Iuvando: Mehr als ein Strohhalm
Ein Rechercheportal ermöglicht Krebspatienten den Zugang zu neuen Arzneimitteln.
• Allein in Deutschland werden in der Krebsforschung jährlich mehr als 800 klinische Studien durchgeführt. Pharmaunternehmen lassen dabei neue Arzneien auf Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit testen. Möglicherweise befinden sich darunter Medikamente, die krebskranken Patienten sofort helfen könnten. Doch die erfahren in der Regel nichts von diesen Studien, es sei denn, sie sind zufällig an einer der beteiligten Universitätskliniken in Behandlung.
Das wollte der Mediziner Mridul Agrawal ändern. Er bringt mit der Plattform Iuvando alle Beteiligten zusammen: Arzneimittelunternehmen, die oft händeringend nach Patienten für ihre Studien suchen. Uni-Kliniken, die diese durchführen. Krankenkassen, die an guter und kostengünstiger Versorgung interessiert sind. Und die Patienten selbst.
Wichtig ist dabei das Matching: „Ein Patient kann nicht einfach sagen, ,ich will in diese Studie‘“, sagt Agrawal. „Wir prüfen seinen Behandlungsplan anhand einer Checkliste mit 50 Punkten.“ Künstliche Intelligenz hilft dabei. „Aber am Ende ist es immer ein Gespräch zwischen Mensch und Mensch. Das Letzte, was ein Krebspatient braucht, ist, dass er oder sie mit einem Chat-Bot sprechen muss.“
Agrawal hat als Arzt in der Onkologie der Uni-Klinik in Ulm gearbeitet, bevor er nach Boston an das Dana-Farber Cancer Institute der Harvard Medical School ging und später an das Broad Institute of MIT and Harvard. „Als Arzt ist man manchmal hilflos“, sagt er. „Was kann man Patienten, bei denen Standardtherapien nicht helfen, noch anbieten?“ Die Idee einer Plattform für klinische Studien entstand gemeinsam mit seinem Freund Benjamin Hanfstein, der in Heidelberg Agrawals Promotion betreute hatte. Vor fünf Jahren gründeten sie Iuvando mit 25.000 Euro Eigenkapital.
„Früher waren klinische Studien für Krebspatienten oft der letzte Strohhalm“, sagt Agrawal. „Aber mittlerweile spielen sie in der Behandlung eine gewaltige Rolle.“ Oft zeigt sich bereits in Phase 2 und 3 eine gewisse Wirksamkeit – trotzdem fallen viele der getesteten Medikamente noch durch.
Für die Patienten ist der Service kostenlos. Arzneimittelhersteller und Krankenkassen zahlen eine Gebühr. Die fachliche Beratung wird immer vom behandelnden Arzt durchgeführt. Agrawals Ziel ist es, die klinische Forschung zu beschleunigen und die Kompetenz von Erkrankten zu stärken. „Gut informierte Patienten leben länger. Wir möchten sie unterstützen, eine fundierte Entscheidung zu treffen.“
Iuvando hat heute 20 Mitarbeiter und berät Patienten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die USA sollen folgen. --
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Iuvando Health GmbH
Dr. Mridul Agrawal, Dr. Benjamin Hanfstein
Julius-Hatry-Straße 1
68163 Mannheim
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