Zum Inhalt springen

@jonaswinkler.official – Influencer im Handwerk

Wie der Influencer @jonaswinkler.official seinem Handwerk einen neuen Anstrich verleihen will.



Ein Mann mit Glatze und zahlreichen Tätowierungen steht selbstbewusst in einer Werkstatt. Er trägt ein rotes T-Shirt und lehnt an einer Werkbank. Im Hintergrund sind Werkzeugmaschinen und Holzplatten zu sehen. Das Licht wirkt hell und natürlich.

Der Holzromantiker

Kurz vorm Abitur schmiss Jonas Winkler die Schule und trudelte in eine Phase der Orientierungslosigkeit. Die endete, als er seine heutige Frau Hannah kennenlernte. Sie ermutigte ihn, zu studieren. Mit dem erweiterten Realschulabschluss konnte er nach einer Aufnahmeprüfung Produktdesign studieren. Und dank seiner Holzarbeiten, die er bei der Handwerkskammer einreichte, konnte er seinen Meister als Tischler machen, ohne eine Ausbildung in dem Beruf zu absolvieren.

Heute ist der 32-Jährige Inhaber eines Online-Holzhandels, einer Tischlerei und Teilhaber eines Tattoostudios. Er hat Accounts auf Youtube, Instagram und Tiktok mit mehreren Hunderttausend Fans. In seinen teils millionenfach geklickten Tutorials vermittelt er die Botschaft: Tischlern macht Spaß.

Oft bekommt er Fanpost von jungen Leuten, die sich seinetwegen für den Beruf interessieren. Einerseits freut er sich dann, andererseits weiß er: Das wird hart. „Das Tischlerhandwerk kämpft mit jahrhundertealten Traditionen“, sagt der gebürtige Hannoveraner. Er erinnert sich noch lebhaft an den Frontalunterricht in der Meisterschule, der jegliche Leidenschaft im Keim ersticke.

Auf die Idee, Videos für Social Media zu drehen, kam er in seinem Produktdesign-Studium. Er entwarf damals nicht, wie vorgegeben, einen Stuhl aus Pappe, sondern baute ihn aus Holz. Dafür schaute er sich zahllose Tutorials auf Youtube an. Er beschloss, eigene zu produzieren – mit seiner Frau, die Filmemacherin ist.

2019 ging es richtig los, auf Youtube, Tiktok und Instagram. Man sieht in den Videos Winkler in seiner Werkstatt – Tattoos an Hals, Armen und Händen sowie riesige Tunnelohrringe. „Hoppali, was ist denn da passiert?“, fragt er in einer typischen Szene, in der er den Heimhandwerker mimt, der ein Problem hat. „Au Backe, was mache ich nun?“ Er erklärt dann flink in einfachen Worten, wie man perfekte Löcher bohrt, den Schiebestock, mit dem man zum Schutz der eigenen Hände Holz durch die Kreissäge bewegt, richtig benutzt oder Verleimregeln abwandelt. „Vorsicht, jetzt kommt der Tischlerschreck“, sagt er dann, grinst breit und präsentiert eine improvisierte Lösung.

So einfach und spaßig das Arbeiten mit Säge und Hammer bei ihm auch aussieht: Winkler hat sich die Fähigkeiten jahrelang hart erarbeitet. „Ich möchte meiner Community vermitteln, wie wichtig es ist, dieses ganze Know-how zu haben“, erläutert er. „Aber ich möchte auch, dass die Leute selbstständig über ihre Arbeit und das Material nachdenken.“

Echte Handwerker halten sich in seinen Augen nicht immer an die Regeln, sondern brechen sie zuweilen bewusst.

brand eins: Herr Winkler, kriegen Sie Feedback von anderen Tischlern?

Jonas Winkler: Viele tradierte Handwerker mögen mich nicht, weil ich kreativ mit Holz umgehe. Ich nehme es nicht in die Hand, um dies oder jenes daraus zu bauen. Sondern schaue es mir an und frage mich: Was steckt in dir? Ich bin ein Holzromantiker.

Sollte sich der Beruf verändern?

Der Weg in diesen Beruf müsste sich ändern. Warum muss ich als Abschlussprüfung mit der Hand eine Zinkenverbindung bauen, wenn das heute 3D-Programme und Zinkenfräsen übernehmen? Und die Tischlermeister sollten sich fragen: Bin ich glücklich mit dem, was ich tue? Kann ich dem Nachwuchs meinen Arbeitsalltag schmackhaft machen? Weil ich den Weg in den Beruf nicht allein ändern kann, drehe ich Videos, die zum Ausprobieren und zum Selbermachen animieren und vielleicht auch manche dazu bewegen, Tischler zu werden.

Follower
… auf Youtube: 528.000
… auf Instagram: 428.000
… auf Tiktok: 248.700