Gründungsteams aus Junden und Arabern
Arbeit verbindet
Der Investor Fadi Swidan unterstützt israelische Jungunternehmen, deren Gründerteam aus Juden und Arabern besteht.
Ein Porträt von Steve Jobs im Inneren der Firma
• Der Krieg ist immer da. Im zerstörten Gazastreifen und im umkämpften Libanon sowieso, aber auch im Norden Israels, in Städten wie Haifa, Akko, Nahariya. Jede Sekunde kann es passieren, dass die Sirenen aufheulen und vor Raketen warnen; jede Sekunde kann der Krieg die Menschen hier zwingen, ihre Arbeit abzubrechen, das Auto anzuhalten, die Kinder aus dem Schlaf zu rütteln und in den nächsten Bunker zu eilen. „Es ist eine herausfordernde Zeit“, sagt Fadi Swidan mit mildem Understatement.
Vielleicht ist es aber auch gerade die richtige Zeit für seine Mission. Fadi Swidan will Israels arabische Bürgerinnen und Bürger in die Hightech-Industrie integrieren, die in Israel nicht nur großteils weiß und männlich ist, sondern auch überwiegend jüdisch. Er hofft, damit auf lange Sicht den sozialen Graben zwischen Juden und Arabern zu schließen. Und vielleicht ein paar Steine wegzuräumen auf dem Weg zu Frieden in der Region.
Der 50-jährige zweifache Vater wurde in Nazareth im Norden Israels geboren, heute lebt er in einem Vorort der Stadt. Bis Anfang der Neunzigerjahre studierte er Robotik am Technion in Haifa, Israels bester technischer Hochschule. Damals, sagt er, gab es Stellen in seinem Fach nur in Rüstungsfirmen – „und solche Jobs bekam man als Araber nicht“. Er ging in die USA, machte einen Wirtschafts-Abschluss, kam zurück, gründete Start-ups, scheiterte und machte sich schließlich als Berater für Tech-Firmen selbstständig – bis er 2015 auf die Idee für The Hybrid kam: eine Fördereinrichtung für junge Firmen mit jüdisch-arabischem Gründungsteam.
Israels arabische Minderheit macht rund 20 Prozent der Bevölkerung aus. Durchschnittsgehalt, Beschäftigungsrate, Armutsquote, Schulabbrecher – bei allen wichtigen sozioökonomischen Parametern schneiden Israels arabische Bürger deutlich schlechter ab als die jüdischen. Und im Hightech-Sektor, wo die Gehälter besonders hoch sind, sind sie drastisch unterrepräsentiert.
Jüdische Gründer profitieren in der Regel von Kontakten und Fähigkeiten, die sie während des Wehrdienstes erworben haben. Viele sind Veteranen der technischen Aufklärungseinheit 8.200, die als Kaderschmiede für Hightech-Gründer gilt. Israelis mit arabischen Wurzeln sind vom Wehrdienst ausgenommen, haben bis zum Studium oft kaum Kontakt mit der jüdischen Mehrheitsgesellschaft, sehen sich Vorurteilen und Misstrauen ausgesetzt. All das verschlechert ihre Startchancen.
Fadi Swidan will das ändern. Mit The Hybrid, gefördert vom israelischen Wirtschaftsministerium, betätigte er sich fünf Jahre lang als Geburtshelfer für etwa 70 jüdisch-arabische Start-ups. „Diese Firmen haben rund 600 neue Arbeitsplätze in der arabischen Gesellschaft geschaffen“, sagt er. „Und zwar gut bezahlte Jobs.“ Ende 2020 hätte er sich um eine Fortführung der Förderung bewerben müssen. Doch er erhielt ein verlockendes Angebot:
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