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Heata

Rechner produzieren Wärme. Meist verpufft diese ungenutzt. Das britische Start-up Heata platziert seine Server in privaten Haushalten. Dort erhitzen diese nun das Tee- und Badewasser.



Ein zylinderförmiger Warmwasserspeicher in hellblau steht vor einem weißen Hintergrund. An der Vorderseite befindet sich ein weißes Schild mit dem Aufdruck "COMPAQ COM WATER" in roten Buchstaben. Der Speicher hat oben einen Anschluss für Wasserleitungen.
Boiler mit Heata ausgerüstet

• Rechenzentren sind schätzungsweise für bis zu drei Prozent des globalen Energiebedarfs verantwortlich. Fast die Hälfte dieser Energie braucht es, um die Prozessoren zu kühlen, damit sie nicht überhitzen.

So kam es zu der Idee, mit der Abwärme Gebäude zu heizen. Seit 2023 gibt Amazon kostenlos Wärme aus seinem Rechenzentrum an einen Dubliner Stadtteil ab. Meta und Microsoft haben ähnliche Projekte.

Verbreitet ist das allerdings noch nicht. Denn beim Transport durch lange Leitungen geht viel Wärme verloren. Meist stehen die Rechenzentren zudem nicht in Stadtnähe, wo man sie gut an das lokale Fernwärmenetz anschließen könnte, sondern dort, wo Strom billig ist. Außerdem basiert Fernwärme häufig auf Dampf – den Rechenzentren nicht liefern.

„Wärme zu übertragen ist schwierig“, sagt Michael Paisley, einer der Gründer des britischen Start-ups Heata, „Daten zu transportieren aber ganz einfach.“ Heata platziert seine Server deshalb dort, wo Wärme gebraucht wird: in privaten Haushalten, direkt neben den Warmwasserspeichern.

Jeder Server ist etwa so groß wie ein Schuhkarton. Verbunden über Wlan, bilden die Geräte einen Verbund, der sich über mehrere Haushalte erstreckt. Ein Wärmeleiter erhitzt mit der Prozessorwärme durch die Wand des Kessels das darin enthaltene Wasser, in der Regel 200 Liter. „Ursprünglich wollten wir Heizungswärme erzeugen“, sagt Paisley. „Aber bei uns wird diese nur in den kalten Monaten benötigt.“ Warmes Wasser hingegen nutzen Haushalte das gesamte Jahr über.

Bis zu vier Kilowattstunden Warmwasser liefert ein Server laut dem Start-up pro Tag – etwa 80 Prozent des Warmwasserbedarfs eines durchschnittlichen britischen Haushalts. Somit spart jedes Gerät 750 Kilogramm CO2 pro Jahr.

Die Anschubfinanzierung kam von dem Energieversorger British Gas. Dieser suchte 2017 nach Wegen, Menschen zu helfen, denen die Mittel für Heiz- und Stromkosten fehlen – im Vereinigten Königreich sind das etwa 3,8 Millionen. Inzwischen hat Heata etwa hundert Server in Haushalten installiert, was ohne Klempner möglich ist.

Ein Mann mittleren Alters mit Bart sitzt an einem Schreibtisch und arbeitet auf einem Tablet. Er trägt ein blaues Hemd und hat einen Stift in der Hand. Vor ihm liegen mehrere kleine Modelle, die wie architektonische Entwürfe aussehen. Im Hintergrund ein weißes Regal mit Pflanzen und Dekorationsobjekten, das für eine ruhige und kreative Arbeitsatmosphäre sorgt.
Nahaufnahme einer komplexen technischen Anordnung. Mehrere quadratische, metallische Bauteile sind auf einer dunklen Oberfläche befestigt. Zwischen den Bauteilen verlaufen gebogene, kupferfarbene Rohre, die durch Schrauben fixiert sind. Weiße Schaumstoffblöcke dienen als Abstandshalter. Das Bild zeigt eine detaillierte und präzise gefertigte elektronische oder mechanische Komponente.

Oben Michael Paisley, unten ein Heata-Gerät. 


„Wärme zu übertragen ist schwierig, Daten zu transportieren aber ganz einfach.“

Im vergangenen Jahr schloss das Unternehmen eine Finanzierungsrunde in Höhe von einer Million Pfund ab. Geld gab es unter anderem vom Green Angel Syndicate. Michael Pitts von der britischen Innovationsagentur Innovate UK sagte in einem Interview, Heatas Lösung sei elegant, da sie Strom zweifach nutze: für das Cloud Computing und für Warmwasser.

Einen Server aufzustellen kostet die Haushalte nichts. Sie sparen bis zu 450 Pfund im Jahr, die sie sonst für Strom oder Gas bezahlt hätten, um Wasser zu erhitzen. Heata übernimmt die Stromkosten des Servers, die sich auf etwa 340 Pfund pro Jahr belaufen. Geld bekommt Heata von seinen derzeit rund 20 Unternehmenskunden. Die Firma lässt sich sowohl für die IT-Dienstleistung als auch für die Serverkapazität bezahlen. Die Kunden beauftragen unter anderem 3D-Rende- rings für Bauprojekte, Finanz- und Risikoanalysen oder Datenverarbeitung für die Forschung. All diese Anwendungen sind rechenintensiv.

Rund 5.000 Pfund erwirtschafte ein Server pro Jahr, so Paisley. Weil die Rechenpower dank der Nutzung der Abwärme als umweltfreundlich gilt, kann die Firma einen Aufpreis verlangen.

Die Auslastung und damit die Umsätze schwanken bislang noch stark. Eine laufende zweite Finanzierungsrunde soll helfen, das Unternehmen mit seinen derzeit neun Beschäftigten abzusichern. Bis zu tausend neue Server sollen im nächsten Jahr dazukommen. Mit einer Universität erarbeitet Heata gerade einen Weg, mit Heata-Servern Warmwasser für das Studierendenwohnheim zu liefern.

Um den Schutz ihrer Daten in allen möglichen Privathaushalten müssen sich die Unternehmen laut Paisley nicht sorgen. „Unser System ist so konzipiert, dass es selbst dann sicher wäre, wenn jemand Zugriff auf die Server hätte.“ Diese sind über sichere Datentunnel (VPN) mit dem Netzwerk verbunden. Wird ihnen eine Aufgabe zugewiesen, erhalten sie ausschließlich die dafür notwendigen Daten, und das verschlüsselt. Beginnt ein Heata-Kunde einen Prozess, zum Beispiel für eine Lohnabrechnung, beansprucht dies nur vorübergehend Speicherplatz, während die Aufgabe bearbeitet wird. Danach werden die Daten gelöscht.

Bislang funktioniert das System nur mit den in Großbritannien üblichen belüfteten Warmwasserspeichern. Heata lässt sich jedoch gerade eine Version für unbelüftete Speicher patentieren. Damit könnte sich das Start-up auch andere Märkte erschließen, zum Beispiel den deutschen. --