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CO2 Speicherung in Norwegen

Ölfirmen beginnen, CO2 in Norwegen im großen Stil in den Meeresboden zu pumpen. Sorgt ausgerechnet Big Oil für den Klimaschutz der Zukunft? Eine Geschichte in drei Varianten. Bitte suchen Sie sich die aus, die je nach Typ und Tagesform passt.



Die Basis-Informationen:

— Einige Industrien, darunter Zementhersteller und Müllverbrennungsanlagen, können CO2 kaum vermeiden.

— Viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind dafür, das Treibhausgas im Boden zu speichern. Bei Auswahl geeigneter Lagerstätten und gründlicher Überwachung seien die Risiken überschaubar.

— Das norwegische Unternehmen Northern Lights, ein Joint Venture der Ölkonzerne Equinor, Shell und Totalenergies, hat in Øygarden nahe Bergen eine Anlage für die CO2-Deponierung nahezu fertiggestellt und will von 2025 an das Treibhausgas in den Meeresboden pressen. Dabei wird es vom norwegischen Staat stark subventioniert.

— Der Prozess, CO2 aus Industrieabgasen einzufangen und zu speichern, heißt Carbon Capture and Storage (CCS).

Jetzt können Sie wählen:

1. Wenn Sie ein Gespür für die CO2-Speicherung bekommen wollen, lesen Sie die Reportage aus Norwegen.

2. Sie misstrauen Big Oil? Das verstehen wir. Atmen Sie trotzdem durch und lesen Sie die Analyse, wer welche Interessen verfolgt.

3. Sie wollen genau wissen, ob die CO2-Entsorgung funktionieren kann? Hier wird in die Tiefe gebohrt.

1. Die Reportage

Am Steg ist fast alles bereit, ein paar letzte Handgriffe auf der Baustelle, dann kann das Problem kommen. Schiffe sollen hier klimaschädliches Kohlendioxid abladen, in dieser Kulisse aus kargen Felsen und silbern glänzenden Industriebauten. Grauer Himmel und graues Meer verschwimmen ineinander, der Wind peitscht den Regen gegen die neongelbe Schutzkleidung und den Helm – auch für Besucher gelten strenge Sicherheitsvorkehrungen, obwohl die Anlage noch gar nicht in Betrieb ist.

Der CCS-Terminal der Firma Northern Lights liegt eine Autostunde von der norwegischen Stadt Bergen entfernt in Øygarden, einer Gruppe von Inseln, die über Brücken miteinander verbunden sind. Auf schroffen Felsen haben ein paar unverwüstliche Nadelbäume Halt gefunden, die bei dem Wetter fast schwarz erscheinen. Einige Felsen wurden bereits gesprengt, die frei gewordenen Flächen planiert und asphaltiert. Rund um die Anlage soll ein ganzer Industriepark entstehen.

Trotz des düsteren Ambientes spielt hier kein skandinavischer Krimi, sondern eine Science-Fiction-Geschichte, die wahr geworden ist. Von den Schiffen, die bald am Steg anlegen sollen, wird das CO2 in Rohre geleitet. Folgt man diesen am Ufer entlang, erreicht man zwölf silberne Tanks, die 36 Meter in die Höhe ragen. Darin wird das Treibhausgas zwischengespeichert. Zwei Gestalten, ebenfalls eingepackt in Neongelb, führen von hier zu dem Schlund, in dem das Problem für immer verschwinden soll: In den Felsen wurde ein Loch gesprengt und mit Beton ausgekleidet. Eine schwarze Leitung führt hinab in das Meerwasser, das von unten in den Schacht eindringt.

Das ist die letzte Stelle, an der man die Pipeline sieht. Unter Wasser nimmt sie ihren Weg auf in die Nordsee, immer am Meeresboden entlang. Gut 100 Kilometer von der Küste entfernt erreicht sie ihr Ziel. Würde man mit einem Schiff zu der Stelle fahren, man sähe: nichts. Denn dort spielt sich alles unter Wasser ab. Am Meeresboden ist ein Verbindungsstück installiert, das normalerweise genutzt wird, um Öl oder Gas aus dem Boden an die Oberfläche zu holen. Nun soll es in der umgekehrten Richtung laufen und das CO2 rund 2.600 Meter tief zwischen Gesteinsschichten pumpen. Dort soll es bleiben, bis in alle Ewigkeit.

Ein erstaunliches Vorhaben. Im Meeresboden fand der Mensch einst Öl und Gas, die Stoffe, die ihm Glück und Unglück brachten. Nun will er den Abfall der fossilen Energieversorgung loswerden, damit der nicht weiter die Erde erhitzt. Ausgerechnet im Meeresboden, wo die Geschichte begann.

Die beiden Gestalten, die sich im Bürogebäude neben der CCS-Anlage inzwischen aus dem Neongelb herausgeschält haben, sind Aksel Plener, nun im grauen T-Shirt und Jeans, und Benedicte Staalesen, im cremeweißen Hosenanzug. Er ist Ingenieur, der Betriebsleiter der Anlage und angestellt bei Shell, sie ist Pressesprecherin bei Northern Lights. Finanziert wird das Projekt zum großen Teil von der norwegischen Regierung.

„Was wir anbieten, ist eine industrielle Lösung für ein industrielles Problem“, sagt Plener. Wo andere sich fragen mögen, ob der Mensch sich hier mal wieder überschätzt, sieht er einfach Technik. Ihn beschäftigen der richtige Druck und die richtige Temperatur, in den Rohren und in den Tanks, im Sommer wie im Winter.

Plener und Staalesen kennen die Skepsis der Deutschen gegenüber neuer Technik und den langen politischen Streit über die CO2-Speicherung. Ob die Stimmung sich denn inzwischen geändert habe, wollen sie wissen. Und betonen etliche Male, wie sicher die Technik sei.

Zur Überzeugungsarbeit gehören Requisiten: Aksel Plener reicht einen beigefarbenen Stein über den Konferenztisch, der wie ein Korken geformt ist. Die Betreiber haben die Probe aus der künftigen Lagerstätte nach oben geholt, sie fühlt sich sandig und porös an. Tief in der Erde soll das flüssige CO2 in dieses Gestein einsickern. Eine weitere Probe sieht aus wie ein schwarzer Halbmond und fühlt sich deutlich härter an. Dieses Material bildet im Meeresboden einen natürlichen Deckel für das poröse Gestein. Wegen dieser Eigenschaften wurde die Stelle, ein sogenannter saliner Aquifer, als Lagerstätte ausgewählt.

Das CO2 im Meeresboden zu verstauen ist für Plener schlichtweg folgerichtig. „Wir Ölfirmen haben Jahrzehnte Erfahrung mit dem Gestein und der Technik. Davon profitieren wir auch jetzt.“

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