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HyCoffee

Der Klimawandel erschwert auch den Anbau von Kaffee. Deshalb setzt ein Berliner Start-up auf widerstandsfähige Arten.



Drei junge Menschen stehen zusammen vor einem hellen Hintergrund. Ein Mann sitzt auf einem Hocker, eine Frau steht links und eine rechts von ihm. Alle drei wirken entspannt und schauen freundlich in die Kamera. Der Mann trägt ein beiges Jackett, die Frauen Hemden mit farbigen Mustern. Im Hintergrund steht eine alte Espressomaschine und ein Teppich mit Schrift.

• Wer gern Kaffee trinkt, sollte sich Sorgen machen. Denn der wichtigste Wachmacher der Welt ist in Gefahr. Bereits 2014 prognostizierten Wissenschaftler der Humboldt-Universität und des International Center for Tropical Agriculture, dass bis 2050 etwa die Hälfte der globalen Anbauflächen für Kaffee nicht mehr geeignet sein wird. Und da weltweit rund 100 Millionen Menschen ihren Lebensunterhalt mit dem Anbau der Pflanze verdienen, sind auch zahlreiche Existenzen bedroht.

Die zwei mit Abstand beliebtesten Kaffeesorten, Arabica und Robusta, leiden auf unterschiedliche Weise. Die bedeutendste Pflanzenart Arabica entstammt dem äthiopischen Hochland und braucht kühles Klima. Die ertragreichere Art Robusta verträgt höhere Temperaturen, benötigt jedoch viel Niederschlag. Die Erderwärmung macht beiden zu schaffen.

Bei der Firma HyCoffee ist man überzeugt, eine Lösung zu haben. „Wir wissen von ungefähr 130 Kaffeearten, die bisher kaum genutzt werden“, sagt die 32-jährige Sophie von Loeben, die das mittlerweile dreiköpfige Unternehmen 2021 mit ihrem Lebenspartner Timothy Charlton im bayerischen Gräfelfing gegründet hat. „Wissenschaftler gehen davon aus, dass einige Arten auf Temperaturanstiege, Dürren und Schädlinge deutlich weniger empfindlich reagieren.“ Die Geschäftsidee: HyCoffee will Kaffeebauern dazu ermutigen, diese wilden Arten verstärkt anzubauen und die Erträge an das Start-up zu verkaufen.

„Damit wollen wir Kaffeebauern bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützen“, erklärt von Loeben, die derzeit am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung als wissenschaftliche Mitarbeiterin angestellt ist und dort zu Kaffeewertschöpfungsketten promoviert. Bisher weichen Bauern auf höher gelegene Anbauflächen aus oder roden Wald. Doch der Platz wird knapp, und die EU-Verordnung über entwaldungsfreie Lieferketten verbietet seit 2023 auch Kaffee von gerodeten Flächen. Die Branche müsse umdenken, so von Loeben.

Im südostasiatischen Osttimor, wo Kaffee das wichtigste Exportprodukt ist, hat HyCoffee begonnen, den resilienten und wild wachsenden Hibrido de Timor – eine wild entstandene Arabica-Robusta-Kreuzung – bei Kleinbauern einzukaufen. „Hibrido ist deutlich resistenter als herkömmlicher Arabica-Kaffee“, erläutert Timothy Charlton. Der 31-Jährige, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Cambridge, ist vom beerigen Geschmack der Sorte überzeugt: „Vor allem aus der Stempelkanne kommen die Noten sehr gut durch.“

Die Idee zur Gründung hatte das Paar kurz vor der Pandemie. Von Loeben arbeitete für die Food and Agriculture Organization (FAO) in Rom, Charlton studierte Sozialwissenschaften in Oxford. Als begeisterter Kaffeetrinker hörte Charlton einen Vortrag über Wildarten und deren oft höhere Klimaresilienz. Zur ähnlichen Zeit stieß von Loeben auf einer Forschungsreise nach Osttimor auf so eine Sorte.


„Damit wollen wir Kaffeebauern bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützen.“

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