel sind“, erklärt Susanne Kadner, Mitgründerin der Circular Republic. Die Tochtergesellschaft der Un- ternehmerTUM an der TU München soll solche Geschäftsmodelle fördern.

Susanne Kadner sieht gerade jetzt eine Chance für die Kreislaufwirtschaft: „Viele Unternehmen haben in der unsicheren geopolitischen Lage das Bedürfnis, sich unabhängiger von Rohstoffimporten zu machen. Weniger und kürzere Lieferketten bedeuten auch mehr Widerstandsfähigkeit in Krisen.“ Produkte und Materialien länger im Umlauf zu halten sei für viele Unternehmen von Vorteil.

Und erst recht für Staaten: Die EU stuft derzeit 34 Rohstoffe als kritisch ein. Damit keine zu starken Abhängigkeiten von einzelnen Lieferländern entstehen, sind die Mitgliedsstaaten aufgefordert, ihre Einfuhren möglichst stark zu diversifizieren, also zum einen auf verschiedene Lieferanten zu setzen. Und zum anderen auf Kreislaufwirtschaft. Es existiert bereits ein Regelwerk der EU, das die Circular Economy befeuern soll.

Wie schwer es bei aller Begeisterung ist, aus der Theorie Praxis zu machen, zeigt diese Gründergeschichte.

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