Fischereibetrieb Martin Saager
Ausgefischt
An der Ostsee probt ein Berufsstand die Transformation: Aus Fischern werden Meeresförster.
Räucherschränke im Imbiss von Martin Saager

Taucher auf dem Weg, den Meeresboden zu begrünen
• Als die „Seeadler“ an diesem frühen Morgen den Hafen von Wismar verlässt, reißt unvermittelt die graue Wolkendecke auf. Die Sonne strahlt wie die Beleuchtung einer Bühne auf die tiefblaue Ostsee und den Kutter von Martin Saager. Der 46-Jährige ist einer von etwa 150 verbliebenen Fischern an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns.
Einst waren es mehr als zehnmal so viele.
Saager leitet einen Familienbetrieb in zweiter Generation. Er trägt Kappe und Fischerhemd. Und vereint noch weitere Klischees seines Berufsstandes: schweigsam, etwas mürrisch und das schöne Wörtchen „dat“ in fast jedem Satz.
„So sieht dat aus, wenn ein Fischer keine Fische mehr fängt“, sagt der große Mann mit einem schmalen Lächeln und deutet auf zwei große Kisten im Bauch des Kutters. Die sind gefüllt mit Wasser und eng zusammengerollten filzigen Matten, gespickt mit Seegras-Setzlingen.
Drei Taucher und ein Beamter vom Landesumweltamt befinden sich ebenfalls an Bord. Statt zu fischen, soll heute der Ostseeboden bepflanzt werden. Künftig wird Saager vielleicht während seiner Fahrten mit Sensoren die Wassertemperatur, den Salzgehalt und die Strömungsverhältnisse messen und diese Daten an die Server der Wissenschaft senden. Oder das Wasser nach giftigen Goldalgen absuchen.
So könnte es für Fischer wie ihn doch noch eine Zukunft geben. Vom Fang allein kann er jedenfalls nicht mehr leben. Darum hat er sich mit einigen Kollegen um eine Alternative bemüht und zusammen mit Vertretern aus Politik und Wissenschaft einen neuen Beruf erfunden: Fachwirt Fischerei und Meeresumwelt lautet der offizielle Name (siehe Kasten unten). Die Fischer nennen sich lieber Sea Ranger oder Meeresförster.
Wie ihr Arbeitsalltag aussehen wird, muss sich erst noch zeigen. Bislang gibt es viele Ideen und ein paar konkrete Ansätze. Martin Saager ist einer der ersten elf in Deutschland, die die Ausbildung abgeschlossen haben. Im Juli hat er seine Prüfung abgelegt. Deswegen fährt er nun häufiger mit vollem Boot auf See und kommt mit einem leeren zurück.
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Er ist Teil unserer Ausgabe Mentale Gesundheit