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Ein Feld mit frisch gesäten Reihen von Pflanzen erstreckt sich bis zum Horizont. Der Himmel ist leicht bewölkt, was eine ruhige und friedliche Atmosphäre schafft. Am rechten Bildrand sind Bäume zu sehen.

Aufforstung in Schottland

Wie fast überall auf der Welt wurde in Schottland viel Wald abgeholzt. Jetzt soll kräftig aufgeforstet werden – mit Vertical Farming, Drohnen und Sensoren. Ein Besuch vor Ort.


• Kenny Hay hat schon Bäume gepflanzt, als das noch nicht cool war. Wie viele es seit seinem Berufsstart 1986 waren, kann er nicht mal schätzen. „Millions“, ruft er, setzt seine waldgrüne Cap auf und startet das schwarze Elektromobil mit Vierradantrieb. Hay, ein kräftiger Typ Ende 50, der gern laut lacht, ist bei der schottischen Forstverwaltung Forestry and Land Scotland (FLS) verantwortlich für die Beschaffung von Saatgut. Er kümmert sich auch darum, dass Setzlinge aus der Baumschule in den staatlichen Wald kommen. Wenn man wissen will, wie der Wald der Zukunft in Schottland aussehen wird, ist man bei ihm richtig.

Es hat viel geregnet auf die Felder der Newton Nursery, einer Baumschule bei Elgin, eine Autostunde nordöstlich von Loch Ness. Hay steuert das Allrad-Mobil über das Gelände. Nach wenigen Minuten stoppt er den Wagen, steigt aus, zeigt auf ein Feld voller Scots Pine – Waldkiefern. Im Juni 2023 wurden die ausgepflanzt und wirken noch so zierlich, als würden sie beim nächsten Windstoß umknicken. „Die sind fit“, sagt Kenny Hay.

Die FLS pflanzt jedes Jahr etwa 24 Millionen Bäume, ein Drittel kommt aus der Newton Baumschule. Bald soll es mehr als die Hälfte sein. Und Bäume, die braucht man im Norden der britischen Inseln dringend. Denn bis 2032 sollen für den Klimaschutz 21 Prozent der Landfläche Schottlands bewaldet sein. Aktuell sind es 18,5 Prozent.

Schottland war lange von einem kühl-gemäßigten Regenwald bedeckt. Doch dann begannen die Menschen mit dem Kahlschlag – für Weideflächen, den Bergbau und die Befeuerung der industriellen Revolution. Vor tausend Jahren waren etwa 20 Prozent der schottischen Landfläche bewaldet. Anfang des 19. Jahrhunderts nicht mal mehr fünf Prozent.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Aufforstung. Heute ist sie besonders wichtig, denn Schottland will bis 2045 klimaneutral werden – fünf Jahre früher, als in der EU vorgesehen. Und dafür braucht es Bäume. Die entziehen der Atmosphäre CO2. Über die Fotosynthese speichern Bäume Kohlenstoff im Holz und geben Sauerstoff ab. Doch Aufforsten verursacht auch Emissionen – schließlich müssen Samen gesammelt, Setzlinge gezogen und die kleinen Bäume ausgepflanzt werden. Im schlechtesten Fall wird dabei mehr CO2 freigesetzt, als die Bäume speichern können.

Das Pflanzen von Bäumen in Schottland war lange Zeit Handwerk. Gute Samen sammeln, mit viel gärtnerischer Erfahrung Setzlinge heranziehen, diese in die Erde bringen – und abwarten. Jetzt kommt Hightech in den Forst, der Wald wird smart. Künstliche Intelligenz, Drohnen, Sensoren und andere neue Techniken sollen das Aufforsten effizienter machen.

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