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Eine Frau steht in einem Parkhaus und streckt den Arm nach oben, um die Decke zu berühren. Sie trägt ein weißes T-Shirt und Jeans und wirkt neugierig und interessiert.

Vectoflow

Katharina Kreitz hat Mess-Sonden für Extrembedingungen entwickelt. Bald produziert sie auch in den USA – darf ihre Firma dort aber nicht betreten.


• Katharina Kreitz ist 36 Jahre alt. Sie hat einen Mann, ein Baby und einen Windkanal. Der Mann ist Händler für Cannabis-Produkte, das Baby ist ein Jahr alt, den Windkanal braucht sie, um ihre Strömungssensoren zu kalibrieren. Die Experten des Deutschen Gründerpreises sagten, es seien „technologisch exzellente, zum Patent angemeldete Produkte, die denen der Konkurrenz deutlich überlegen sind“.

Niemand hätte gedacht, dass Katharina Kreitz das alles schafft. Vor fünf Jahren lag sie in einem Krankenhaus, mit zerschmettertem Knie, zerschmettertem Gesicht und einem Ast, der sich durch ihr linkes Auge ins Gehirn gebohrt hatte. Skiunfall, Koma, Überlebenschance nahe null.

Ihre Geschichte ist eine von Schmerz, Willenskraft und einer unternehmerischen Idee, die sie sich vom Schicksal nicht kaputtmachen lassen wollte.

Die Geschichte beginnt vor etwa 30 Jahren in München. Kreitz’ Vater hat einen speziellen Job. Er baut Brückenübergangskonstruktionen für Bahngleise. Wenn irgendwo in Europa Züge über Brücken fahren, queren sie am Anfang und Ende des Bauwerkes mit großer Wahrscheinlichkeit eines dieser Verbindungsstücke. Die Tochter findet Ingenieursachen damals schon cool. Logisches Denken und Formeln gefallen ihr. In Mathe hat sie eine Eins, in Französisch eine Fünf. Ihre Mutter schickt sie zum Ballettunterricht, sie will aus ihrer Tochter eine Prinzessin machen. Aber die will Astronautin werden.

Sie studiert Maschinenbau an der Technischen Universität München (TUM), Schwerpunkt Luft- und Raumfahrt. Leider langweilt sie sich schnell, und wenn sie es sich genau überlegt, liebt sie Windkanäle mehr als Vorlesungen. Sie macht ihre Diplomarbeit im Windkanal von BMW. Dort werden Verwirbelungen an der Karosserie gemessen, die die Windschlüpfrigkeit neuer Modelle verringern und den Kraftstoffverbrauch vergrößern können. Thema ihrer Diplomarbeit: Validierung von 1:1-Messungen in den beiden BMW-Windkanälen AWK und Aerolab mit unterschiedlichen Bodensimulationen.

Als sie 2012 bei BMW im Windkanal steht, fällt ihr auf, wie anfällig die Sonden sind, die den künstlichen Sturm messen. Ständig Bruch und Schrott. Und richtig massive Sonden verändern durch ihre schiere Größe den Luftstrom, solche Messdaten nützen nicht viel.

Ein klassischer Fall für ein Start-up. Es dauerte ein wenig, bis Kreitz die Lösung hatte, um robuste Sensoren herzustellen: additiver 3-D-Druck. Hätte eigentlich schon jemand drauf kommen können, es ist nämlich gar nicht so schwierig: Man legt eine dünne Schicht Metallpulver in den 3-D-Drucker, schmilzt das Zeug mit einem Laser auf tausendstel Millimeter genau zusammen, packt eine neue Schicht Pulver drauf, schmilzt, schichtet, schmilzt, schichtet.

Additiver 3-D-Druck dauert zwar ein wenig länger als herkömmliche Verfahren, hat aber zwei Vorteile. Der erste: Man kann jedes Metallpulver verwenden. Notfalls auch Wolfram, das erst bei 3.422 Grad Celsius schmilzt. So sind die neuen Sonden extrem hitzebeständig und arbeiten selbst im Abgasstrahl von Raketen zuverlässig. Der zweite: Man kann die Röhrchen innerhalb der Sonde beliebig formen. Normalerweise sind sie gerade, mit einem Bohrer gebohrt. Im 3-D-Druck geht es auch kurvig.

Strömungssonden haben die Aufgabe, eine ganze Menge von Parametern in Pulvern, Luft, Wasser, Öl und anderen Flüssigkeiten zu messen. Wie groß sind Druck, Geschwindigkeit, Temperatur? Mithilfe von Sonden werden Triebwerke, Gasturbinen, Röhrensysteme, Kühler, Motoren, Windräder, Flugzeuge und Autos strömungsgünstig gestaltet, aber auch Dunstabzugshauben und Milchpulveranlagen. Sensoren erhöhen Effizienz und Sicherheit. Wann müssen Pumpen abgestellt werden, weil der Druck zu hoch wird? Wann muss der Nachbrenner gestoppt werden, weil das Ding zu heiß wird? Wann muss der Schieber geschlossen werden, weil das Milchpulver sonst alles verstopft?

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