Haus für morgen
„Was passiert mit all den geretteten Leben?“
In Deutschland erleiden pro Jahr rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Doch was ist mit jenen, die zu pflegebedürftig für zu Hause und zu jung für ein Altersheim sind?
In einer ungewöhnlichen Wohngemeinschaft in Hamburg sollen sie zurück ins Leben finden.
Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 12/2024.
• Tina Masuch stand auf ihrem Kiteboard, Sonne und Salzwasser im Gesicht, Wind im Rücken, alle Muskeln angespannt, als ihr linkes Bein und ihr linker Arm sich plötzlich schwach anfühlten. Sie sagte ein paar Sätze gegen den Wind zu sich selbst, hörte, wie komisch die Laute klangen, die aus ihrem Mund kamen, und steuerte sofort den Strand an. Dort angekommen, rief sie den Leuten zu, sie brauche einen Notarzt.
In ihrer Halsschlagader hatte sich ein Blutgerinnsel gebildet, ihr Gehirn erhielt nicht mehr genug Sauerstoff, sie wurde bewusstlos, fast riss es sie an diesem Tag in El Gouna, Ägypten, ganz aus dem Leben. Geblieben sind weiße Flecken in ihrem Gehirn.
„Ich hatte eine Verengung in der Arterie, das kann jeden treffen und hat halt mich getroffen“, sagt Tina Masuch. Vor zwei Jahren nutzte sie noch jeden freien Tag zum Kitesurfen, jetzt sitzt sie, 60 Jahre alt, in einer Leggins im Rollstuhl. Um ihren Hals baumelt eine E-Zigarette, mit ihrer rechten Hand räumt sie einen Kleiderhaufen auf einem Stuhl weg. Ein Zimmer, gerade groß genug für ein Pflegebett, einen Fernseher, einen kleinen Tisch und eine Kommode. Später will sie mit einer Freundin an die Ostsee fahren. Jeden Tag eine schöne Sache machen, sagt Masuch unbewegt. „Das Leben ist ja nicht zu Ende. Mein Kopf kann denken, ich habe immer noch eine Hand und ein Bein, und sprechen kann ich auch.“
Tina Masuch, 60, lebt seit bald einem Jahr im Haus für morgen. Ihr Ziel: schnell wieder gehen lernen und arbeiten
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Er ist Teil unserer Ausgabe Vorausdenken