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Fachkräftemangel im Handwerk

Der Fachkräftemangel in deutschen Handwerksbetrieben war noch nie so groß. Drei Betriebe zeigen, wie man trotzdem gute Leute findet.



Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 10/2024.

• Im Handwerk waren im Jahresdurchschnitt 2023 rund 250.000 Stellen unbesetzt. Am größten war die Lücke bei Gesellinnen und Gesellen, also Fachkräften mit abgeschlossener Berufsausbildung. Hier blieben 93.000 Jobs offen, hinzu kamen 20.000 unbesetzte Ausbildungsplätze.

Die Gründe dafür sind vielfältig (siehe Randspalte Seite 42), und klar ist: Unternehmen müssen sich etwas einfallen lassen, um Personal zu gewinnen. Drei Betriebe machen vor, wie das geht.

Drei junge Erwachsene stehen lächelnd vor einer hellen Hauswand. Der Mann links trägt ein dunkles T-Shirt und Shorts, er scheint etwas zu erzählen und gestikuliert dabei. In der Mitte steht ein junger Mann in einem gelben Fußballtrikot, er schaut freundlich in die Kamera. Rechts steht eine junge Frau mit blonden Haaren, sie trägt ein grünes Oberteil und Jeans. Alle drei wirken entspannt und haben eine positive Ausstrahlung. Im Hintergrund ist ein schmaler Pflanzstreifen und ein Schild zu sehen.

Carlos Dietz (Mitte) hat in einem Aachener Malerbetrieb einen Job gefunden und mit den Inhabern Kim Brecht und Patrick Vonberg eine Ersatzfamilie

1. Malerbetrieb aus Aachen:
Personalsuche im Gefängnis

Es ist kurz nach vier Uhr an einem Donnerstagnachmittag, als ein Mitarbeiter der Firma seinen Wagen vor den Räumlichkeiten des Malerbetriebs Kurt Juchem im Aachener Stadtteil Eilendorf parkt. Carlos Dietz, der Geselle, kommt in Begleitung eines Auszubildenden schnell nach draußen, um dem Kollegen beim Ausräumen des Autos zu helfen. Damit es schneller geht und alle am nächsten Morgen weniger zu tun haben. Dass mit Carlos Dietz hier nun zwei Hände mehr anpacken, ist keine Selbstverständlichkeit. „Wir haben Ewigkeiten nach einem Gesellen gesucht“, sagt Kim Brecht, im Betrieb für alles Organisatorische zuständig. Im März 2021 hat sie mit ihrem Mann Patrick Vonberg die 35 Jahre alte Firma von dessen Chef übernommen. Die notwendige Vergrößerung des Teams machte dem Ehepaar schnell Sorgen.

„Wir haben auf allen Wegen versucht, Leute zu gewinnen: im Bekanntenkreis, über die Agentur für Arbeit. Vergeblich“, sagt sie. Dann flatterte eine Einladung der Handwerkskammer ins Haus, in der Betriebe aus der Region Aachen in die Justizvollzugsanstalt Heinsberg eingeladen wurden. Die Unternehmer sollten Fachkräfte im Gefängnis kennenlernen, wo die Insassen in 15 verschiedenen Berufen – vom Maurer über Schreinerin bis hin zum Industriemechaniker – ausgebildet werden. „Ich war sofort neugierig auf das Projekt“, sagt Brecht, „auch wenn ich keine großen Hoffnungen hatte, so einen Mitarbeiter zu finden.“

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