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Das Bild zeigt eine Stadtansicht mit vielen roten Ziegeldächern im Vordergrund. Im Hintergrund erheben sich moderne Hochhäuser. Der Himmel ist leicht bewölkt, was eine ruhige Atmosphäre erzeugt. Es vermittelt den Eindruck einer belebten, aber friedlichen städtischen Umgebung.

Textilwirtschaft

Erst machte die Textilbranche Roubaix zur reichsten Stadt Frankreichs, dann zur ärmsten. Jetzt beleben einige Betriebe das Handwerk dort wieder.


Ein hoher Haufen verschiedenfarbiger Wollknäuel liegt übereinander. Die Farben reichen von Beige, Grau, Schwarz, Gelb, Orange und Blau. Die Knäuel haben unterschiedliche Größen und Texturen. Es wirkt wie eine große Auswahl an Materialien für Handarbeiten.

• Es rattert wieder bei Tissel, einer großen Backsteinfabrik in Roubaix. Nähmaschinen stehen in einer Reihe, bei einer flutscht eine Socke durch ein durchsichtiges Rohr. Es ist heiß und laut wie früher – und doch alles anders. „Wir produzieren nur, was unsere Auftraggeber bestellen“, erklärt Sacha Motta, 30, Mitgründerin von Les Trois Tricoteurs. Das sei wirtschaftlicher und besser für die Umwelt. „Die drei Stricker“, so der Firmenname auf Deutsch, fertigen mit 15 Beschäftigten auf 800 Quadratmetern Socken, Mützen, Pullis, Schals. Alles made in Roubaix, Nordfrankreich. Dass es in der lange verlassenen Fabrik wieder brummt, ist kein Zufall, aber dennoch bemerkenswert.

Vor etwas mehr als hundert Jahren arbeiteten 80 Prozent der Stadtbevölkerung in den Textilfabriken. Damals galt Roubaix als die reichste Stadt Frankreichs. Einer der weltweit wichtigsten Standorte der Textilindustrie, das französische Manchester. In der „Stadt der tausend Schornsteine“ war alles möglich. Ein Rathaus, noch pompöser ausgestattet als das von Paris? Bauen wir. Eine internationale Ausstellung in Nordfrankreich, um die industrielle Vormacht der Stadt zu demonstrieren? Kam 1911 nach Roubaix. Ein Besuch der Queen? Auch die gab 1957 den Webereien die Ehre. Doch dann kam die Deindustrialisierung, in den Sechziger- und Siebzigerjahren zogen die Textilunternehmen erst nach Osteuropa, dann weiter nach Asien.

Heute ist Roubaix die ärmste Stadt des französischen Festlandes. Die Schornsteine rauchen nicht mehr, stattdessen sieht man Fabrikruinen und Bäume, die aus kaputten Häusern wachsen. Wenn man mit den Leuten spricht, erzählen sie von der guten alten Zeit. Damals, als die Straßen der roten Backstein-Arbeitersiedlungen noch voller Menschen waren. Heute schreit einen die Armut förmlich an, knapp 28 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung (zwischen 15 und 64 Jahren) sind arbeitslos. Doch zwischen leeren Läden und aufgebrochenen Bürgersteigen keimt wieder Hoffnung.

Denn sein Savoir-faire, sein Know-how, ist Roubaix nicht abhandengekommen. Und einige ansässige Textilfirmen zeigen, dass man sich auch im 21. Jahrhundert behaupten kann: durch Spezialisierung – auf umweltfreundliche Mode, technische Gewebe und Luxus. „In Roubaix werden heute nicht mehr Massen-, sondern Qualitätsprodukte hergestellt“, sagt Éric Mézin, der Generalvertreter des Textilverbands in Nordfrankreich.

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