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Revierkämpfe

Deutschland soll CO2-neutral werden, das bringt neue Jobs fürs Handwerk. Welche Fachkräfte sind für die Dämmung von Fassaden oder die Installation von Solarpaneelen zuständig?



Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 10/2024.

• Die Grenzen zwischen Handwerksberufen sind bisweilen fließend, gerade wenn es um neue Techniken geht. Nehmen wir die Wärmepumpen: Die Bundesregierung wünscht sich, dass pro Jahr 500.000 von ihnen installiert werden. Für Heizungen sind üblicherweise Betriebe für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK) zuständig. Für den Stromanschluss einer Wärmepumpe muss jedoch jemand anrücken, der beim Netzbetreiber für solche Arbeiten gelistet ist, in der Regel ein Elektroniker. Hinzu kommt: In das Innere der Geräte darf ausschließlich ein Kältetechniker vordringen, weil die Verdichter mit Chemikalien gefüllt sind, die nicht in die Atmosphäre gelangen sollen.

Handwerkerinnen und Handwerker klagen oft über zu viel Bürokratie, dabei tragen ihre Berufsverbände selbst dazu bei. Sie wachen streng darüber, wer sich selbstständig machen darf, was Teil der Ausbildungen ist und welcher Betrieb welche Tätigkeiten ausführen kann. All das ist detailliert geregelt, unter anderem in Ausbildungsverordnungen, flankiert von Absprachen zwischen den Verbänden.

Bei der Klimatechnik werden die Reviere neu abgesteckt. Verbände, Gewerkschaften sowie Bund und Länder müssen einige Berufe im Handwerk neu sortieren (siehe rechts: „Wer macht was?“). Hinter den Kulissen wird mitunter hart verhandelt.

Wärmepumpe anschließen:
Heizungsbau + Elektronik

Wärmepumpen sind große Klimageräte, die heizen und zum Teil auch kühlen. Vereinfacht funktioniert das Prinzip des Heizens bei einer Luft-Wasser-Wärmepumpe so: Die Umgebungsluft wird von einem Ventilator angesaugt und im Wärmepumpenkreislauf über das Verdampfen, Verdichten, Verflüssigen und Entspannen eines Kältemittels zu Heizenergie umgewandelt. Die Technik hat einen vielfach höheren Wirkungsgrad als etwa eine Gastherme.

SHK-Anlagenmechaniker schließen die Wärmepumpen an den Heizkreislauf an. Elektrotechniker verkabeln das Gerät und bauen dafür manchmal auch einen zweiten Stromzähler ein.

In der Ausbildung der Heizungsbauer kommen Wärmepumpen schon seit mehr als 20 Jahren vor. „Aber bis vor ein paar Jahren“, sagt Axel Kaufmann, der das Thema beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) betreut, „haben das nur wenige Betriebe tatsächlich ausführlich behandelt.“

Heizungsbauer, die Wärmepumpen installieren, haben entweder einen Elektroniker in ihrem Team, der für die elektrischen Arbeiten am Netz beim Netzbetreiber gelistet ist. Oder der SHK-Meister hat zusätzlich einen Kurs in Elektroinstallationstechnik gemacht und sich die Listung besorgt. Umgekehrt gibt es auch Elektrotechnikermeister mit Zusatzqualifikation als Heizungsbauer. Auf diese Kombinationen haben sich der Zentralverband Sanitär Heizung Klima und der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke geeinigt.

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