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Blick in die Bilanz

Weniger Leute, mehr Rendite

SAP macht sehr hohe Gewinne – und kündigt an, bis zu 10.000 Beschäftigte loswerden zu wollen. Welches Kalkül dahintersteht, zeigt der Blick in die Bilanz.



• Die Umsätze von SAP haben sich seit dem Jahr 2014 fast verdoppelt. Das klassische Geschäft besteht darin, Firmenkunden Software zu verkaufen, die diese vor Ort auf ihren Servern installieren und dafür eine Lizenzgebühr bezahlen. Dieses Business verläuft seit Jahren mehr oder weniger konstant. Für das Wachstum sorgten vor allem cloudbasierte Leistungen: Die Kunden nutzen die Software über das Internet und haben mit dem technischen Betrieb nichts mehr zu tun, den nun SAP organisiert. Das bringt zwar Umsatz, ist aber weniger profitabel, weshalb es für den Softwareentwickler schwieriger ist, die lange gewohnten, sehr hohen Gewinne zu erzielen.

Diese hängen von den Kosten ab, die als operative Aufwendungen in der Gewinn- und Verlustrechnung abzulesen sind. Aus dem Kerngeschäft ergibt sich zunächst das Betriebsergebnis. Indem man dieses ins Verhältnis zum Umsatz setzt, erhält man die operative Rendite. Sie lag in den vergangenen fünf Jahren nur einmal über 20 Prozent – in den ersten fünf Jahren des Betrachtungszeitraumes dagegen viermal. Die meisten Firmen wären überglücklich mit der aktuellen Lage, SAP ist es nicht.

Der entscheidende Kostenfaktor in einem wissensbasierten Unternehmen ist der Personalaufwand. Den findet man, wenn nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung, dann spätestens im Anhang der Konzernabschlüsse. Im Verhältnis zum Umsatz ergibt sich die Personalaufwandsquote. Sie lag bei SAP bis zum Jahr 2018 immer unterhalb von 50 Prozent.

Im Jahr 2019 gab der Konzern mehr als eine Milliarde Euro für eine Restrukturierung aus, die auf die Trennung von etwa 4.000 Beschäftigten hinauslief. Die Kosten des Programms – vor allem Abfindungen – belasteten das Betriebsergebnis, die Personalaufwandsquote stieg erstmals über 50 Prozent, aber im Folgejahr erwirtschaftete SAP ein Betriebsergebnis in Rekordhöhe.

Dieser Effekt war nicht von Dauer. In den Jahren 2021 bis 2023 stieg die Personalaufwandsquote auf deutlich mehr als 50 Prozent, die operative Rendite schrumpfte entsprechend auf Beträge, die SAP als nicht ausreichend ansah. Am 23. Januar 2024 kündigte das Unternehmen den größten Personalabbau seiner jüngeren Geschichte an. Man wollte sich von etwa 8.000 Beschäftigten trennen und rechnete dafür mit Kosten in Höhe von rund zwei Milliarden Euro.

Für das erste Halbjahr 2024 berichtete SAP im Juli dann von Restrukturierungskosten in Höhe von 2,8 Milliarden Euro und den bis zu 10.000 zu streichenden Stellen – vor allem bei Forschung und Entwicklung. Man wolle „den Fokus noch stärker auf strategische Wachstumsbereiche, insbesondere auf KI für Unternehmen“ legen, heißt es dazu im Halbjahresbericht.

Der Kurs der Aktie stieg im Januar von knapp 150 Euro auf gut 160 Euro, die Quartalszahlen und der weitere Stellenabbau im Juli ließen den Kurs auf knapp 200 Euro ansteigen. Aktuell liegt die Aktie bei etwa 190 Euro. ---

Umsatz, Personalaufwand, Betriebsergebnis sowie Personalquote und operative Rendite (aus der Gewinn- und Verlustrechnung)

Eine Tabelle zeigt die Umsatz-, Personalaufwands- und Betriebsergebnisse von 2014 bis 2023. Die Spalten sind nach Jahren und Verantwortlichen (McDermott, C. Klein) gegliedert. Die Zeilen enthalten detaillierte Informationen zu Cloud, Softwarelizenzen und Support, Services, Gesamtumsatzerlöse, operative Aufwendungen, Aufwendungen für Leistungen an Arbeitnehmer, Personalaufwandsquote, Mitarbeiteranzahl, sowie Kennzahlen zu Cloud und Software. Die Zahlenwerte variieren jährlich und geben einen Überblick über die finanzielle Entwicklung des Unternehmens.

Restrukturierungskosten nach Funktionsbereichen

Grafik: Balkendiagramm zeigt Restrukturierungskosten nach Funktionsbereichen in Millionen Euro von 2017 bis Q1-Q2 2024. Die Bereiche sind Cloudkosten, Softwarelizenz- und Supportkosten, Servicekosten, Forschungs- und Entwicklungskosten, Vertriebs- und Marketingkosten und Allgemeine Verwaltungskosten. Die Gesamtkosten der Restrukturierung sind ebenfalls dargestellt. Die Daten zeigen sowohl positive als auch negative Werte, was auf Einsparungen und Ausgaben in verschiedenen Bereichen hindeutet. Eine zweite, kleinere Grafik zeigt die gleichen Daten, jedoch mit zusätzlichen Spalten für detailliertere Informationen.

Die neueste Ankündigung zum Personalabbau

Grafik: Darstellung von Restrukturierungskosten bei SAP im ersten Quartal 2024 im Vergleich zum ersten Quartal 2023. Die Grafik zeigt eine Tabelle mit drei Kostenpunkten: Personalbezogene Restrukturierungskosten (2.873 Mio. Euro in 2024, 250 Mio. Euro in 2023), Kosten für belastende Verträge und außerplanmäßige Abschreibungen aufgrund von Restrukturierungsmaßnahmen (-1 Mio. Euro in 2024, 8 Mio. Euro in 2023) und Restrukturierungskosten insgesamt (2.873 Mio. Euro in 2024, 257 Mio. Euro in 2023). Unter der Tabelle befindet sich ein kurzer Text, der die Restrukturierungskosten erläutert und die Auswirkungen auf das Unternehmen beschreibt.

SAP
wurde 1972 gegründet, hat den Hauptsitz im baden-württembergischen Walldorf und gehört mit mehr als 100.000 Beschäftigten zu den größten Software- firmen der Welt. Unternehmen setzen SAP-Programme zur Steuerung ihrer Abläufe ein. Gemessen an der Marktkapitalisierung, ist SAP das wertvollste deutsche Unternehmen.

Nikolaj Schmolcke
hat in seiner beruflichen Laufbahn mehr als hundert Jahresabschlüsse für verschiedene Unternehmen erstellt und trainiert heute unter anderem Manager, Aufsichtsräte und Berater darin, Bilanzen zu verstehen. Sein Buch „Offene Geheimnisse – Über die Leichtigkeit, Bilanzen zu lesen“ ist bei Econ erschienen.