„Es ist unrealistisch zu glauben, man bekomme Versorgungssicherheit ohne Menschenrechte und ökologischen Fortschritt“
Ein Gespräch mit der Politologin Melanie Müller über den weltweiten Kampf um Rohstoffe – und die Chancen, die sich daraus sowohl für Europa als auch für ressourcenreiche Länder ergeben.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 05/2024.
brand eins: Frau Müller, wie kamen Sie als Politologin zum Thema Rohstoffe?
Melanie Müller: Die Verbindung von Ökologie und globaler Gerechtigkeit hat mich schon immer interessiert. Und als ich meine Doktorarbeit über die südafrikanische Umweltbewegung schrieb, führte mich das fast automatisch zum dortigen Kohlebergbau. Seither habe ich viel Zeit in südafrikanischen Gemeinden verbracht, die negativ vom Bergbau betroffen sind, ich habe auch den Abbau von Gold und anderen Rohstoffen in Ghana, Zimbabwe, Chile oder Peru kennengelernt.
Bei den Forschungsprojekten, die ich an unserem Institut leite, schauen wir aber nicht nur auf den Abbau, sondern immer auf die gesamte Lieferkette. Deshalb spreche ich auch mit Vertretern von Unternehmen weltweit oder schaue mir zum Beispiel in der Schweiz die Weiterverarbeitung von Gold an.
Deutschland und Europa sind abhängig von Rohstoffen aus anderen Weltgegenden. Ist das ein Problem?
Abhängigkeit ist nicht per se schlecht, die Weltwirtschaft lebt von Handelsbeziehungen. Im Rohstoffsektor hat die EU jetzt allerdings definiert, dass nicht mehr als 65 Prozent eines Rohstoffs aus einem einzigen Land kommen sollten – tatsächlich sind wir in der Realität bei manchen wichtigen Metallen bei 80, 90, 95 Prozent.
Das Problem ist nicht so sehr die Abhängigkeit von einzelnen rohstoffreichen Ländern, sondern die starke und weiter wachsende Stellung Chinas. Der Ausfall von Lieferungen von dort – ob wegen einer neuen Pandemie oder aus politischen Gründen – hätte möglicherweise ähnlich gravierende Folgen für die deutsche und europäische Wirtschaft wie der Stopp der Gaslieferungen aus Russland.
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Er ist Teil unserer Ausgabe Rohstoffe