Friesische Wollweberei
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In Friesland gründen zwei Unternehmensberater die letzte Wollweberei des Landes neu – und setzen auf jahrhundertealtes Handwerk. Damit liegen sie gut im Trend.
Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 10/2024.
• Helmut Neeland ist 64, hat seine Weberlehre abgeschlossen, als der Kanzler noch Helmut Schmidt hieß, und genügend Berufsjahre auf dem Buckel, um seine Rente zu genießen. Neeland aber – Latzhose, Karohemd, Schneiderschere in der Hand – erscheint allmorgendlich in dieser Fabrikhalle im friesischen Örtchen Zetel. Wirft die lochkartengesteuerte Greiferwebmaschine an, beugt sich in die Schärmaschine Baujahr 1953, prüft den Lauf der Kettfäden, hilft den Kollegen beim Waschen der Wolldecken. Ruhestand? „Nicht, wo hier so ein Wahnsinnsprojekt läuft!“
Das Wahnsinnsprojekt, das den Webmeister aus der Rente zurückgeholt und weit über die Region hinaus Aufmerksamkeit erregt hat, begann vor drei Jahren mit einem Artikel in der Oldenburger »Nordwest-Zeitung«. An jenem Tag meldete das Blatt den Abriss der Tuch- und Wolldeckenfabrik Küper aus dem friesischen Bockhorn. Die Maschinen der insolventen Weberei, an denen zuletzt fünf Menschen Wolldecken für die Bundeswehr, die Deutsche Bahn und andere Kunden gewebt hatten, sollten verkauft werden – das Ende einer jahrhundertealten Tradition. So lange hatten Webereien Kleidung, Kissen und Decken aus der Wolle der Schafe gefertigt, die auf Weiden und Deichen der Nordseeküste grasten. Ein nachwachsender, lokaler Rohstoff, dessen graszupfende Produzenten nebenbei noch dem Deich- und damit Hochwasserschutz dienten. Als Helmut Neeland 1976 seinen Gesellenbrief entgegennahm, arbeiteten allein im Örtchen Zetel noch 350 Webstühle in drei großen Webereien. Heute finden die Schäfer für ihre Wolle kaum noch Abnehmer, und mit Küper verabschiedete sich die allerletzte Wollweberei, die sie vor Ort hätte verarbeiten können.
Zurück in den Beruf: Helmut Neeland sitzt vor dem Schärgatter, hier werden die Fäden auf das Weben vorbereitet
Vordigitale Technik: Hier werden Lochstreifen gestanzt, mit denen die Webmaschinen gesteuert werden
Stolze Jungunternehmer: Monika und Heinz-Jürgen Gerdes
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Er ist Teil unserer Ausgabe Handwerk